Begleitet und behütet auf dem letzten Weg – Ein Hospiz im Herzen der Stadt

Begleitet und behütet auf dem letzten Weg – Ein Hospiz im Herzen der Stadt

 

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Schwarz von Menschen war die Klosterstraße zur Eröffnung des Heilig-Geist-Hospizes. (Foto: Simone Melenk)

Was lange währt, wird endlich gut. Die Stadt Unna hat jetzt ein Hospiz. Das Heilig-Geist-Hospiz in der Klosterstraße will Menschen auf ihrem letzten Weg, den sie gemeinsam mit ihren Angehörigen gehen, ein behütetes Zuhause bieten.

Von Anfang an konfessionsübergreifend geplant, kamen 2009 die ersten Pläne für ein Unnaer Hospiz auf den Tisch. Es war ein Glücksfall, das mit dem ehemaligen Kolpinghaus ein stattliches Haus mit großem Grundstück im Herzen der Stadt zur Verfügung stand. Ganz in der Nähe – in der Massener Straße – hatte es bereits 1315 ein Hospital zum Heiligen Geist gegeben, das immerhin bis 1847 segensreich wirkte und Alte, Arme und Kranke versorgt hatte.

Bürgermeister Werner Kolter (l.), Hospiz-Leiterin Marion Eichhorn und Pfarrer Paul Mandelkow schneiden das rote Band entzwei: Das Hospiz ist eröffnet.(Foto: Simone Melenk)

Wie einst das Kolpinghaus eine Herberge war, soll auch das Hospiz eine Herberge für Menschen werden, für Gäste, die kommen und die gehen können…So drückte es Guido Ponto vom Katholischen Hospitalverbund Hellweg bei der Eröffnung aus. Es war ein langer, mitunter auch steiniger Weg. Umplanungen verzögerten den Bau, Zeit war dann auch Geld. Am Ende lagen die Baukosten bei 3,7 Millionen Euro, aber beachtliche 1,1 Millionen Euro davon sind allein durch Spenden aufgebracht worden. Das freute besonders den Vorstand der Heilig-Geist-Hospizstiftung, Prof. Klaus Weber. Auch Bürgermeister Werner Kolter sieht in dem ehrgeizigen Projekt einen starken Ausdruck von Bürger-Engagement in einer funktionierenden Bürgergesellschaft..

10 Gäste finden in dem Haus helle und schöne Zimmer. Für Angehörige gibt es Gästezimmer, außerdem einen Raum der Stille und eine große Wohnküche, die Mittel- und Treffpunkt des offenen Hauses werden soll und direkten Zugang zum Hofgarten hat. 15 Pflegekräfte, Sozialarbeiter, Helfer/innen, aber auch etliche Ehrenamtliche kümmern sich um die Gäste.

Auch Architekt Christian Weicken war sichtlich stolz, als er jetzt den Schlüssel übergeben konnte. Es sei ein sehr helles Haus geworden, sagte er, trotzdem ein sehr warmes. Es sei ein städtischer Bau und doch auch ein sehr privates Haus. Das Hospiz sei funktional und empfange die Menschen doch mit viel Atmosphäre. Die neue Leiterin des Hospizes, Marion Eichhorn, ist voller tatendrang: „Ich freue mich, dass es losgeht.“ Sie ermunterte die Unnaer Bürger, einfach mal vorbeizuschauen: „Wir sind ein offenes Haus, ein Haus für alle.“

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Garten, Hof, Patio und alle Außenanlagen sind fertig: geplant und gestiftet von der Bürgerstiftung Unna.(Foto: Simone Melenk)

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Psalm 127,1: Wo der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wo der Herr nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst.

Ausgezeichnet: Die junge Malerin Eilike Schlenkhoff

Ausgezeichnet: Die junge Malerin Eilike Schlenkhoff

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Ihre Malerei überzeugt: Eilike Schlenkhoff freut sich über das Stipendium 2016/2017 der Kulturstiftung Sparkasse Unna. (Foto: Simone Melenk)

Kreis Unna/Ruhrgebiet. Malerei war gefragt, so oft schon totgesagt und doch immer wieder neu erfunden. 22 junge Künstlerinnen und Künstler aus der Region und dem Ruhrgebiet hatten sich mit ihren Arbeiten um den Förderpreis beworben: Die Künstlerin Eilike Schlenkhoff aus Herne konnte sich am Ende über das mit 5555 Euro dotierte Stipendium der Kulturstiftung Sparkasse Unna freuen.

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Vorstandsvorsitzender Klaus Moßmeier (l. und Werner Kolter, der Vorsitzende des Stiftungs-Kuratoriums, überreichen der Künstlerin Eilike Schlenkhoff den Förderpreis. Blumen dazu sind Ehrensache. (Foto: Simone Melenk)

Die Vielseitigkeit und die unterschiedlichen Stile, die Eilike Schlenkhoff einsetzt und entwickelt, hatten am Ende die Jury überzeugt. Die Münsteraner Meisterschülerin, die ihre künstlerische Laufbahn an der Freien Akademie der Bildenden Künste in Essen begann, beherrscht die große Gesten mit breitem Quast ebenso  wie den leichten Pinselstrich, die Farbfeldmalerei und das Kleinformat. Immer steht das Malerische im Mittelpunkt, das Tiefgründige, das erst aus unzähligen Schichten entsteht. Ihre Farbgebilde verselbständigen sich, schweben im Raum, lösen sich wieder auf. Die Künstlerin zieht Linien, die aus dem Nichts kommen und im Nichts enden. Alles wirkt so leicht und ist doch so schwer zu malen. Manchmal verbergen sich unter ihren Arbeiten zehn andere Bilder, verrät sie. Auf vermalten Untergründen wirft Eilike Schlenkhoff neue Schlagschatten. Eine Schale lässt sie schweben, eine Wäscheleine wehen, einen blauen Beutel bersten, eine Jalousie mit Licht spielen. Der Betrachter kann sich ins abstrakte Bild stürzen und in Schlenkhoffs Farbwesen seine eigene Geschichte ergründen.

Die Auszeichnung und Ausstellung sind das eine, die finanzielle Anerkennung ist das andere. Eilike Schlenkhoff, Jahrgang 1984, freute sich riesig auch über das Preisgeld: „Jetzt kann ich den ganzen Sommer lang malen…und endlich kauf’ ich mir eine Quetschkommode.“

Malerei von Eilike Schlenkhoff: Ausstellung bis 18. Juni im Kunstverein Unna, Mühlenstraße 4c, www.kunstvereinunna.de

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Die Preisübergabe im Unnaer Kunstverein war gut besucht: Bis 18. Juni sind die Arbeiten von Eilike Schlenkhoff jetzt in der alten Mühle zu sehen. Laudator bei der Preisverleihung war Dr.Peter Schmieder, Geschäftsführer des Künstlerhauses Dortmund (l.). (Foto: Simone Melenk)

Das Stipendium für junge Bildende Künstler, einst zum 150-Jährigen der Bank aufgelegt, wurde von der Kulturstiftung Sparkasse Unna bereits zum 25. Mal ausgelobt. Die fördert mit diesem Preis seit 1992 junge Kunst und junge Künstler in unserer Region.

Der Preis ist dotiert mit 5555 Euro – Startkapital für das freie Schaffen

Im vergangenen Jahr war „Kunst und Natur“ das Thema, diesmal war die Malerei gefragt. Es gab 22 Einreichungen. Das Stipendium ist mit immerhin 5555 Euro dotiert und gehört in Westfalen zu den größeren und auch anerkannten Auszeichnungen.

In der jüngsten Stiftungssitzung wurde die Stiftung übrigens umbenannt in Kulturstiftung UnnaKamen, das Zusammengehen trägt der Sparkassen-Fusion Rechnung. Zusammen mit der Sparkasse Fröndenberg, die jetzt auch dazugehört, werde das Förderpotenzial künftig weiter wachsen, kündigte Werner Kolter an, der Vorsitzende des Stiftungs-Kuratoriums.

Gut für die Kunst, gut für die Region.

Lichtkunstpreis für Satoru Tamura – Bei ihm fliegen die Funken

Lichtkunstpreis für Satoru Tamura – Bei ihm fliegen die Funken

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Erst Anspannung beim Abstieg ins Ungewisse, dann Hochspannung. Im wahrsten Wortsinn. Für den International Light Art Award (ILAA), den Unnaer Lichtkunstpreis, lässt der japanische Künstler Satoru Tamura die Funken fliegen.

In die Museumskeller in der ehemaligen Brauerei – 12 Meter unter der Erde – baute er eine riesige offene Steckdose. Fließende Energie – selbst produziert mit Messingstäben, die über einen Metalltisch schrappen – lässt sich so ganz neu erleben, sogar erschnüffeln, wenn’s blau britzelt. Tamuras Strom (bitte hinter der Absperrung bleiben!) bringt noch eine raumhohe Lichtsäule zum Leuchten. Sein „Point of Contact for Unna“ huldigt dem Phänomen Licht. Und ist die herausragende Arbeit, die im internationalen Wettbewerb am Ende die Fachjury überzeugte.

An die 300 Künstlerinnen und Künstler aus 41 Ländern hatten sich um den ILAA 2017 beworben, sogar aus Afrika wurden Ideen nach Westfalen geschickt. Neben Tamura gehören Tilman Küntzel (Deutschland) und das Künstler-Duo Vroegop/Schoonveld aus den Niederlanden zu den Gewinnern, die ihre eigens für die faszinierenden Räume geschaffenen Arbeiten jetzt fünf Monate vor Ort zeigen. Realisierung und Ausstellung gehören zum Preis. Satoru Tamura darf sich außerdem noch über die Siegerprämie von 10 000 Euro freuen.

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Den Anfang in den Gewölben der Wechselausstellung (bis 3. September) macht aber das Künstlerduo Vroegop/Schoonveld (l. Foto: Frank Vinken) mit einem spektakulären „Unendlichkeitszeichen“: 200 sich drehende schwarzweiß-karierte Lichtröhren hypnotisieren mit einem Spiel aus Licht und Dunkelheit, Bewegung und Rhythmus. Das Bild von einem langen mäandernden Fluss drängt sich auf. Meditativ ist ihre Kunst, und Standards, Wiederholungen und Serien spielen immer eine Hauptrolle, sagt Matty Vroegop.

Der Berliner Künstler Tilman Küntzel (r. Foto: Frank Vinken) verwandelt den Jahrhunderte alten Keller schließlich in einen magischen Ort. Ein mächtiger Kronleuchter ist vom Himmel gefallen, jetzt liegt er am Boden. Das Licht bricht sich in den Kristallen, die Gläser klirren. So scheint es zumindest. Küntzels Installation ist komplexer. Ganz woanders klicken in einem Schaltkasten Metalle, versteckte Mikros in den Wänden verstärken die Geräusche. Allen technischen Erklärungen zum Trotz erzählt die „Rauminszenierung mit Lüster“ aber andere Geschichten. Geheimnisvollere.

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Gruppenbild mit Jury, Künstlern, Museumsdirektor John Jaspers (l.) und Dr. Stephan Muschick (r.) von der innogy Stiftung. Foto: Simone Melenk

INFO

Der International Light Art Award (ILAA) wurde zum zweiten Mal vergeben – eine Initiative des Zentrums für Internationale Lichtkunst in Unna und der Innogy Stiftung für Energie und Gesellschaft (vormals RWE Stiftung), die junge innovative Kunst fördert.

bis 3. September stellen die Finalisten Satoru Tamura (Japan), Tilman Küntzel (Deutschland) und das Künstler-Duo Vroegop/Schoonveld (Niederlande) ihre Arbeiten im Zentrum für Internationale Lichtkunst in Unna aus.

Öffnungszeiten: Die-Fr. 13 Uhr, 15 Uhr und 17 Uhr Führungen, Sa/So/Feiertage 12-17 Uhr (Führungen jede volle Stunde).

Jeden 1. Sonntag im Monat 12 bis 17 Uhr Offene Begehung, jeden 2. Sonntag im Monat Familienführung 11 Uhr (Anmeldung unter 02303/103-751).

www.lichtkunst-unna.de

Großstadtflair bei der Preisverleihung

Selten war das Zentrum für Information und Bildung (ZIB) so voll wie zur Preisverleihung. Der ILAA 2017, der International Light Award, lockte auch viele auswärtige Gäste nach Unna. Festlich dekoriert, mit schicker Bar und einem formidablen Flying Buffet präsentierte sich die Schwankhalle als Top-Location. Fanden auch die vielen Besucher. Sie zeigten sich begeistert. Hier ein paar Eindrücke von einem tollen Abend.

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Preisträger und Finalisten: (v.l.) Tilman Küntzel, Satoru Tamura und das Künstlerduo Duo Vroegop/ Schoonveld. (Foto: Simone Melenk)

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Ein gelungener Abend, deshalb gut gelaunt auf der Bühne: (v.l.) Dr. Jochen Stemplewski, Vorsitzender des Zentrums für Lichtkunst e.V., der Künstler Saturo Tamura, Kultur-Staatssekretär NRW Bernd Neuendorf und Bürgermeister Werner Kolter. Foto: Simone Melenk

 

Natürlich findet der International Light Art Award auch Beachtung in der Region – von Bochum bis Bad Berleburg. Einfach anklicken!

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Als der Mord am Hellweg blutiger Ernst war…

Als der Mord am Hellweg blutiger Ernst war…

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Plakat „Mord am Hellweg“ und Titelbild der aktuellen Anthologie „Glaube, Liebe, Leichenschau“ – „angeschlagen“ am Original Schauplatz Onkel Albrecht an der B1. Foto: Simone Melenk

 

Dominas-Bande ging über Leichen

Unna. Gesucht wird ein „Mörder ohne Gesicht“. Ein altes Bauernpaar ist auf seinem Hof ermordet worden. Das Motiv der Tat liegt völlig im Dunkeln, deren Brutalität irritiert die Polizisten… So beginnt Henning Mankells erster Krimi mit Kurt Wallander. Er wird ein Bestseller.

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Ausriss aus dem Hellweger Anzeiger, der erste Bericht über das blutige Verbrechen, damals verfasst von Klaus Seifert, der auch schon tot ist. (Stadtarchiv Unna)

So geschockt wie seine schwedischen Kollegen ist auch Polizeiwachtmeister Manfred Such. In einer Augustnacht – er hat eigentlich Kirmesdienst – wird er zum Landgasthof in Unna-Lünern dirigiert. Überfall bei „Onkel Albrecht“ lautet die kurze Info.

Am Tatort erwartet den jungen Polizisten die totale Finsternis und eine gespenstige Stille. Vorne ist nichts. Also geht er hinten herum. Verdächtig: Am Fachwerkhaus lehnt eine Leiter ins oberste Stockwerk. Der Beamte wagt sich vorsichtig ins Haus, tastet sich vor ins Treppenhaus nach oben. Dann sieht er nur noch rot, nur noch Blut…

Der Doppelmord in der Gaststätte am Hellweg – Onkel Albrecht und seine Schwester Lina wurden mit mehreren Schüssen niedergestreckt – war keine Fiktion. Das alte Paar wurde Opfer der brutalen Bande um Petras Dominas, die bei ihren Raubzügen im Ruhrgebiet über Leichen ging. Letztendlich aber führten die Spuren in Unna zu Dominas‘ Verhaftung und zum „Lebenslänglich“.

Der „Mord am Hellweg“ rauschte damals durch den Blätterwald. Das Verbrechen ist allerdings auch schon 52 Jahre her – die meisten Beteiligten sind verblichen, gestorben übrigens eines natürlichen Todes.

In der Kriminalstatistik spielt der Kreis Unna seit Dominas keine beunruhigende Rolle mehr. Krimistar Henning Mankell kam 2008 an die B1 und holte sich beim Festival „Mord am Hellweg“ den ersten Europäischen Preis für Kriminalliteratur ab, den sogenannten „Ripper Award“. Seitdem sind 21 Tötungsdelikte erfasst – so viel wie in Dortmund in einem Jahr. „Mehr Tote gibt’s eindeutig im Straßenverkehr“, sagt Kim Freigang, Sprecher der Polizei Dortmund, die bei Bedarf die Mordkommission für die Nachbarn bildet.

Heißt: Die Wahrscheinlichkeit, im schönen Schwerte einem Serientäter zum Opfer zu fallen, ist zwar deutlich größer als ein Sechser im Lotto, aber doch so berechenbar wie ein Horst Seehofer als Ehrenvorsitzender von Pro Asyl.

Stellt sich die Frage, warum sich ausgerechnet am Hellweg eine so lange Blutspur zieht.

Die Antwort erfordert keine langen Ermittlungen. Klar ist: Das Krimispektakel entspringt der Fantasie. Ideengeber und Festivalmacher Sigrun Krauß (Kulturchefin Stadt Unna) und Dr. Herbert Knorr (Leiter Westfälisches Literaturbüro) bemühten Ende der 1990er-Jahre außerdem die nordisch-germanische Mythologie. Die sah den „Helvegr“ als Totenweg, auf dem die Leichen transportiert wurden. In der Silbe Hel, so die nächste Vermutung, spiegele sich auch der Name der Höllengöttin.

Eine Straße, die ins Jenseits führt

Eine Herrscherin der Unterwelt und eine Straße, die ins Jenseits führt: Das sollte reichen für Nebulöses und Nervenkitzel! Erfunden war das Festival „Mord am Hellweg“, ein Netzwerk-Projekt mit einem Konzept so simpel wie erfolgreich. Viele Anrainerstädte bilden eine verschworene Gemeinschaft, das Genre Krimi die Klammer. Das literarische Morden pflegt die regionale Verbundenheit. Und auch die internationale Szene rückt an und bringt Spannung in die (vermeintliche) Provinz.

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Jussi Adler-Olsen mit seiner deutschen Stimme Peter Lohmeyer. Foto: Simone Melenk

So durfte sich nach dem Schweden Henning Mankell Landsmann Håkan Nesser über den „Ripper Award“ freuen. Nach ihm war die Französin Fred Vargas Publikumsliebling. Zuletzt holte sich der dänische Krimistar Jussi Adler-Olsen die Auszeichnung ab.

In diesem Jahr waren die deutsche Krimilady Ingrid Noll nominiert. Sie hatte allerdings starke männliche Konkurrenz: Bestseller-Autor Arnaldur-Indriðason (Island), Jo Nesbø (Norwegen) und den deutschen Thriller-Spezialisten Sebastian Fitzek. Der Berliner Bestsellerautor galt früh als Hauptverdächtiger für den Publikumspreis.

Der Europäische Preis für Kriminalliteratur ist übrigens mit 11.111 Euro dotiert. Das dürfte ungefähr der Summe in D-Mark entsprechen, die Petras Dominas in Onkel Albrechts Matratze vermutete.

 

Ein Kämpfer für Kuckuck & Co

Ein Kämpfer für Kuckuck & Co

Für seinen Einsatz und sein Engagement für die Umwelt und Natur erhielt Karl-Heinz Albrecht (2.v.l.) die Urkunde und die Medaille "Ehren.Sache" des Landes NRW. Links sein Mitstreiter Dr. Josef Cornelissen, Umweltminister Johannes Remmel und Bürgermeister Werner Kolter (r.)

Für seinen Einsatz und sein Engagement für die Umwelt und Natur erhielt Karl-Heinz Albrecht (2.v.l.) die Urkunde und die Medaille „Ehren.Sache“ des Landes NRW. Links sein Mitstreiter Dr. Josef Cornelissen, Umweltminister Johannes Remmel und Bürgermeister Werner Kolter (r.)

Große Ehre in der kleinen Öko-Zelle

Unna-Mühlhausen. Ohne ihn wäre Unna auf jeden Fall (wasser)ärmer, soviel steht fest. Und weil Karl-Heinz Albrecht auch mit fast 80 noch unermüdlich für die Natur, den Kuckuck & Co kämpft, wurde ihm jetzt eine besondere Ehre zuteil. NRW-Umweltminister Johannes Remmel zeichnete den Öko-Aktivisten mit der „Ehren.Sache“ aus, einer Medaille, die landesweit nur fünfmal vergeben wird – für den Einsatz und das Engagement für Natur und Umwelt.

Kein großer Bahnhof war angesagt, eher eine kleine Feierstunde in der Öko-Zelle, die Anfang der 1980er-Jahre hier in Mühlhausen/Uelzen von Heimat- und Naturschützern geschaffen wurde. Deshalb nahm Albrecht die Auszeichnung auch stellvertretend für viele (Natur-)Freunde entgegen, die mit ihm zusammen seit drei Jahrzehnten der Natur immer wieder zu ihrem Recht und ihrer Fläche verhelfen.

„Wir reden viel über Nachhaltigkeit,

sie muss aber auch gelebt werden“.

NRW-Umweltminister Johannes Remmel.

Nicht nur, dass Albrecht und seine Mitstreiter in den Quellendörfer die Wasseradern suchten und wieder freilegten, Teiche und Blenken anlegten, mit der Aktion Landkauf in Uelzen, Mühlhausen, Lünern und Hemmerde konnten in den vergangenen Jahrzehnten auch sage und schreibe 324 245 Qudratmeter Land erworben und der Natur zurückgegeben werden. Das entspricht immerhin einer (oft zusammen hängenden) Fläche von knapp 40 Sportplätzen – vom Rebhuhnacker und dem Nachtigallenbruch über den Rotkehlchenhain, den Cornelkamp bis zur Spatzenwiese und der Kuckucksweide.

Wasserschau in der Uelzener Heide/Mühlhauser Mark...

Wasserschau im Naturschutzgebiet Uelzener Heide/Mühlhauser Mark…

Experten unter sich: v.l. Karl-Heinz Albrecht, Dr. Josef Cornelissen, Johannes Remmel.

Experten unter sich: v.l. Karl-Heinz Albrecht, Dr. Josef Cornelissen, Johannes Remmel.

 

 

 

 

 

 

 

 

Nur 6 bis 7 Prozent der Gewässer in NRW seien in einem ökologisch guten Zustand, sagte Umweltminister Remmel bei der Ehrung, deshalb seien Menschen vor Ort so unverzichtbar wie wertvoll, die das Wasser als Lebensader der Artenvielfalt fördern und schützen. Karl-Heinz Albrecht sei so ein Mensch, er brennt für den Natur- und Umweltschutz. Seit 35 Jahren übrigens auch schon an der Seite von Werner Kolter, der bereits als Unnaer Umweltdezernent vielen gemeinsamen Öko-Projekten Rückenwind gab.

Heute, als Bürgermeister und begeisterter Radfahrer, ist er stolz auf ein ebenso grünes wie artenreiches Unna. Gerade auch dank so engagierter Bürgerinnen und Bürgern wie Karl-Heinz Albrecht.

Umweltaktivist Karl-Heinz Albrecht an der Gräfte des ehemaigen Wasserschlosses Haus Heyde in Uelzen. Seit knapp 40 Jahren ist der Unnaer ein unermüdlicher Kämpfer für Kuckuck & Co. (Bild. Simone Melenk)

Umweltaktivist Karl-Heinz Albrecht an der Gräfte des ehemaligen Wasserschlosses Haus Heyde in Uelzen. Seit knapp 40 Jahren ist der Unnaer ein unermüdlicher Kämpfer für Kuckuck & Co. (Bild. Simone Melenk)

 

Unterirdisch, aber oberoriginell – Ein Prosit auf die „Abteilung 10“

Unterirdisch, aber oberoriginell – Ein Prosit auf die „Abteilung 10“

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Hier unten, 20 Meter unter der Erde, gibt es immer einen Grund, sich für das Set zu entscheiden: lang-kurz, lang-kurz. Ach, einen nehmen wir noch…

Als von internationaler Lichtkunst noch keiner zu träumen wagte, ploppten hier die ersten Flaschen auf – zwischen Schutt und Dreck, Brauerei-Gerümpel und auf ausrangierten Plastikstühlen. Zu der Zeit boten die Unnaer Gästeführer in den alten Gewölben die ersten Besichtigungstouren an. Klar, dass sich auch schnell ein Keller mit Erinnerungen an produktive wie trinkfeste Zeiten füllte. Aber erst mit der Lichtkunst-Idee und der künstlerischen Ausgestaltung des unterirdischen Labyrinths hatte auch die „Abteilung 10“ einen festen Platz gefunden. Lang lang ist’s her…viel Bier und später auch wieder das berühmte Lindenpils ist seitdem durch die Kehlen geflossen. Höchste Zeit, im neuen Jahr einmal abzustauben, die Ecken zu fegen und Wollmäuse zu jagen, die hier ansonsten sehr alt werden dürfen.

Von Gläserspendern und Gläserspülern

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Prost: Karl-Heinz Agethen (Aggi l.) und Jörg Franke

Aggi, die Unnaer Letztinstanz für eine gepflegte Trinkkultur, hatte sich die gefühlten 3000 Gläser vorgeknöpft. Verletzungsfrei bugsierte er sie nach ausgiebigem Spülgang wieder staubfrei in die Glasvitrinen. In der Kneipe wurde auch sonst viel geputzt und gewienert. Auch neue Gläserspenden landeten im Keller und sogar eine alte Kiste Lindenpils de luxe (leider leer) tauchte auf. Aus dem Osten schaffte Karl-Heinz Schetter eine Lindenpils-Brieftasche herbei (leider auch leer!), und Bettina Dellwig stellte ihre alten Fotos  von den Kellern zur Verfügung, aus einer Zeit, als hier noch keiner gewirbelt und oder auch nur irgendeine Nutzungsidee hatte. Gästeführer Wolfgang Patzkowsky, der neuerdings auch dem Verein mit dem wohl klingenden Namen „Cerevisia Unnae Clara“ vorsteht, was ungefähr so viel bedeutet wie „Lasst uns einen heben!“, begrüßte zur Wiedereröffnung der wohl originellsten Kneipe in Unna an die 70 Gäste. 50 sind übrigens offiziell erlaubt. Die sind immer willkommen. Die „Abteilung 10“ kann für Feiern oder Firmen-Events gemietet werden: bei den Gästeführern oder direkt beim Verein Lindenbrauerei. Einfach nachfragen!

TIPP: Besuchen Sie das Zentrum für Internationale Lichtkunst einen ganzen Sonntagnachmittag lang ohne Führungen und probieren Sie in der „Abteilung 10“ ein leckeres Lindenpils. Das Angebot des Museums in Kooperation mit Unnas Gästeführern ist neu! Jeden ersten Sonntag im Monat ab 12 Uhr geht’s allein durch die Lichtkunst, ab 13 Uhr wird in der „Abteilung 10“ gezapft. Letzter Einlass ist um 16.15 Uhr.

 

 

 

 

 

 

 

 

Zukunft Berliner Allee – neue Pläne für ein altes Quartier

Zukunft Berliner Allee – neue Pläne für ein altes Quartier

 „Die Menschen sollen sich hier wohl fühlen!“

Fast jede Stadt hat ein solches Quartier – in den 1960er, 1970er Jahren wurde hoch gebaut, um vielen Menschen Wohnraum bieten zu können. Heute sind die Wohnblocks aus dieser Zeit problematisch – zumal, wenn nicht in einem Top-Zustand. Das groß angelegte Projekt „Zukunft Berliner Allee“ will das Viertel, in dem immerhin 4 500 Menschen leben, deutlich aufwerten und die sozialen Probleme da anpacken, wo sie greifbar sind – im Viertel selbst. „Die Menschen sollen sich hier wohl fühlen“, sagt Bürgermeister Werner Kolter, deshalb müsse man jetzt „feinsteuern“, negative Entwicklungen abwenden.

Früh die Probleme angepackt

Früh hat die Stadt Unna das Gespräch mit den hier ansässigen Wohnungsbaugesellschaften gesucht und das Müll-Problem rund um die großen Mietriegel angepackt. Es fällt schon auf, wie sauber es hier ist, obwohl hier so viele Menschen auf dichtem Raum wohnen – Menschen, die aus aller Herren Länder kommen. Ab 2016 soll es hier nicht nur ein erweitertes Quartiersmanagement geben, auch die Themen Wege/Spielflächen/Freiflächen werden als Extra-Aufgabe verstanden und angegangen. Das Jobcenter ist mittlerweile vor Ort und betreibt in der Potsdamer Straße ein kleines Büro, ist „nah an den Menschen“, wie Christian Scholz, der stellvertretende Geschäftsführer des Jobcenters Kreis Unna, betont. Die guten Vermittlungszahlen, die Zufriedenheit der eigenen Mitarbeiter, die den Menschen vor Ort besser und direkter helfen können, sprechen für sich, meint er. Mit dem Partnern Jugendamt, der Werkstatt im Kreis Unna könne das Jobcenter hier viel effektiver helfen, so Scholz.

Immer gut besucht: der Falken Kinderclub in einer Wohnung gleich nebenan

Auch der Falken Kinderclub in einer Wohnung, der für Königsborner Schulkinder täglich geöffnet ist, hat sich als richtige und wichtige Maßnahme erwiesen. Davon konnte sich auch NRW-Bauminister Michael Groschek überzeugen, der unter anderem mit Bürgermeister Werner Kolter und Verantwortlichen der Stadt jetzt das Quartier durchstreifte. Ein Stopp im Kinderclub war gesetzt, der Besuch im Jobcenter natürlich auch. Der Minister zeigte sich beeindruckt von den Angeboten im Viertel. Allein das Investieren ins Wohnumfeld reiche heute nicht, so der Minister, man müsse sich mehr um die Menschen kümmern, wieder mehr aufeinander achten, Ansprechpartner vor Ort haben.  „Eigentlich brauchen wir wieder den guten alten Dorfsheriff“, so Groschek. Heute heißt das Quartiersmanagement, meint aber irgendwie das Gleiche.

Die Initiative „Zukunft Berliner Allee“, ein Millionen schweres Projekt-Paket, wird vom Land gefördert und bis 2020 sichtbare positive Zeichen in der Berliner Allee und auch in Königsborn-Nord setzen. Los geht’s mit neuen Ideen und Maßnahmen im neuen Jahr.

Fotos: Simone Melenk

Älter werden in Unna – wie wollen Senioren wohnen?

Älter werden in Unna – wie wollen Senioren wohnen?

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Seniorentag in Unna: Viele Informationen, viel Betrieb an den Ständen, hier der Bürgermeister im Gespräch mit der Herbstblatt-Redaktion und einem alten Handball-Freund.

Unna. Die Kinder sind aus dem Haus, die Wohnung ist viel zu groß. Das eigene Haus lässt sich nur noch mit Mühe bewirtschaften, schon allein, weil das Treppensteigen immer schwerer fällt. Eigentlich müsste man umziehen. Aber einen alten Baum verpflanzen?
Der Spruch war gestern, heute gibt es neue Angebote für Senioren. Eine älter werdende Gesellschaft sucht und braucht andere, für sie passende Wohnformen in der Stadt. Für Bürgermeister Werner Kolter ist der demografische Prozess, das „Älter werden in Unna“ eines der großen Zukunftsthemen. „Wichtig ist dabei ein enges abgestimmtes Zusammenwirken aller Akteure wie private Investoren, öffentlicher Wohnungsbau, AWo, Caritas, Diakonie sowie das Netzwerk der Pflegedienste mit der Stadt Unna.“
Werner Neumann, Leiter des Bereichs Wohnen, Soziales und Senioren bei der Kreisstadt Unna, hat das weite Feld barrierefreies Wohnen, neue Wohnformen, Wohnen mit Service, aber auch Mehrgenerationen-Wohnprojekte oder Senioren-WGs schon früh beackert. Die Stadt Unna hat sich rechtzeitig aufgemacht, mit ihren Möglichkeiten und auch öffentlich gefördert für unterschiedliche Wohnbedürfnisse den passenden Raum zu suchen und zu schaffen. Begleitet wurden dabei auch immer wieder viele private Modelle wie Baugemeinschaften, die für Gruppen planen.

Neue Projekte in Planung

Für öffentlich geförderten Wohnungsbau ist Barrierefreiheit heute Pflicht, die Wohnungen sind begehrt. So sind in Königsborn schicke kleine Seniorenwohnungen entstanden, die UKBS investierte an der Dahlienstraße in 34 Wohnungen, die AWo an der Grillostraße (17 Wohnungen). Neu hinzukommen 18 Wohnungen auf dem alten WMG-Gelände an der Zechenstraße, fast 30 neue Einheiten auf dem ehemaligen Sportplatz an der Palaiseaustraße. In Massen punktet die „Große Wiese“ mit acht WG-Plätzen für Senioren und zehn barrierefreien Wohnungen. Erstmals investiert auch der traditionsreiche Bauverein zu Lünen in Unna: An der Mozartstraße entsteht eine Senioren-WG mit 11 Plätzen und ambulanter Betreuung, darüber werden 11 neue Wohnungen für Senioren gebaut. In Planung ist außerdem noch ein großes Projekt an der Potsdamer Straße, an der Dürerstraße wird eine Baulücke geschlossen.

Denn Barrierefreiheit lässt sich nur schwer und meistens sehr aufwändig in alten Häusern umsetzen. Allein die Frage nach dem Aufzug ist mit immensen Kosten verbunden, wenn er nachträglich ins Haus eingebaut oder von außen aufgeständert wird. „Deshalb brauchen wir (geförderten) neuen Wohnungsbau“, sagt Werner Neumann.

Und deshalb kreisen in Unna auch künftig die Baukräne.

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Wie werden wir, wie wollen wir im Alter wohnen? Werner Neumann, Leiter des Bereichs Wohnen, Soziales und Senioren bei der Kreisstadt Unna (m.), war beim Seniorentag ein viel gefragter Mann. (Fotos: Simone Melenk)