Siddinghausen – eine starke Gemeinschaft mit viel (erneuerbarer) Energie

Neue Heizleistung im alten Stall

Gemeinsam leben, gemeinsam Zukunft planen, gemeinsam bauen: (v.l.) Henning Kohlhage, Schwiegervater Heinrich Hueck, Karl Maas und Lothar Schulte. (Fotos: Simone Melenk)

Siddinghausen. Früher quiekten hier die Ferkel, heute powert an derselben Stelle das erste Unnaer Hackschnitzel-Fernwärme-Heizkraftwerk. Angeschlossen sind immerhin neun Häuser im Dorf. In Siddinghausen wird für die Zukunft gebaut. Gemeinsam haben alteingesessene Bauern mit ihren Familien eine neue, autonome Energieversorgung geplant und realisiert. Und die Ärmel hochgekrempelt.

Nachhaltigkeit war das Thema, Energie aus nachwachsenden Rohstoffen und nicht zuletzt die Unabhängigkeit vom Öl waren den Familien Hueck, Maas und Schulte wichtig, als sie sich vor zweieinhalb Jahren im Olsberger Energieberatungszentrum schlau machten, wie solch ein Heizkraftwerk auch für Dörfler Sinn machen könnte.

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Baubegehung im alten Stall: rechts der 7000-Liter-Pufferspeicher, links davon die Befeuerungsanlage.

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Die Verteilerpumpen, die das 85 Grad warme Wasser in die Häuser speisen.

Neun Häuser hängen an der Anlage

Drei Großfamilien, neun Häuser, insgesamt 24 Menschen hängen jetzt dran an der Anlage, die mit einer vollautomatischen Verfeuerung von Holz-Hackschnitzel eine 200 Kw-Leistung liefert. Herzstück der Anlage, die im alten Schweinestall von Hof Hueck gut Platz hat, ist die Holz-Heizung mit dazugehörigem 7000-Liter-Pufferspeicher. Eine Förderschnecke transportiert den Brennstoff vom Bunker (im Nebenraum) in die zentrale Feuerstelle.

Als Reserve noch ein Scheitholzkessel

Pro Holz-Lieferung können 40 Kubikmeter Schnitzel im Bunker abgekippt werden. Rund zwei Wochen heizt das Material dann die Häuser und sorgt für warmes Wasser. So die Berechnungen der Betreiber. „Wir gehen von einem Jahresdurchschnitt von 450 Kubikmeter aus“, sagt Landwirt Lothar Schulte, der einer von ihnen ist. Kommende Woche wird noch ein Scheitholzkessel montiert, der zusätzliche 60 Kw liefert. Sozusagen als Havarielösung, sollte im Winter mal „die russische Peitsche“ knallen, erklärt Henning Kohlhage, bei dem Projekt für den kompletten Schriftkram zuständig. Der war nicht unerheblich. Schließlich galt es, 680 Meter Fernwärme-Leitung zu legen, glücklicherweise die meisten Meter über eigenen Grund und Boden. Aber auch auf die andere Hauptstraßenseite mussten die Heizungsbauer. Genehmigungen bei Straßen NRW mussten eingeholt, immer wieder neue Rechnungen aufgestellt und schließlich Fördermittel für das neue Fernwärmenetz beantragt werden.
Das Gemeinschaftsprojekt ist so ungewöhnlich wie zukunftsweisend, meint Henning Kohlhage, weil es Großeltern, Eltern, Kinder und Enkel gleichermaßen einbezieht und in die Zukunft des Dorfes weist. Die Anlage ist jederzeit erweiterbar. Und überschüssige Wärme im Sommer? Kein Problem: Die trocknet dann das Korn. Denn noch ist das 125-Seelen-Dorf im Unnaer Osten ein Bauerndorf. Ein besonders schönes noch dazu.