Fotografie als Kunst – Stipendium für Donja Nasseri

5555 Euro für die Kunst und als Förderung für die Künstlerin Donja Nasseri (m.). Sparkassenvorstand Klaus Moßmeier und Kulturstiftungs-Vorsitzender Werner Kolter gratulieren der aktuellen Stipendiatin. (Foto: Simone Melenk)

Muster einer multikulturellen Welt

Ihre Fotoarbeiten rollt sie sogar als Teppich in den Raum, fügt sie zu mehrschichtigen Collagen zusammen oder baut mit ihnen dreidimensionale Wandskulpturen. Für Donja Nasseri ist die Fotografie Mittel zum Zweck, mit ihr kann sie Geschichten weiterspinnen und multimedial erzählen – immer wieder Geschichten von einer multikulturellen Gesellschaft. Einmal mehr wurde ihre Kunst jetzt ausgezeichnet. Mit 5555 Euro gehört das Stipendium der Kulturstiftung Sparkasse UnnaKamen zu den hochdotierten Kunstpreisen Nordrhein-Westfalens und wird seit 1992 jährlich vergeben. Die Preisträgerin 2018/2019 heißt Donja Nasseri, ihre Werke zum Thema „Fotografie als Kunst“ überzeugten die Jury.

Muster aus Afghanistan treffen Motive aus Korea. Donja Nasseris Fotoarbeiten landen auch schon mal auf einem riesigen Teppich: imposantes Werk in der Alte Heide-Schule der Carlernst Kürten-Stiftung. (Foto: Simone Melenk)

Der gehörten unter anderem Kunsthistoriker Peter Friese an, seit Bestehen des Stipendiums erfahrener Berater und Kritiker. Dem Thema entsprechend wertete auch Prof. Michael Reisch mit, Professor für Fotografie und Digitale Medien an der Alanus-Hochschule für Kunst und Gesellschaft Bonn.

Donja Nasseri (Jahrgang 1990) studierte an der TU Dortmund, komplettierte ihre Ausbildung an der Kunstakademie Münster (Klasse Mariana Castillo Deball) und an der Kunstakademie Düsseldorf (Klasse Gregor Schneider). Als Tochter einer ägyptischen Mutter und eines afghanischen Vaters in Deutschland geboren, verarbeitet sie gerne Muster einer multikulturellen Welt, verändert sie, mischt sie mit neuen Motiven oder überlagert sie mit eigenen Erinnerungen wie Familienfotos.

Die Preisträgerin Donja Nasseri mit Jurymitglied und Laudator Peter Friese (r.) und Künstler Thomas Klegin, 1992 der erste Stipendiat der damals neu gegründeten Kulturstiftung der Sparkasse. (Foto: Simone Melenk)

Ihre Entscheidung für Donja Nasseri begründet die Jury wie folgt:

„Zentraler Aspekt der Arbeit von Donja Nasseri ist ihre künstlerische Auseinandersetzung mit Traditionen und Veränderungen innerhalb einer als komplex erfahrbaren multikulturellen Gesellschaft. Dabei spielt der Einsatz der Fotografie als künstlerisches Medium eine integrale Rolle: In ihren multimedialen, durchaus genreübergreifenden Werken und raumbezogenen Installationen werden Fotografien nicht nur als Kopien, Collagen und Bilddokumente erfahrbar, sondern erhalten auch im Sinne experimenteller Verfahren wichtige katalysatorische Funktionen. Sie fungieren in ihrer Rolle als Portraits, als Dokumente persönlicher Erinnerungen, als Belege traditioneller Elemente (wie Teppichmuster), aber auch als kritische Kommentare eines erkennbaren Wandels von Umwelt und Gesellschaft. Als Tochter einer ägyptischen Mutter und eines afghanischen Vaters, die in Deutschland aufgewachsen ist und gerade deshalb bewusst zwischen und mit verschiedenen Kulturen lebt, versteht sie Bilder, Klänge, Räume mitsamt dem Einsatz diverser Materialien zu glaubhaften Statements und Narrativen zu verbinden.

Doch auch in ihrer Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum (etwa im Dortmunder Unionviertel) weiß sie Fotos als Dokumente, Sichtbarkeitsbeweise und kritisch-ironische Befragungen einzusetzen und darüber hinaus in einen politischen Bezugsrahmen zu stellen. Weil diese Querverbindungen und der reflektierte Einsatz des Bildmediums im gesamten Œuvre der Künstlerin durchgängig zu beobachten sind, sprach sich die Jury einstimmig für Donja Nasseri im Rahmen des vorgegebenen Themas als Trägerin des Kulturpreises der Sparkassenstiftung Unna 2018 / 2019 aus.“

Donja Nasseri zeigt Arbeiten aus ihrem künstlerischen Schaffen noch bis zum 22. September in der Alte Heide-Schule an der Hammer Straße.

Die Ausstellungsräume der Carlernst Kürten-Stiftung wurden sehr zurückhaltend und geschmackvoll renoviert und entfalten eine ganz neue Strahlkraft.

Farbe und Form: Karin Radoy ab 29. September

Die nächste Ausstellung steht bereits ab 29. September im Stiftungskalender und heißt schlichtweg „Dialog“: Dann widmet sich die Künstlerin Karin Radoy dem Verhältnis zwischen Farbe und Form. Ausstellungseröffnung ist am Sonntag, 29. September, um 11 Uhr in der Alte Heide-Schule. Bürgermeister Werner Kolter und der neue künstlerische Leiter der Carlernst Kürten-Stiftung, Burkhard Leismann, begrüßen die Gäste. Eine Einführung gibt Juliane Rogge. Die Ausstellung läuft bis zum 15. Dezember.