Domenico, Du wirst uns fehlen

Wenn er Gäste bewirten konnte, war Domenico in seinem Element. Hier ein Bild vom 25-Jährigen der Deutsch-Italienischen-Gesellschaft. (Foto: sim)

Der Präsident der Deutsch-Italienischen Gesellschaft Unna und ehemalige Bürgermeister dieser Stadt, Werner Kolter, würdigt Domenico Peloso:

Tief bewegt und traurig mussten wir Anfang Februar zur Kenntnis nehmen, dass Domenico Peloso gestorben ist. Gemeinsam mit einem großen Freundeskreis trauern wir um einen guten Freund, einen beliebten Gastwirt, Mitbegründer der Deutsch-Italienischen Gesellschaft sowie Initiator und Motor der Festa Italiana in Unna mit ihrer landesweit bewunderten Illuminazione aus Apulien.

Italien-Fan Werner Kolter verbindet mit Domenico eine lange Geschichte.

Über Jahrzehnte war Domenico für mich Freund und Wegbegleiter. Unzähliche Erinnerungen und Bilder werden lebendig – von ersten Begegnungen im damaligen Oldtimer, in der Pizzeria Canapee sowie Mitte der 1980er-Jahre im Ristorante im Rathaus – bis zum La Torre. Gemeinsame Urlaube in Apulien, Treffen in seinem Heimatdorf Orsara di Puglia, Spaß a la spiaggia am Gargano, aufregende – auch kulinarisch unvergessliche – Fußballreisen mit Borussia Dortmund und nicht enden wollende abendliche Nachbesprechungen von Rats- und Ausschusssitzungen in seiner angesagten Rathaus-Gaststätte:  Stets hilfsbereit und immer freundlich war Domenico, ein sorgsamer Gastgeber und aufmerksamer Gesprächspartner.

 

Die beiden Domenicos: Domenico Peloso und Lichterbauer Domenico Paulicelli, der nach Domenico benannt ist und angeblich auch in Unna gezeugt wurde. (Foto: sim)

Als der halbstarke Domenico – gerade einmal 17 Jahre alt – 1963 la Mamma am Stiefelsporn und in den Bergen Apuliens zurückließ und mit seinem Köfferchen in Westfalen aus dem Zug stieg, da konnte er natürlich nicht wissen, dass er einmal ein Stück Stadtgeschichte in Unna schreiben würde. Domenico Peloso gilt als Mit-Erfinder und Motor von Un(n)a Festa Italiana. Seit 1985 wird es am Hellweg gefeiert, ist stetig gewachsen und lockt jedes Mal über Himmelfahrt Hunderttausende Besucher in die Innenstadt. Denn mehr als eine halbe Millionen

Lämpchen leuchten bei Einbruch der Dunkelheit und tauchen Plätze und Straßen in süditalienisches Licht.

Natürlich bei einem Glas Rotwein, natürlich in einer kleinen Pizzeria (in der Fußgängerzone) wurde die Idee zu der Festa geboren. Ganz klein ging sie Mitte der 1980er-Jahre an den Start – mit ein paar Lichterbögen und einer La Banda aus Domenicos Heimatdorf: kleine Männer in schwarzen Anzügen, die auf ihrem Blech je nach Anlass La Traviata oder den Trauermarsch spielten. Herrlich schräg mitunter, herrlich sentimental.

Völlig unkonventionell für deutsche Verhältnisse war auch der Lichterbau auf langen Leitern, der zwar keinen Kurzschluss auslöste, aber Schnapp-Atmung im städtischen Bauamt.

Die gelungene sonnenverwöhnte Premiere nahm sofort gefangen für das Italo-Fest. Denn die Liebe zu dem Sehnsuchtsland der Deutschen ging schon damals in Unna weit über ein lässiges Ciao oder die perfekte Crema in der Eisdiele hinaus. Ob Bürgermeister oder Stadtdirektor, ob Kulturdezernent, Kommunalpolitiker oder Lokaljournalist – das Italien-Virus hatte sie alle angesteckt. Gipfelte schließlich und viel später sogar in der Partnerschaft mit der berühmten Stadt Pisa.

Mittlerweile hat sich die Unnaer Festa zum größten italienischen Fest nördlich der Alpen entwickelt.

 

Domenicos großer Traum, ein Stück seiner Heimat Apulien nach Unna zu bringen, war Wirklichkeit geworden. Darauf war er stolz. Und wenn die Lichterbauer aus Bari kamen, war Domenico rund um die Uhr im Einsatz, half, wenn es klemmte, besorgte noch ein paar Meter Kabel, einen starken Kaffee oder – wenn es denn nötig war – auch einen „Zahnklempner“ für die fleißigen Kletterkünstler.

Deutsch-Italienische Freundschaft in Unna: Domenico hat sie gelebt.

Er wird uns fehlen.