Un(n)a Settimana Italiana – eine italienische Woche in unserer Stadt

Un(n)a Settimana Italiana – eine italienische Woche in unserer Stadt

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Kunst, Kino, Kulinarisches, Musik, Literatur und Liebenswertes aus dem Land, wo die Zitronen blühen. Kaum eine andere Kultur zeichnet sich so durch seine besondere Gastfreundschaft und Herzlichkeit – verbunden mit unbändiger Lebensfreude  – aus wie die italienische.

Unna hat nicht nur mit der Festa Un(n)a italiana und den Lichtern aus Bari einen Beitrag dazu geleistet, die italienische Kultur an den Hellweg zu tragen. Un(n)a hat es nicht nur geschafft, die Westfalen für die Südländer und den Süden zu erwärmen. Die Liebe zu Italien geht lange schon über ein lässiges Ciao und eine perfekte Crema auf dem Cappuchino hinaus.

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Deshalb legt Un(n)a Settimana Italiana – die erste in Unna, den Schwerpunkt auf die italienische Kultur. Ob Filmkunst, Literatur, alte und neue Musik, Kunstvolles und vor allem Kulinarisches – die Möglichkeiten für ein attraktives Programm sind groß. Vor allem, wenn viele Partner ihre Köpfe zusammen stecken. Die Deutsch-Italienische Gesellschaft Unna hat mit dieser Idee begeisterte Kooperationspartner für diese Kulturwoche gefunden.

Wenn Unna also im Mai eine italienische Woche erlebt, entfaltet sich ein buntes Spektrum. Und wir kommen dem Land Italien wieder ein Stück näher – dem Sehnsuchtsland, das schon Goethe so liebte. Un(n)a Settimana Italiana präsentiert dabei auch freischaffende Künstlerinnen und Künstler aus Italien, die jenseits der Medien ihren Weg gehen und so einen wesentlichen Beitrag zur eigentlichen italienischen Kultur leisten.

Freuen wir uns gemeinsam auf Un(n)a Settimana Italiana

Werner Kolter

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Italienfan Werner Kolter im berühmten griechischen Theater im ebenso berühmten Taormina auf Sizilien. (Foto: sim)

Und hier nun das Programm-Paket, das die Deutsch-Italienische Gesellschaft zusammen mit vielen Partnern und Förderern geschnürt hat. Es ist ganz schön groß geworden.

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Vorstellung des Programms der italienischen Woche in „la bettola“, in der Spelunke (zur alten Unke): (v.l.) Bürgermeister Werner Kolter, Sigrun Krauß (Bereich Kultur), Beate Kispal (Büro Partnerschaften), Manuela Grassi (Deutsch-Italienische Gesellschaft) Stefanie Bergmann-Budde (vhs) und Hausherr Wolfgang Patzkowsky. (Foto: Simone Melenk)

 

Ausgezeichnet: Die junge Malerin Eilike Schlenkhoff

Ausgezeichnet: Die junge Malerin Eilike Schlenkhoff

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Ihre Malerei überzeugt: Eilike Schlenkhoff freut sich über das Stipendium 2016/2017 der Kulturstiftung Sparkasse Unna. (Foto: Simone Melenk)

Kreis Unna/Ruhrgebiet. Malerei war gefragt, so oft schon totgesagt und doch immer wieder neu erfunden. 22 junge Künstlerinnen und Künstler aus der Region und dem Ruhrgebiet hatten sich mit ihren Arbeiten um den Förderpreis beworben: Die Künstlerin Eilike Schlenkhoff aus Herne konnte sich am Ende über das mit 5555 Euro dotierte Stipendium der Kulturstiftung Sparkasse Unna freuen.

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Vorstandsvorsitzender Klaus Moßmeier (l. und Werner Kolter, der Vorsitzende des Stiftungs-Kuratoriums, überreichen der Künstlerin Eilike Schlenkhoff den Förderpreis. Blumen dazu sind Ehrensache. (Foto: Simone Melenk)

Die Vielseitigkeit und die unterschiedlichen Stile, die Eilike Schlenkhoff einsetzt und entwickelt, hatten am Ende die Jury überzeugt. Die Münsteraner Meisterschülerin, die ihre künstlerische Laufbahn an der Freien Akademie der Bildenden Künste in Essen begann, beherrscht die große Gesten mit breitem Quast ebenso  wie den leichten Pinselstrich, die Farbfeldmalerei und das Kleinformat. Immer steht das Malerische im Mittelpunkt, das Tiefgründige, das erst aus unzähligen Schichten entsteht. Ihre Farbgebilde verselbständigen sich, schweben im Raum, lösen sich wieder auf. Die Künstlerin zieht Linien, die aus dem Nichts kommen und im Nichts enden. Alles wirkt so leicht und ist doch so schwer zu malen. Manchmal verbergen sich unter ihren Arbeiten zehn andere Bilder, verrät sie. Auf vermalten Untergründen wirft Eilike Schlenkhoff neue Schlagschatten. Eine Schale lässt sie schweben, eine Wäscheleine wehen, einen blauen Beutel bersten, eine Jalousie mit Licht spielen. Der Betrachter kann sich ins abstrakte Bild stürzen und in Schlenkhoffs Farbwesen seine eigene Geschichte ergründen.

Die Auszeichnung und Ausstellung sind das eine, die finanzielle Anerkennung ist das andere. Eilike Schlenkhoff, Jahrgang 1984, freute sich riesig auch über das Preisgeld: „Jetzt kann ich den ganzen Sommer lang malen…und endlich kauf’ ich mir eine Quetschkommode.“

Malerei von Eilike Schlenkhoff: Ausstellung bis 18. Juni im Kunstverein Unna, Mühlenstraße 4c, www.kunstvereinunna.de

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Die Preisübergabe im Unnaer Kunstverein war gut besucht: Bis 18. Juni sind die Arbeiten von Eilike Schlenkhoff jetzt in der alten Mühle zu sehen. Laudator bei der Preisverleihung war Dr.Peter Schmieder, Geschäftsführer des Künstlerhauses Dortmund (l.). (Foto: Simone Melenk)

Das Stipendium für junge Bildende Künstler, einst zum 150-Jährigen der Bank aufgelegt, wurde von der Kulturstiftung Sparkasse Unna bereits zum 25. Mal ausgelobt. Die fördert mit diesem Preis seit 1992 junge Kunst und junge Künstler in unserer Region.

Der Preis ist dotiert mit 5555 Euro – Startkapital für das freie Schaffen

Im vergangenen Jahr war „Kunst und Natur“ das Thema, diesmal war die Malerei gefragt. Es gab 22 Einreichungen. Das Stipendium ist mit immerhin 5555 Euro dotiert und gehört in Westfalen zu den größeren und auch anerkannten Auszeichnungen.

In der jüngsten Stiftungssitzung wurde die Stiftung übrigens umbenannt in Kulturstiftung UnnaKamen, das Zusammengehen trägt der Sparkassen-Fusion Rechnung. Zusammen mit der Sparkasse Fröndenberg, die jetzt auch dazugehört, werde das Förderpotenzial künftig weiter wachsen, kündigte Werner Kolter an, der Vorsitzende des Stiftungs-Kuratoriums.

Gut für die Kunst, gut für die Region.

Lichtkunstpreis für Satoru Tamura – Bei ihm fliegen die Funken

Lichtkunstpreis für Satoru Tamura – Bei ihm fliegen die Funken

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Erst Anspannung beim Abstieg ins Ungewisse, dann Hochspannung. Im wahrsten Wortsinn. Für den International Light Art Award (ILAA), den Unnaer Lichtkunstpreis, lässt der japanische Künstler Satoru Tamura die Funken fliegen.

In die Museumskeller in der ehemaligen Brauerei – 12 Meter unter der Erde – baute er eine riesige offene Steckdose. Fließende Energie – selbst produziert mit Messingstäben, die über einen Metalltisch schrappen – lässt sich so ganz neu erleben, sogar erschnüffeln, wenn’s blau britzelt. Tamuras Strom (bitte hinter der Absperrung bleiben!) bringt noch eine raumhohe Lichtsäule zum Leuchten. Sein „Point of Contact for Unna“ huldigt dem Phänomen Licht. Und ist die herausragende Arbeit, die im internationalen Wettbewerb am Ende die Fachjury überzeugte.

An die 300 Künstlerinnen und Künstler aus 41 Ländern hatten sich um den ILAA 2017 beworben, sogar aus Afrika wurden Ideen nach Westfalen geschickt. Neben Tamura gehören Tilman Küntzel (Deutschland) und das Künstler-Duo Vroegop/Schoonveld aus den Niederlanden zu den Gewinnern, die ihre eigens für die faszinierenden Räume geschaffenen Arbeiten jetzt fünf Monate vor Ort zeigen. Realisierung und Ausstellung gehören zum Preis. Satoru Tamura darf sich außerdem noch über die Siegerprämie von 10 000 Euro freuen.

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Den Anfang in den Gewölben der Wechselausstellung (bis 3. September) macht aber das Künstlerduo Vroegop/Schoonveld (l. Foto: Frank Vinken) mit einem spektakulären „Unendlichkeitszeichen“: 200 sich drehende schwarzweiß-karierte Lichtröhren hypnotisieren mit einem Spiel aus Licht und Dunkelheit, Bewegung und Rhythmus. Das Bild von einem langen mäandernden Fluss drängt sich auf. Meditativ ist ihre Kunst, und Standards, Wiederholungen und Serien spielen immer eine Hauptrolle, sagt Matty Vroegop.

Der Berliner Künstler Tilman Küntzel (r. Foto: Frank Vinken) verwandelt den Jahrhunderte alten Keller schließlich in einen magischen Ort. Ein mächtiger Kronleuchter ist vom Himmel gefallen, jetzt liegt er am Boden. Das Licht bricht sich in den Kristallen, die Gläser klirren. So scheint es zumindest. Küntzels Installation ist komplexer. Ganz woanders klicken in einem Schaltkasten Metalle, versteckte Mikros in den Wänden verstärken die Geräusche. Allen technischen Erklärungen zum Trotz erzählt die „Rauminszenierung mit Lüster“ aber andere Geschichten. Geheimnisvollere.

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Gruppenbild mit Jury, Künstlern, Museumsdirektor John Jaspers (l.) und Dr. Stephan Muschick (r.) von der innogy Stiftung. Foto: Simone Melenk

INFO

Der International Light Art Award (ILAA) wurde zum zweiten Mal vergeben – eine Initiative des Zentrums für Internationale Lichtkunst in Unna und der Innogy Stiftung für Energie und Gesellschaft (vormals RWE Stiftung), die junge innovative Kunst fördert.

bis 3. September stellen die Finalisten Satoru Tamura (Japan), Tilman Küntzel (Deutschland) und das Künstler-Duo Vroegop/Schoonveld (Niederlande) ihre Arbeiten im Zentrum für Internationale Lichtkunst in Unna aus.

Öffnungszeiten: Die-Fr. 13 Uhr, 15 Uhr und 17 Uhr Führungen, Sa/So/Feiertage 12-17 Uhr (Führungen jede volle Stunde).

Jeden 1. Sonntag im Monat 12 bis 17 Uhr Offene Begehung, jeden 2. Sonntag im Monat Familienführung 11 Uhr (Anmeldung unter 02303/103-751).

www.lichtkunst-unna.de

Großstadtflair bei der Preisverleihung

Selten war das Zentrum für Information und Bildung (ZIB) so voll wie zur Preisverleihung. Der ILAA 2017, der International Light Award, lockte auch viele auswärtige Gäste nach Unna. Festlich dekoriert, mit schicker Bar und einem formidablen Flying Buffet präsentierte sich die Schwankhalle als Top-Location. Fanden auch die vielen Besucher. Sie zeigten sich begeistert. Hier ein paar Eindrücke von einem tollen Abend.

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Preisträger und Finalisten: (v.l.) Tilman Küntzel, Satoru Tamura und das Künstlerduo Duo Vroegop/ Schoonveld. (Foto: Simone Melenk)

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Ein gelungener Abend, deshalb gut gelaunt auf der Bühne: (v.l.) Dr. Jochen Stemplewski, Vorsitzender des Zentrums für Lichtkunst e.V., der Künstler Saturo Tamura, Kultur-Staatssekretär NRW Bernd Neuendorf und Bürgermeister Werner Kolter. Foto: Simone Melenk

 

Natürlich findet der International Light Art Award auch Beachtung in der Region – von Bochum bis Bad Berleburg. Einfach anklicken!

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Der Albtraum-Mann, der eigentlich ganz lustig ist

Der Albtraum-Mann, der eigentlich ganz lustig ist

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Unna. Mit ihm holen sich die Menschen den Horror ins Haus. Trotzdem (oder gerade deshalb, als Blitzableiter?) lieben sie ihn. Und Sebastian Fitzek, der Albtraum-Mann, der eigentlich ein ganz Lustiger ist, liebt sein Publikum. Er braucht diese „emotionalen Momente“, gibt er zu. Wenn der Autor sein stilles Kämmerlein verlässt und seine Leser trifft. Jetzt in Unna wieder. Da holte sich der Thriller-Spezialist den Ripper Award ab, den Europäischen Preis für Kriminalliteratur.

10 000 Besucher des Festivals „Mord am Hellweg“ hatten abgestimmt – ihr Votum für die deutsche Antwort auf Alfred Hitchcock fiel sehr schnell und eindeutig aus. Sebastian Fitzek, promovierter Jurist, der mal Staatsanwalt werden wollte, ließ Krimilady Ingrid Noll hinter sich, auch Genre-Größen wie Arnaldur-Indriðason (Island) oder Jo Nesbø (Norwegen) schlug er um Längen. Entsprechend gerührt war der Autor, als er die Auszeichnung entgegennahm: „Mein erster Preis!“

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Der Ripper Award geht an Sebastian Fitzek (3.v.l.): Preisverleihung mit (v.l) Landrat Michael Makiolla, Bürgermeister Werner Kolter, Sparkassenvorstand Klaus Moßmeier, Dr. Herbert Knorr, Sigrun Krauß (Festivalleitung) und Literaturchef und Wolfram Kuschke (Westf.Literaturbüro). Foto: Simone Melenk

Das Preisgeld, 11 111 Euro, will er spenden: zu gleichen Teilen einem Verein, der sich um Frühchen kümmert. Einem Verein gegen Kindesmissbrauch. Last not least an „Mord am Hellweg“ und hier für die Nachwuchsförderung – ohne die auch er nie dahingekommen wäre, wo er heute steht. Auf den Bestsellerlisten.

Sein Erfolg macht ihm zuweilen Angst, sagt er. Der Fitzek-Hype hält immerhin schon zehn Jahre an, acht Millionen Bücher hat der sympathische Vielredner in dieser Zeit verkauft, seine Thriller-Shows sind ausverkauft, in 24 Sprachen wird er gelesen. Oder besser verschlungen. Überraschungs-Laudator Peter Prange, ausgewiesener Experte des historischen Romans, gestand auf der Bühne: Ich mag eigentlich keine Krimis, aber wer einen Fitzek zu lesen beginnt, der ist gefangen…“

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Ein Buch pro Jahr steht auf Fitzeks To do-Liste. In diesem werden es ausnahmsweise einmal drei Veröffentlichungen (auch INFO) sein. „AchtNacht“, die tödliche Story über ein massenpsychologisches Experiment, das völlig aus dem Ruder läuft, ist gerade erschienen. Nach der Frankfurter Buchmesse will der Berliner seine Leser mit „Flugangst 7a“ fesseln. Der Thriller spielt im Flieger, und Klaustrophobie eine entscheidende Rolle. Aber die Angst lässt sich noch deutlich steigern. Von einem wie Fitzek eben.

INFO: Pupsi & Stinki – das erste Kinderbuch

Paul ist ein Stinker, weil er ständig pupsen muss. Dafür kann das Stinktier nicht auf Kommando müffeln. „Pupsi und Stinki“ heißt das erste Kinderbuch von Sebastian Fitzek. Entstanden, weil die Eltern auf einer Urlaubstour die Bilderbücher vergessen hatten. Felix (3), David (5) und Charlotte (6) forderten eigene Geschichten, der Vater musste liefern. Und weil die Fitzek-Furzknoten endlich wissen wollten, wie Pupsi & Stinki aussehen, musste noch ein Vorlesebuch mit Bildern her…Darauf hatte übrigens auch Verleger-Enkel und Lektor Ludwig (5) bestanden. So entstand die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft – garantiert nicht gruselig.

Pupsi & Stinki, Hardcover, Pattloch Geschenkbuch, 56 Seiten
ISBN: 978-3-629-14237-5

Unna ehrt den Lichtpionier François Morellet

Unna ehrt den Lichtpionier François Morellet

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Unna. In der modernen Kunst trifft man nur noch selten Pioniere: François Morellet war ein Pionier, ein Lichtpionier. Ihm zu Ehren zeigt das Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna die erste Retrospektive nach seinem Tod. Und die letzte Werkschau, die der französische Künstler noch selbst zusammengestellt hat. Das war kurz vor seinem 90. Geburtstag im April dieses Jahres, elf Tage später starb Morellet.

In den Tonnengewölben der alten Lindenbrauerei sind jetzt seine Arbeiten aus seinen Anfängen als Lichtkünstler zu sehen, ebenso aktuelle Installationen aus den Jahren 2006 bis 2015. „Es war eine Herausforderung, fertige Morellets zu zeigen in Räumen, die fertig waren“, erzählt Museumsdirektor John Jaspers, der bei einem Besuch in Frankreich das Projekt noch mit dem Meister persönlich planen konnte. Denn Morellet arbeitete meistens für den Raum. So war er in den Anfängen des unterirdischen Unnaer Museums auch einer der ersten, die sich künstlerisch in einem der vielen Bierkeller „ausleben“ durften. Seine Arbeit „No End Neon/Pier and Ocean“ aus den Jahren 2001/2002 bezieht sich auf die gleichnamige Zeichenserie von Piet Mondrian und gehört als Dauerinstallation zum Bestand des Lichtkunstzentrums.

Das Zentrum für internationale Lichtkunst Unna am 30. April 2012

No end Neon/Pier and Ocean: eine der ersten Dauerinstallationen im Zentrum für Internationale Lichtkunst, realisiert 2002.

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Nèon abscon: eine Arbeit von 1968.

Madame findet die Schau schlicht „formidable“

In der Wechselausstellung Morellet erlebt der Besucher neue und alte faszinierende Lichtkunst in 150 Jahre alten grauen Gewölben, die selbst viele spannende Spuren zeigen. Durch sie erfährt Morellet eine ganz neue Strahlkraft. Sehr moderne Neon-Arbeiten aus den 1970er Jahren sind im ersten Raum aufgebaut – Neonlinien, Neon-Stäbe, die gestikulieren, immer wieder neue Figuren bilden und ein Eigenleben mit Kopf und Füßen entwickeln. In der Ecke dann eine sehr große Arbeit, die einst schon bei der Lichtkunst-Biennale im Kulturhauptstadtjahr in einer alten Scheune in Bergkamen die Besucher in Staunen versetzte: Ein perfekter Kreis aus Neonröhren, auseinandergenommen, zusammengefallen und neu zusammengesetzt, scheint sich plötzlich zum Himmel zu recken.

So minimalistisch, so streng die Werke von Morellet scheinen, sind sie nicht. Die roten Kreise, seine Linien, die geometrisch gesetzten Punkte: sie blinken, sie flunkern, sie scheinen sich dem Zufall oder einem Kurzschluss zu ergeben. Morellet hatte eben auch viel Humor und ein Faible für eigenwillige Schaltungen und seine eigene Lichtspielerei. Auf schwarzen, eigens eingebauten Wandscheiben leuchten diese Werke aus den 1960er Jahren besonders stark.

Am Ende der Schau hängt eine Arbeit, die aus dem Quadrat, dem Kreis, dem rechten Winkel ausbricht und so ganz anders ist: wirre weiße Neonlinien.  Morellet ließ eines seiner Werke sich waagerecht im Wasser spiegeln – die fotografierte Reflektion baute er dann senkrecht für die Wand nach. Mit Morellets Reflektion endet nach zehn Stationen auch die Retrospektive.

Die verlangt auch der Witwe Danielle Morellet (89) Bewunderung ab. Madame, eigens aus Frankreich angereist, findet die Schau schlicht „formidable!“

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Danielle Morellet mit ihrem Sohn Friquet und Museumsdirektor John Jaspers. Fotos: Simone Melenk

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Morellet – bis 29. Januar 2017, Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna, Lindenplatz 1. Öffnungszeiten: Di-Fr 13 Uhr, 15 Uhr und 17 Uhr, Sa-So 13-17 Uhr stündliche Führungen. Jeden ersten Sonntag im Monat offene Begehung.

 

 

Das Unnaer Stipendium für junge Kunst

Das Unnaer Stipendium für junge Kunst

Schaut genau hin: die Stipendiatin Silke Kleine Kalvelage. Foto: Simone Melenk

Schaut genau hin: die Stipendiatin Silke Kleine Kalvelage. Foto: Simone Melenk

Unna/Dortmund. Berge von Pflanzenfasern und Plastikschnüren verrotten in der Sonne, zerfetzter Vlies hängt in den Bäumen, Ölschiefer brennt und hinterlässt große Krater: Wo der Mensch auftaucht, sich breit macht, in die Landschaft frisst und für seine Produktions- und Nahrungskette die Natur verändert und zerstört, da schaut Silke Kleine Kalvelage genau hin.

Und zeigt die Umweltzerstörung, die Nachher-Natur in Serie und bemerkenswerten Bildern. Mit ihren Fotografien, Installationen, Videos und Versuchsanordnungen mit Pflanzen-Präparaten und in Einmachgläsern überzeugte die 31-Jährige unter anderem die Chefs des Museums Weserburg in Bremen, Peter Friese, und des Glaskastens in Marl, Georg Elben, als Teil der Jury. Deshalb erhält Kleine Kalvelage  in diesem Jahr das Stipendium für junge Bildende Künstler – zum 24. Mal ausgelobt von der Kulturstiftung der Sparkasse Unna/Kamen, die einst zum 150-Jährigen der Bank aufgelegt wurde. Die fördert mit diesem Preis seit 1992 junge Kunst und junge Künstler in unserer Region.

Der Preis ist dotiert mit 5555 Euro – Startkapital für das freie Schaffen

Diesmal waren Arbeiten zum Thema „Kunst und Natur“ gefragt, es gab 25 Einreichungen. Das Stipendium ist mit immerhin 5555 Euro dotiert und gehört in Westfalen zu den größeren und auch anerkannten Auszeichnungen. Für die gebürtige Duisburgerin Silke Kleine Kalvelage ist das Stipendium nach Studienjahren in Hildesheim und an der Kunsthochschule Kassel das willkommene „Startkapital“ als freischaffende Künstlerin mit ihrem ersten Atelier jetzt in Unna. silkekleinekalvelage.wordpress.com

Preisüberreichung im Kunstverein: v.l. Bürgermeister Werner Kolter, Silke Kleine Kalvelage, Sparkassenvorstand Klaus Moßmeier, Lea Carla Diestelhorst, Peter Friese (Direktor Museum Weserburg). Foto: Simone Melenk

Preisüberreichung im Kunstverein: v.l. Bürgermeister Werner Kolter, Silke Kleine Kalvelage, Sparkassenvorstand Klaus Moßmeier, Lea Carla Diestelhorst, Peter Friese (Direktor Museum Weserburg). Foto: Simone Melenk

Überzeugend und besonders: Lea Carla Diestelhorst erhielt einen Förderpreis. Foto: Simone Melenk

Überzeugend und besonders: Lea Carla Diestelhorst erhielt einen Förderpreis. Foto: Simone Melenk

Einen Sonderpreis (2500 Euro) für die hohe Qualität ihrer Arbeit erhält außerdem die junge Dortmunder Künstlerin Lea Carla Diestelhorst, die sich bei ihrer auch großformatigen Malerei vor allem von einem sicheren Farbgefühl leiten lässt. Ihre Strukturen, Striche, Streifen und Punkte sind so abstrakt wie assoziativ. Birkenwald oder Korallenriff? Jeder sieht etwas anderes, sagt sie, und das will sie auch. Die Natur ist bei der 28-jährigen Malerin mit Kunstadresse im Dortmunder Kreuzviertel in erster Linie ein bemerkenswertes „Farbereignis“. Leacarladieselhorst.com

 

Zur Preisverleihung wurde eine sehr gute Ausstellung im Kunstverein konzipiert, rechts die Kunstvereins-Vorsitzende Agnes Bonmann-Sobbe.Foto: Simone Melenk

Zur Preisverleihung wurde eine sehr schöne Ausstellung im Kunstverein gebaut, rechts die Vereinsvorsitzende Agnes Bonmann-Sobbe.Foto: Simone Melenk

Mon ami, mein lieber Freund

Mon ami, mein lieber Freund

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Vier Bürgermeister, ein seltenes Treffen: v.l.n.r. Grégoire de Lasteyrie (amtierender Bürgermeister Palaiseau), Jacques Allain (Bürgermeister a.D.), Robert Vizet (Bürgermeister a.D.), Bürgermeister Werner Kolter und der langjährige Vorsitzende des Partnerschaftsbeirats der Kreisstadt Unna, Helmut Tewes.

Eine Freundschaft wuchs und wurde stark

Es waren emotionale Momente auf dem Friedhof von Palaiseau, als Bürgermeister Werner Kolter zu den französischen Freunden sprach. Vor knapp 100 Jahren standen sich Deutsche und Franzosen noch als erbitterte Feinde gegenüber. Anlässlich der Feierlichkeiten des 97. Jahrestages des Waffenstillstands von 1918 reichten sich Palaiseaus neuer Bürgermeister Grégoire de Lasteyrie und sein Unnaer Amtskollege die Hände – vor der mahnenden Wand mit den Namen aller Toten aus Palaiseau, die in diesem großen blutigen Krieg ihr Leben ließen. „Mon ami“, sagte Grégoire de Lasteyrie, „cher Werner“. Beide bekräftigten die starken Fundamente der deutsch-französischen Freundschaft, die nach dem Zweiten Weltkrieg als vorsichtige Annäherung begann, sich dank vieler Menschen in beiden Ländern, dank vieler persönlicher Kontakte auch zwischen Menschen aus Palaiseau und Unna stetig festigte und schließlich stark wurde.

Ein Foto mit Seltenheitswert und vier Bürgermeistern

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Grégoire de Lasteyrie, der neue Bürgermeister von Palaiseau, mit Werner Kolter auf dem Weg zur Gedenkfeier.

Nach einer Messe, dem Marsch zum Friedhof und der feierlichen Kranzniederlegung stand an diesem Feiertag ein Essen mit dem Verein der Kriegsveteranen auf dem Programm.
2018 währt die Partnerschaft mit der französischen Kleinstadt nahe Paris sage und schreibe 50 Jahre, so war auch das bevorstehende Jubiläum ein Thema des Partnerschaftsbesuches. Ausgesprochen herzlich wurde die Unnaer Delegation empfangen, und sogar zwei ehemalige Bürgermeister ließen es sich nicht nehmen, die Unnaer zu begrüßen: Robert Vizet, der in Bälde seinen 92. Geburtstag feiert, umarmte den Unnaer Bürgermeister und drückte Helmut Tewes, Jahrzehnte ein Motor der deutsch-französischen Freundschaft, der auch mitgereist war. Jaques Allain (1995 bis 2001 Maire de Palaiseau) komplettierte den Kreis.
Darüber hinaus nutzten die amtierenden Bürgermeister sowie Vertreter beider Städte die Zeit für Gespräche, wie die Partnerschaft mit neuen Ideen und neuen Impulsen auch über das halbe Jahrhundert hinaus gelebt werden kann. Denn das war in Palaiseau – auch unter der neuen Regierung und im neuen Rat – erklärter Wille. In 2018, soviel sei schon verraten, wird das Stadtfest blau-weiß-rot. Ideen dazu werden jetzt schon geschmiedet.

Postskriptum:

Donnerstagabend ging es vom Gare du Nord im Thalys zurück nach Deutschland.

Keine 30 Stunden später ist die Welt eine andere. Die Nacht zum 14.November brachte  Paris und ganz Frankreich Tod und Terror. Schreckliche, schockierende Bilder des brutalen Anschlages erreichten auch uns in Unna. An unsere Freunde in Palaiseau gerichtet bringt Werner Kolter sein tiefes Mitgefühl zum Ausdruck. „Unsere Gedanken sind bei den Franzosen und ihren Familien. Wir denken an unsere französischen Freunde und sind ihnen in diesen schmerzlichen Stunden nah und eng verbunden.“

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Grégoire de Lasteyrie, der neue Bürgermeister von Palaiseau, mit seinem Unnaer Amtskollegen Werner Kolter. (Fotos: Simone Melenk)

 

 

Unna liebt Italien – 25 Jahre Deutsch-Italienische-Gesellschaft

Unna liebt Italien – 25 Jahre Deutsch-Italienische-Gesellschaft

Italien in Unna – 25 Jahre für die Freundschaft

Das Interesse an Italien geht weit über ein lässiges „Ciao Ciao“ und eine Latte Macchiato hinaus. Eine unausgesprochene Liebe zu Italien, diesem bedeutenden europäischen Kulturland, die Freude an Begegnungen mit Italien und Italienern, die Sehnsucht nach Sonne und ein bisschen „dolce vita“: Das trieb vor 25 Jahren ein Dutzend Italienfreunde in Unna an, die Deutsch-Italienische Gesellschaft (DIG) zu gründen. Und es ist ein offenes Geheimnis, dass auch die Städtepartnerschaft Unna-Pisa ohne das Engagement der DIG und seiner Mitglieder nie zustande gekommen wäre.

Sie forcierten die Freundschaft, die ausgerechnet bei einem Pfälzer Saumagen auf Sauerkraut, der bei einem deutsch-italienischen privaten Abend mit Gästen aus Pisa auf den Tisch kam, beschworen und 1996 schließlich auch besiegelt wurde…

30 Jahre "Un(n)a festa italiana" - zum größten Lichterfest nördlich der Alpen kam natürlich auch eine Delegation aus Unnas Partnerstadt Pisa. (Foto: Simone Melenk)

30 Jahre „Un(n)a festa italiana“ – zum größten Lichterfest nördlich der Alpen kam natürlich auch eine Delegation aus Unnas Partnerstadt Pisa. (Foto: Simone Melenk)

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Pisa-Unna: Die Städtepartnerschaft besteht seit 1996

Zahlreiche Kontakte zu Bürgern und Gruppen aus Pisa werden von der Gesellschaft seitdem gepflegt. Zum Jahresprogramm des Vereins, der heute rund 100 Mitglieder zählt und eng mit dem italienischen Konsulat in Dortmund zusammenarbeitet, gehören Vorträge, Lesungen und Ausstellungen.

Darüber hinaus bilden Filmabende, Konzerte, gemeinsame Reisen, Sprach- und Kochkurse sowie Feste den Rahmen, das historische wie auch das moderne Italien kennen zu lernen.So waren die unvergessene Dacia Maraini, der berühmte Ugo Ricarelli oder jüngst noch Camine Abate, einer der bekanntesten zeitgenössischen italienischen Schriftsteller, Gäste der DIG Unna. Nicht zu vergessen Mafiajäger Leoluca Orlando, der auch in Unna unter Polizeischutz stand und mit seinem Vortrag problemlos die Stadthalle füllte. Letztendlich steht die Deutsch-Italienische Gesellschaft Unna auch immer parat, wenn es darum geht, italienische Gäste bei der Festa zu betreuen.

Das 25-Jährige wurde jetzt mit einer musikalischen Reise gefeiert. „Das Gefolge des Orpheus“, so nennt sich das Projekt „Nostalgia d’Italia“ mit Kammerchor, Sopran, Klavier und Schauspiel. Auf dem Programm standen Chorwerke und Kunstlieder, Italien-Zitate und eine etwas andere Busreise durch das schöne Italien. Ziel war eigentlich Rom, aber die Gruppe strandete mit Panne in Pisa. Der Chor präsentierte sich in Bestform, Chorleiterin Bettina Lecking begeisterte auch als Solistin. Am Klavier saß Reiseleiter Alexander Schröder, die Dramaturgie hatte Andreas Gilles übernommen. Alle Akteure sorgten dafür, dass es ein rundum gelungener Abend wurde. Mille grazie!!!!

 

Vadim Neselovskyi: Als Flüchtling kam er einst in Massen an – heute ist er weltberühmt

Vadim Neselovskyi: Als Flüchtling kam er einst in Massen an – heute ist er weltberühmt

Ein furioser Auftakt des Jazz-Festivals Take5: Die Neue Philharmonie Westfalen spielt Neselovskyi, hier mit dem Solisten Dimitri Tylmanov, Trompeter aus Unna und Vadims langjähriger Freund. Das Publikum war hingerissen. Es gab stehende Ovationen. Foto: Simone Melenk

Unna – Dortmund – New Orleans – New York

Vor 20 Jahren kam Vadim Neselovskyi als Kontingentflüchtling in Unna-Massen an. Mit einem Bus, weil er unbedingt sein Klavier nach Deutschland mitnehmen wollte. Heute ist der 37Jährige ein gefragter Jazz-Komponist und Pianist – geboren in Odessa, erwachsen geworden in Westfalen. Nach einem Stipendiat in New Orleans landete der Kosmopolit in Boston und wohnt jetzt in New York. Simone Melenk sprach mit dem Weltbürger, der trotzdem täglich in einem Dortmunder Wohnzimmer sitzt – beim Skypen mit seinen Eltern.

Mit 17 Jahren sind Sie und Ihre Eltern als Juden aus der Ukraine geflüchtet und in der damaligen Landesstelle Unna-Massen angekommen. Wirklich mit einem Klavier?

Vadim Neselovskyi (V.N.): Klar. Deshalb hatten wir uns extra einen Bus besorgt, in den unser ganzes Leben passte. Die Katze blieb da, das Klavier musste unbedingt mit. Als es auf ‚Deutsche Erde’ gestellt wurde, sollte ich sofort etwas spielen – auf der Straße, neben dem Bus „my way“. Der damalige Hausmeister, er hieß Kröner, hatte ein Ohr für Musik, spielte selbst Trompete. Fortan durfte ich in seinem Arbeitszimmer üben. Unsere Katze vermisse ich heute noch…

Wenn Sie die Flüchtlingsströme sehen, die Menschen, die wie Sie aufgebrochen sind ins Ungewisse, was fühlen Sie?
V.N.: Heute war ich in Massen. Ich hatte ein deja vu. Die vielen jungen Männer in Trainingsanzügen, so kam ich auch hier an – in Ballonseide. Alle Erinnerungen kamen wieder hoch. Ich kann mich an den ersten Joghurt erinnern. Joghurt gab es damals in der Ukraine nicht. Es war schön, andere Flüchtlinge kennenzulernen. Es hat sich wie Ferien angefühlt. Ich habe damals überhaupt nicht richtig verstanden, dass ich emigriert war. Erst Jahre später.

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Vadim Neselovskyi am Bösendorfer in der Stadthalle: Für den 37-jährigen Jazz-Pianisten und Komponisten war der Auftritt in Unna nach vielen Jahren in der Welt einmal wieder ein Heimspiel. Foto: Simone Melenk

War es schwer, in einem fremden Land Fuß zu fassen?

V.N.: Unna hat mir sofort gefallen! Und ich habe eine unglaubliche Unterstützung erfahren. Ich fühlte mich nie wie ein Ausländer. Die Musik kennt keine Ausländer, Musik verbindet die Menschen. Durch die vielen musikalischen Kontakte habe ich auch schnell Deutsch gelernt. Ich kann nur Positives sagen. Deutschland hat mir alle Chancen gegeben, mich zu integrieren und meine musikalische Ausbildung fortzusetzen. Und ich habe sogar ein Auslandsstipendium erhalten, um Jazz in den USA zu studieren – ein Glücksfall.

Odessa, Unna, Dortmund, New Orleans, New York…Heute sind Sie von Boston nach Zürich geflogen, dann über Düsseldorf nach Dortmund gekommen. Wo ist Ihre Heimat?

V.N.: Ich bin dort zu Hause, wo ich mit Menschen zusammen bin, die ich liebe und die mich lieben. Deswegen haben mittlerweile Städte wie Dortmund, Unna, New York und Boston Platz in meinem Herzen. Aber Heimat bedeutet für mich, wenn ich in die Wohnung meiner Eltern in die Dortmunder Arndtstraße komme und das Zuhause rieche, das Elternhaus. Auf dem Tisch dampft ein leckerer Borschtsch. Dann fange ich an, mich so zu entspannen wie es nirgendwo sonst möglich wäre. Die Arndtstraße ist für mich Heimat.
Noch in Odessa haben Sie Klassik studiert, damals als jüngster Student am Konservatorium? Wann punktete der Jazz?

V.N.: Auslöser war wohl ein Konzert des Jazzpianisten Jury Kuznetsov, das ich in Odessa besucht habe. Ich war so begeistert von diesen Harmonien, von der Spontaneität und dieser ganz anderen Art Musik zu machen. Ich bin nach Hause gekommen und habe angefangen zu üben. Später hat mir jemand Jazzplatten auf Kassette überspielt, wir hatten damals noch keine CDs. So habe ich Oscar Peterson, Chick Corea, Dizzy Gillespie und Keith Jarret entdeckt. Ich hatte dann nur noch Jazz im Kopf.
Sind Sie mehr Komponist oder Pianist?

V.N.: Ich bin definitiv ein Komponist, aber einer, der selber gerne seine eigene Musik spielt. So wie ein Dichter, der auch selber gerne seine Gedichte vorliest…
Was bedeutet es Ihnen, mit der Neuen Philharmonie Westfalen zu spielen?

V.N.: Der Auftritt ist ein musikalischer Traum, der in Erfüllung geht. Ich habe mich den ganzen Sommer auf das Projekt vorbereitet und die Partituren geschrieben. 50-60 MusikerInnen zu führen, das fordert heraus. Aber ein Künstler wühlt und sucht ja immer weiter…

PS: Es war ein furioses Konzert, das Publikum war geradezu hingerissen von dem Jazzer, seinen Kompositionen und der Neuen Philharmonie, die mit sichtlicher Begeisterung fremd ging und einen Ausflug in den Jazz unternahm. Es gab stehenden Applaus, Vadim Neselovskyi wurde gefeiert.

Take5 – das Jazz-Festival

In der Hellweg-Region – Schmelztiegel der Kulturen und Nationalitäten – verschaffte sich eine lebhafte Jazz-Szene wieder deutlich Gehör: Take5, das Jazzfestival, lockte die Besucher an den Hellweg. Integration war diesmal das Thema. Man müsste das Wort nicht extra betonen. Denn Musiker aus allen Herren Ländern, die sich dem Jazz verschrieben haben, sprechen ein und dieselbe Sprache.
Besucher von Take 5 genossen 50 Konzerte in 16 Städten – von Ahlen bis Arnsberg, von Lippstadt bis Lünen, ob in Kunstvereinen, Kulturschmieden und Kirchen, Museen oder Jazzclubs. 

Siddinghausen – eine starke Gemeinschaft mit viel (erneuerbarer) Energie

Siddinghausen – eine starke Gemeinschaft mit viel (erneuerbarer) Energie

Neue Heizleistung im alten Stall

Gemeinsam leben, gemeinsam Zukunft planen, gemeinsam bauen: (v.l.) Henning Kohlhage, Schwiegervater Heinrich Hueck, Karl Maas und Lothar Schulte. (Fotos: Simone Melenk)

Siddinghausen. Früher quiekten hier die Ferkel, heute powert an derselben Stelle das erste Unnaer Hackschnitzel-Fernwärme-Heizkraftwerk. Angeschlossen sind immerhin neun Häuser im Dorf. In Siddinghausen wird für die Zukunft gebaut. Gemeinsam haben alteingesessene Bauern mit ihren Familien eine neue, autonome Energieversorgung geplant und realisiert. Und die Ärmel hochgekrempelt.

Nachhaltigkeit war das Thema, Energie aus nachwachsenden Rohstoffen und nicht zuletzt die Unabhängigkeit vom Öl waren den Familien Hueck, Maas und Schulte wichtig, als sie sich vor zweieinhalb Jahren im Olsberger Energieberatungszentrum schlau machten, wie solch ein Heizkraftwerk auch für Dörfler Sinn machen könnte.

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Baubegehung im alten Stall: rechts der 7000-Liter-Pufferspeicher, links davon die Befeuerungsanlage.

verteiler

Die Verteilerpumpen, die das 85 Grad warme Wasser in die Häuser speisen.

Neun Häuser hängen an der Anlage

Drei Großfamilien, neun Häuser, insgesamt 24 Menschen hängen jetzt dran an der Anlage, die mit einer vollautomatischen Verfeuerung von Holz-Hackschnitzel eine 200 Kw-Leistung liefert. Herzstück der Anlage, die im alten Schweinestall von Hof Hueck gut Platz hat, ist die Holz-Heizung mit dazugehörigem 7000-Liter-Pufferspeicher. Eine Förderschnecke transportiert den Brennstoff vom Bunker (im Nebenraum) in die zentrale Feuerstelle.

Als Reserve noch ein Scheitholzkessel

Pro Holz-Lieferung können 40 Kubikmeter Schnitzel im Bunker abgekippt werden. Rund zwei Wochen heizt das Material dann die Häuser und sorgt für warmes Wasser. So die Berechnungen der Betreiber. „Wir gehen von einem Jahresdurchschnitt von 450 Kubikmeter aus“, sagt Landwirt Lothar Schulte, der einer von ihnen ist. Kommende Woche wird noch ein Scheitholzkessel montiert, der zusätzliche 60 Kw liefert. Sozusagen als Havarielösung, sollte im Winter mal „die russische Peitsche“ knallen, erklärt Henning Kohlhage, bei dem Projekt für den kompletten Schriftkram zuständig. Der war nicht unerheblich. Schließlich galt es, 680 Meter Fernwärme-Leitung zu legen, glücklicherweise die meisten Meter über eigenen Grund und Boden. Aber auch auf die andere Hauptstraßenseite mussten die Heizungsbauer. Genehmigungen bei Straßen NRW mussten eingeholt, immer wieder neue Rechnungen aufgestellt und schließlich Fördermittel für das neue Fernwärmenetz beantragt werden.
Das Gemeinschaftsprojekt ist so ungewöhnlich wie zukunftsweisend, meint Henning Kohlhage, weil es Großeltern, Eltern, Kinder und Enkel gleichermaßen einbezieht und in die Zukunft des Dorfes weist. Die Anlage ist jederzeit erweiterbar. Und überschüssige Wärme im Sommer? Kein Problem: Die trocknet dann das Korn. Denn noch ist das 125-Seelen-Dorf im Unnaer Osten ein Bauerndorf. Ein besonders schönes noch dazu.