Fotografie als Kunst – Stipendium für Donja Nasseri

Fotografie als Kunst – Stipendium für Donja Nasseri

5555 Euro für die Kunst und als Förderung für die Künstlerin Donja Nasseri (m.). Sparkassenvorstand Klaus Moßmeier und Kulturstiftungs-Vorsitzender Werner Kolter gratulieren der aktuellen Stipendiatin. (Foto: Simone Melenk)

Muster einer multikulturellen Welt

Ihre Fotoarbeiten rollt sie sogar als Teppich in den Raum, fügt sie zu mehrschichtigen Collagen zusammen oder baut mit ihnen dreidimensionale Wandskulpturen. Für Donja Nasseri ist die Fotografie Mittel zum Zweck, mit ihr kann sie Geschichten weiterspinnen und multimedial erzählen – immer wieder Geschichten von einer multikulturellen Gesellschaft. Einmal mehr wurde ihre Kunst jetzt ausgezeichnet. Mit 5555 Euro gehört das Stipendium der Kulturstiftung Sparkasse UnnaKamen zu den hochdotierten Kunstpreisen Nordrhein-Westfalens und wird seit 1992 jährlich vergeben. Die Preisträgerin 2018/2019 heißt Donja Nasseri, ihre Werke zum Thema „Fotografie als Kunst“ überzeugten die Jury.

Muster aus Afghanistan treffen Motive aus Korea. Donja Nasseris Fotoarbeiten landen auch schon mal auf einem riesigen Teppich: imposantes Werk in der Alte Heide-Schule der Carlernst Kürten-Stiftung. (Foto: Simone Melenk)

Der gehörten unter anderem Kunsthistoriker Peter Friese an, seit Bestehen des Stipendiums erfahrener Berater und Kritiker. Dem Thema entsprechend wertete auch Prof. Michael Reisch mit, Professor für Fotografie und Digitale Medien an der Alanus-Hochschule für Kunst und Gesellschaft Bonn.

Donja Nasseri (Jahrgang 1990) studierte an der TU Dortmund, komplettierte ihre Ausbildung an der Kunstakademie Münster (Klasse Mariana Castillo Deball) und an der Kunstakademie Düsseldorf (Klasse Gregor Schneider). Als Tochter einer ägyptischen Mutter und eines afghanischen Vaters in Deutschland geboren, verarbeitet sie gerne Muster einer multikulturellen Welt, verändert sie, mischt sie mit neuen Motiven oder überlagert sie mit eigenen Erinnerungen wie Familienfotos.

Die Preisträgerin Donja Nasseri mit Jurymitglied und Laudator Peter Friese (r.) und Künstler Thomas Klegin, 1992 der erste Stipendiat der damals neu gegründeten Kulturstiftung der Sparkasse. (Foto: Simone Melenk)

Ihre Entscheidung für Donja Nasseri begründet die Jury wie folgt:

„Zentraler Aspekt der Arbeit von Donja Nasseri ist ihre künstlerische Auseinandersetzung mit Traditionen und Veränderungen innerhalb einer als komplex erfahrbaren multikulturellen Gesellschaft. Dabei spielt der Einsatz der Fotografie als künstlerisches Medium eine integrale Rolle: In ihren multimedialen, durchaus genreübergreifenden Werken und raumbezogenen Installationen werden Fotografien nicht nur als Kopien, Collagen und Bilddokumente erfahrbar, sondern erhalten auch im Sinne experimenteller Verfahren wichtige katalysatorische Funktionen. Sie fungieren in ihrer Rolle als Portraits, als Dokumente persönlicher Erinnerungen, als Belege traditioneller Elemente (wie Teppichmuster), aber auch als kritische Kommentare eines erkennbaren Wandels von Umwelt und Gesellschaft. Als Tochter einer ägyptischen Mutter und eines afghanischen Vaters, die in Deutschland aufgewachsen ist und gerade deshalb bewusst zwischen und mit verschiedenen Kulturen lebt, versteht sie Bilder, Klänge, Räume mitsamt dem Einsatz diverser Materialien zu glaubhaften Statements und Narrativen zu verbinden.

Doch auch in ihrer Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum (etwa im Dortmunder Unionviertel) weiß sie Fotos als Dokumente, Sichtbarkeitsbeweise und kritisch-ironische Befragungen einzusetzen und darüber hinaus in einen politischen Bezugsrahmen zu stellen. Weil diese Querverbindungen und der reflektierte Einsatz des Bildmediums im gesamten Œuvre der Künstlerin durchgängig zu beobachten sind, sprach sich die Jury einstimmig für Donja Nasseri im Rahmen des vorgegebenen Themas als Trägerin des Kulturpreises der Sparkassenstiftung Unna 2018 / 2019 aus.“

Donja Nasseri zeigt Arbeiten aus ihrem künstlerischen Schaffen noch bis zum 22. September in der Alte Heide-Schule an der Hammer Straße.

Die Ausstellungsräume der Carlernst Kürten-Stiftung wurden sehr zurückhaltend und geschmackvoll renoviert und entfalten eine ganz neue Strahlkraft.

Farbe und Form: Karin Radoy ab 29. September

Die nächste Ausstellung steht bereits ab 29. September im Stiftungskalender und heißt schlichtweg „Dialog“: Dann widmet sich die Künstlerin Karin Radoy dem Verhältnis zwischen Farbe und Form. Ausstellungseröffnung ist am Sonntag, 29. September, um 11 Uhr in der Alte Heide-Schule. Bürgermeister Werner Kolter und der neue künstlerische Leiter der Carlernst Kürten-Stiftung, Burkhard Leismann, begrüßen die Gäste. Eine Einführung gibt Juliane Rogge. Die Ausstellung läuft bis zum 15. Dezember.

 

 

Phänomenale Erlebnisse im Zentrum für Internationale Lichtkunst

Phänomenale Erlebnisse im Zentrum für Internationale Lichtkunst

Vier Wochen hat sie (fast ununterbrochen) daran gebaut: Preisträgerin Jacqueline Hen schafft im Tonnengewölbe mit „Light High“ spektakuläre Raum-Raster mit verblüffenden Spiegelungen ins Unendliche. (Foto: Simone Melenk)

Sie müssen keine Leuchte in Physik sein, um sich für diese Ausstellung zu begeistern. Licht spiegelt sich hier ins Unendliche, Schatten schweben, glitzernder Staub tanzt auf kunstvollen Spinnweben. So scheint es. So ist es natürlich nicht. Zum dritten Mal verleiht das Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna den International Light Art Award. Der geht diesmal an die junge deutsche Künstlerin Jacqueline Hen (Jahrgang 1989). Aber auch die Finalisten Yasuhiro Chida aus Japan und das Berliner Duo Charlotte Dachroth und Ole Jeschonnek verblüffen mit ihren Arbeiten an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft. Nicht zuviel versprochen: Besucher erleben Phänomenales.

Museumsdirektor John Jaspers ist ziemlich stolz. 357 Konzepte aus 61 Ländern landeten in Unna, „Arbeiten mit einer sehr hohen Qualität“. Entsprechend bemerkenswert fällt die Siegerschau aus.

Aufregender Beitrag aus Japan: Yasuhiro Chida macht Naturphänomen erfahrbar, baut mit „Myrkvior“ einen Höhlen ähnlichen Raum, in dem der Staub auf Fäden tanzt. Hände weg! (Foto: International Light Art Award/Frank Vinken)

Das Auge muss sich erst gewöhnen an die Dunkelheit, dann beginnt es zu funkeln, zu glitzern. Der japanische Architekt Yasuhiro Chida (geb. 1977) ist bekannt für seine großflächigen Installationen, die Erfahrungsräume und immer auch zu durchschreiten sind. Er sammelt Eindrücke von Wanderungen in Höhlen oder auf Berge, die er mit sehr zurückhaltender Technik inszeniert. In seiner Arbeit „Myrkvior“ hat er im Gewölbe einer Spinne gleich kreuz und quer Nylon gezogen, lässt eine künstliche Sonne aufgehen und Staubkörner tanzen. Der Mensch staunt ungläubig und ist versucht, in die Fäden zu greifen. Es gilt die klare Ansage: Hände an die Hosennaht!

Magisch: Das Duo Charlotte Dachroth und Ole Jeschonnek lässt in ihrer minimalistischen Arbeit „Lichtvolumen“ einen Schatten schweben. Wie das technisch funktioniert, das verraten sie nicht. (Foto: Simone Melenk)

Das Berliner Duo Dachroth + Jeschonnek (Jahrgang 1981 und 1984) bedient sich einer völlig neuen Methode, um Licht sichtbar zu machen und in frei schwebende Zustände zu versetzen. Ihre minimalistische Arbeit heißt „Lichtvolumen“ und dokumentiert ihre Entdeckung, das Licht plastisch sein kann, ja sogar fühlbares Material. Ein Schatten schwebt im Reifen und wandert durch den Raum. Wo er herkommt, bleibt ungeklärt. Charlotte Dachroth gibt zu, die beiden hätten sich sehr lange der technischen Herausforderung gestellt. Die Erklärung für das wandernde schwarze Loch behält sie dann aber für sich. Sie möchte das Kunstwerk nicht entzaubern.

Im mittleren Tonnengewölbe der alten Lindenbrauerei konnte sich Jacqueline Hen (geb. 1989) ausleben, die derzeit in Berlin ihre „Meisterschüler“-Studien abschließt, an der Kölner Medienhochschule unterrichtet, drei Jahre im Studio von Tomas Saraceno gearbeitet hat und als Forschungsassistentin am Fraunhofer-Zentrum für Technologie. Vier Wochen lang hat sie an ihrer schwarzen Box gebaut, an einem Raum im Raster, der sich rhythmisch weitet. „Light High“ heißt ihre Werk: übersetzt Licht und Höhe, aber auch Licht, das berauscht, einen high werden lässt. Immer neue Quadrate hat sie eingefügt, eine Spiegeldecke gezogen, den Boden mit Wasser geflutet. Auf einem schwarzen Steg können Ausstellungsbesucher (bitte auf Socken!) in die Mitte des Raumes vordringen. Sie können hier stehen, sitzen, liegen oder ein spektakuläres Selfie machen.

Sie sollten aber unbedingt die Unendlichkeit auf sich wirken lassen.

INFO

Der International Light Art Award (ILAA) wurde bereits zum dritten Mal vergeben – eine Initiative des Zentrums für Internationale Lichtkunst in Unna und der Innogy Stiftung für Energie und Gesellschaft (vormals RWE Stiftung), die junge innovative Kunst und Projekte rund um das Thema Energie fördert. Eingereicht für den ILAA wurden diesmal 357 Konzepte aus 61 Ländern.

Bis 10. November stellen die drei Finalisten Yasuhiro Chida (Japan), das Berliner Duo Dachroth+Jeschonnek und Jacqueline Hen (Deutschland) ihre Arbeiten im Zentrum für Internationale Lichtkunst in Unna aus. Bis Ende August sind zudem geförderte Arbeiten von Studenten zu sehen zum (Licht-)hema Neue Energien, Nachhaltigkeit und Technische Innovation.

Öffnungszeiten: Die-Fr. 13 Uhr, 15 Uhr und 17 Uhr Führungen, Sa/So/Feiertage 12-17 Uhr (Führungen jede volle Stunde).

Jeden 1. Sonntag im Monat 12 bis 17 Uhr Offene Begehung, jeden 2. Sonntag im Monat Familienführung 11 Uhr (Anmeldung unter 02303/103-751). Außerdem Sonderöffnungszeiten von Mai bis Oktober im Sky Space von James Turrell.

www.lichtkunst-unna.de

 

 

 

 

 

 

Unna beim Klavierfestival Ruhr

Unna beim Klavierfestival Ruhr

Klavier-Festival Ruhr, erstmals auch in Unna: Der Ausnahme-Pianist Lars Vogt gastiert am 9. Juli in der Stadthalle. Foto: Anna Reszniak/Klavierfestival Ruhr

Premiere in Unna, Debüt in der Stadthalle: Dank des Engagements der Bürgerstiftung Unna in Partnerschaft mit der Kulturstiftung der Sparkasse gastiert in diesem Sommer das Klavierfestival Ruhr in unserer Stadt. Der Ausnahme-Pianist Lars Vogt kommt am 9. Juli an den Hellweg. Zusammen mit der Neuen Philharmonie Westfalen ist er zugleich auch als Dirigent zu erleben und spielt Wolfgang Amadeus Mozart. Karten gibt es ab sofort im VVK, im i-punkt der Stadt Unna im ZIB, beim Hellweger Anzeiger in der Wasserstraße und exklusiv für Stifterinnen und Stifter direkt beim Klavierfestival Ruhr, Tel. 0201/8966842 (Frau Gasparaitis). Denn für Mitglieder der Stiftung gilt: Für den Preis einer Karte dürfen zwei Besucher dabeisein. Quasi auch einmal als Dankeschön an die Geldgeber.

Simone Melenk von der Bürgerstiftung Unna, Klavierfestival-Intendant Franz-Xaver Ohnesorg und Bürgermeister Werner Kolter als Vorsitzender der Kulturstiftung der Sparkasse, stellten in der Stadthalle das Konzert und das Programm vor.

Selbst Mozarts Klavierkonzerte sind kleine Opern

Drei Meisterwerke des Universalgenies Wolfgang Amadeus Mozart stehen auf dem Programm, das die Überschrift Mozart pur trägt:

Die Ouvertüre zu „Le nozze di Figaro“ KV 492, die so genannte „Linzer“ Sinfonie Nr. 36 in C-Dur KV 425 und Mozarts spätes Konzert für Klavier und Orchester Nr. 27 in B-Dur KV 595, bei dem man „schon beim ersten Ton die Schönheit dieser Musik erkennt“, schwärmt Festival-Intendant Franz-Xaver Ohnesorg. Mozart sei ein großer Geschichtenerzähler gewesen, „selbst seine Klavierkonzerte sind kleine Opern“.

Seit nunmehr rund 25 Jahren widmet sich Lars Vogt seiner Leidenschaft, der Musik. Und ob er dies nun solistisch, als Kammermusiker bei seinem Festival in Haimbach oder mit Pult-Größen wie Andris Nelsons und Spitzenorchestern wie den Berliner und Wiener Philharmonikern tut – stets erweist sich Vogt als ein musikalischer Glücksfall. Denn für ihn zählt das Menschliche in der Musik. Und diese menschliche Stimme bringt er nicht zuletzt in den Meisterwerken von Bach, Beethoven und Brahms unnachahmlich zum Klingen.

Besonders aber zum Schaffen Mozarts besitzt Vogt ein langes, inniges Verhältnis. „Mozart versetzt unsere Seele in feinste Schwingungen“, so der uneitle Weltstar, der diesen feinsten Schwingungen immer wieder mit viel Herz nachgespürt hat. Zu den Sternstunden des Mozart-Spiels überhaupt gehört Vogts Einspielung des großen, letzten Klavierkonzerts Nr. 27. Live zu erleben in Unna!

Unnas Bürgermeister Werner Kolter ist stolz: „Die Aufnahme in das Programm des renommierten Festivals ist für uns auch eine Anerkennung unserer Kulturarbeit und des Kulturstandortes Unna.“

Das Festival ist mittlerweile eine Weltmarke, und viele Weltstars kommen immer wieder gerne. In diesem Jahr soll der Europa-Gedanke durch die Konzertreihe tragen.

Prof. Franz-Xaver Ohnsorg schreibt in seinem Vorwort zum diesjährigen Festival, das mit 60 Konzerten von Moers bis Münster von Essen bis Hagen die Besucher an 23 Orte lockt:

Prof. Franz-Xaver Ohnesorg schwärmt von Mozarts Musik. Das Konzerterlebnis in Unna soll ein besonderes werden, sagt er. Foto: Peter Wieler/Klavierfestival Ruhr

„2019 jährt sich zum 30. Mal ein Ereignis, das unsere Welt verändert hat: Der Fall der Berliner Mauer. Vier Jahre zuvor wurde das Schengener Abkommen unterzeichnet, durch das der Handel, das Reisen und somit auch das Reisen von Künstlern in Europa so wunderbar einfach und selbstverständlich wurde. Damit haben die meisten von uns gleich zwei politische Ereignisse miterlebt, durch die die zwischenstaatlichen Grenzen in Europa nahezu bedeutungslos geworden sind. Viele Menschen auf unserem Kontinent fühlen sich heute in erster Linie als Europäer.

In den Lebensläufen vieler Künstler des Klavier-Festivals Ruhr spiegelt sich diese europäische Geschichte wieder. Deshalb wollen wir beim Klavier-Festival Ruhr 2019 den Blick vor allem auf die Biografien unserer Künstler lenken. Etwa bei unseren „Rising Stars“, wie unserem diesjährigen Stipendiaten Giuseppe Guarrera, der in Sizilien geboren wurde und jetzt in Berlin lebt, oder auf unsere Debütantinnen Alexandra Dariescu – aufgewachsen in Rumänien, nun in Großbritannien ansässig – und Mariam Batsashvili, die in Georgien aufwuchs, in Weimar studierte und derzeit als „BBC New Generation Artist“ vor allem in Großbritannien ihre künstlerische Heimat gefunden hat. Europäisch geprägtes Weltbürgertum verkörpern vor allem auch „Living Legends“ wie Sir András Schiff, in Budapest aufgewachsen, von der britischen Queen geadelt und in Florenz wohnhaft, wie der in der Schweiz lebende polnische Pianist Krystian Zimerman, oder Alfred Brendel, in dessen Lebenslauf sich europäische Geschichte wie bei wohl kaum einen anderen wiederspiegelt. Geboren wurde er in Wiesenburg, im heutigen Tschechien, seine Schulzeit verbrachte er in Zagreb, studierte in Graz und lebt nun seit vielen Jahren in London. Besonders freue ich mich darüber, dass ein ebenfalls legendärer Pianist das Klavier-Festival Ruhr 2019 eröffnen wird, ein Weltbürger, der einen Großteil der Geschichte des 20. Jahrhunderts durchlebt und durchlitten hat: der inzwischen 95-jährige Menahem Pressler, in Magdeburg geboren, musste als junger Mann vor der Nazi-Diktatur in die USA flüchten und startete von dort aus mit seinem „Beaux Arts Trio“ eine Weltkarriere. Nun vollendet er seine künstlerische Laufbahn mit einer viele Musikfreunde zutiefst berührenden Solokarriere. Oder Martha Argerich, auch sie heute schon eine Legende. Sie kehrt gemeinsam mit dem in Riga geborenen und in Moskau ausgebildeten Cellisten Mischa Maisky bereits zum 25. Mal zum Klavier-Festival Ruhr zurück. “

Un(n)a Settimana Italiana – eine italienische Woche in unserer Stadt

Un(n)a Settimana Italiana – eine italienische Woche in unserer Stadt

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Kunst, Kino, Kulinarisches, Musik, Literatur und Liebenswertes aus dem Land, wo die Zitronen blühen. Kaum eine andere Kultur zeichnet sich so durch seine besondere Gastfreundschaft und Herzlichkeit – verbunden mit unbändiger Lebensfreude  – aus wie die italienische.

Unna hat nicht nur mit der Festa Un(n)a italiana und den Lichtern aus Bari einen Beitrag dazu geleistet, die italienische Kultur an den Hellweg zu tragen. Un(n)a hat es nicht nur geschafft, die Westfalen für die Südländer und den Süden zu erwärmen. Die Liebe zu Italien geht lange schon über ein lässiges Ciao und eine perfekte Crema auf dem Cappuchino hinaus.

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Deshalb legt Un(n)a Settimana Italiana – die erste in Unna, den Schwerpunkt auf die italienische Kultur. Ob Filmkunst, Literatur, alte und neue Musik, Kunstvolles und vor allem Kulinarisches – die Möglichkeiten für ein attraktives Programm sind groß. Vor allem, wenn viele Partner ihre Köpfe zusammen stecken. Die Deutsch-Italienische Gesellschaft Unna hat mit dieser Idee begeisterte Kooperationspartner für diese Kulturwoche gefunden.

Wenn Unna also im Mai eine italienische Woche erlebt, entfaltet sich ein buntes Spektrum. Und wir kommen dem Land Italien wieder ein Stück näher – dem Sehnsuchtsland, das schon Goethe so liebte. Un(n)a Settimana Italiana präsentiert dabei auch freischaffende Künstlerinnen und Künstler aus Italien, die jenseits der Medien ihren Weg gehen und so einen wesentlichen Beitrag zur eigentlichen italienischen Kultur leisten.

Freuen wir uns gemeinsam auf Un(n)a Settimana Italiana

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Italienfan Werner Kolter im berühmten griechischen Theater im ebenso berühmten Taormina auf Sizilien. (Foto: sim)

Und hier nun das Programm-Paket, das die Deutsch-Italienische Gesellschaft zusammen mit vielen Partnern und Förderern geschnürt hat. Es ist ganz schön groß geworden.

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Vorstellung des Programms der italienischen Woche in „la bettola“, in der Spelunke (zur alten Unke): (v.l.) Bürgermeister Werner Kolter, Sigrun Krauß (Bereich Kultur), Beate Kispal (Büro Partnerschaften), Manuela Grassi (Deutsch-Italienische Gesellschaft) Stefanie Bergmann-Budde (vhs) und Hausherr Wolfgang Patzkowsky. (Foto: Simone Melenk)

 

Begleitet und behütet auf dem letzten Weg – Ein Hospiz im Herzen der Stadt

Begleitet und behütet auf dem letzten Weg – Ein Hospiz im Herzen der Stadt

 

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Schwarz von Menschen war die Klosterstraße zur Eröffnung des Heilig-Geist-Hospizes. (Foto: Simone Melenk)

Was lange währt, wird endlich gut. Die Stadt Unna hat jetzt ein Hospiz. Das Heilig-Geist-Hospiz in der Klosterstraße will Menschen auf ihrem letzten Weg, den sie gemeinsam mit ihren Angehörigen gehen, ein behütetes Zuhause bieten.

Von Anfang an konfessionsübergreifend geplant, kamen 2009 die ersten Pläne für ein Unnaer Hospiz auf den Tisch. Es war ein Glücksfall, das mit dem ehemaligen Kolpinghaus ein stattliches Haus mit großem Grundstück im Herzen der Stadt zur Verfügung stand. Ganz in der Nähe – in der Massener Straße – hatte es bereits 1315 ein Hospital zum Heiligen Geist gegeben, das immerhin bis 1847 segensreich wirkte und Alte, Arme und Kranke versorgt hatte.

Bürgermeister Werner Kolter (l.), Hospiz-Leiterin Marion Eichhorn und Pfarrer Paul Mandelkow schneiden das rote Band entzwei: Das Hospiz ist eröffnet.(Foto: Simone Melenk)

Wie einst das Kolpinghaus eine Herberge war, soll auch das Hospiz eine Herberge für Menschen werden, für Gäste, die kommen und die gehen können…So drückte es Guido Ponto vom Katholischen Hospitalverbund Hellweg bei der Eröffnung aus. Es war ein langer, mitunter auch steiniger Weg. Umplanungen verzögerten den Bau, Zeit war dann auch Geld. Am Ende lagen die Baukosten bei 3,7 Millionen Euro, aber beachtliche 1,1 Millionen Euro davon sind allein durch Spenden aufgebracht worden. Das freute besonders den Vorstand der Heilig-Geist-Hospizstiftung, Prof. Klaus Weber. Auch Bürgermeister Werner Kolter sieht in dem ehrgeizigen Projekt einen starken Ausdruck von Bürger-Engagement in einer funktionierenden Bürgergesellschaft..

10 Gäste finden in dem Haus helle und schöne Zimmer. Für Angehörige gibt es Gästezimmer, außerdem einen Raum der Stille und eine große Wohnküche, die Mittel- und Treffpunkt des offenen Hauses werden soll und direkten Zugang zum Hofgarten hat. 15 Pflegekräfte, Sozialarbeiter, Helfer/innen, aber auch etliche Ehrenamtliche kümmern sich um die Gäste.

Auch Architekt Christian Weicken war sichtlich stolz, als er jetzt den Schlüssel übergeben konnte. Es sei ein sehr helles Haus geworden, sagte er, trotzdem ein sehr warmes. Es sei ein städtischer Bau und doch auch ein sehr privates Haus. Das Hospiz sei funktional und empfange die Menschen doch mit viel Atmosphäre. Die neue Leiterin des Hospizes, Marion Eichhorn, ist voller tatendrang: „Ich freue mich, dass es losgeht.“ Sie ermunterte die Unnaer Bürger, einfach mal vorbeizuschauen: „Wir sind ein offenes Haus, ein Haus für alle.“

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Garten, Hof, Patio und alle Außenanlagen sind fertig: geplant und gestiftet von der Bürgerstiftung Unna.(Foto: Simone Melenk)

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Psalm 127,1: Wo der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wo der Herr nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst.

Ausgezeichnet: Die junge Malerin Eilike Schlenkhoff

Ausgezeichnet: Die junge Malerin Eilike Schlenkhoff

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Ihre Malerei überzeugt: Eilike Schlenkhoff freut sich über das Stipendium 2016/2017 der Kulturstiftung Sparkasse Unna. (Foto: Simone Melenk)

Kreis Unna/Ruhrgebiet. Malerei war gefragt, so oft schon totgesagt und doch immer wieder neu erfunden. 22 junge Künstlerinnen und Künstler aus der Region und dem Ruhrgebiet hatten sich mit ihren Arbeiten um den Förderpreis beworben: Die Künstlerin Eilike Schlenkhoff aus Herne konnte sich am Ende über das mit 5555 Euro dotierte Stipendium der Kulturstiftung Sparkasse Unna freuen.

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Vorstandsvorsitzender Klaus Moßmeier (l. und Werner Kolter, der Vorsitzende des Stiftungs-Kuratoriums, überreichen der Künstlerin Eilike Schlenkhoff den Förderpreis. Blumen dazu sind Ehrensache. (Foto: Simone Melenk)

Die Vielseitigkeit und die unterschiedlichen Stile, die Eilike Schlenkhoff einsetzt und entwickelt, hatten am Ende die Jury überzeugt. Die Münsteraner Meisterschülerin, die ihre künstlerische Laufbahn an der Freien Akademie der Bildenden Künste in Essen begann, beherrscht die große Gesten mit breitem Quast ebenso  wie den leichten Pinselstrich, die Farbfeldmalerei und das Kleinformat. Immer steht das Malerische im Mittelpunkt, das Tiefgründige, das erst aus unzähligen Schichten entsteht. Ihre Farbgebilde verselbständigen sich, schweben im Raum, lösen sich wieder auf. Die Künstlerin zieht Linien, die aus dem Nichts kommen und im Nichts enden. Alles wirkt so leicht und ist doch so schwer zu malen. Manchmal verbergen sich unter ihren Arbeiten zehn andere Bilder, verrät sie. Auf vermalten Untergründen wirft Eilike Schlenkhoff neue Schlagschatten. Eine Schale lässt sie schweben, eine Wäscheleine wehen, einen blauen Beutel bersten, eine Jalousie mit Licht spielen. Der Betrachter kann sich ins abstrakte Bild stürzen und in Schlenkhoffs Farbwesen seine eigene Geschichte ergründen.

Die Auszeichnung und Ausstellung sind das eine, die finanzielle Anerkennung ist das andere. Eilike Schlenkhoff, Jahrgang 1984, freute sich riesig auch über das Preisgeld: „Jetzt kann ich den ganzen Sommer lang malen…und endlich kauf’ ich mir eine Quetschkommode.“

Malerei von Eilike Schlenkhoff: Ausstellung bis 18. Juni im Kunstverein Unna, Mühlenstraße 4c, www.kunstvereinunna.de

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Die Preisübergabe im Unnaer Kunstverein war gut besucht: Bis 18. Juni sind die Arbeiten von Eilike Schlenkhoff jetzt in der alten Mühle zu sehen. Laudator bei der Preisverleihung war Dr.Peter Schmieder, Geschäftsführer des Künstlerhauses Dortmund (l.). (Foto: Simone Melenk)

Das Stipendium für junge Bildende Künstler, einst zum 150-Jährigen der Bank aufgelegt, wurde von der Kulturstiftung Sparkasse Unna bereits zum 25. Mal ausgelobt. Die fördert mit diesem Preis seit 1992 junge Kunst und junge Künstler in unserer Region.

Der Preis ist dotiert mit 5555 Euro – Startkapital für das freie Schaffen

Im vergangenen Jahr war „Kunst und Natur“ das Thema, diesmal war die Malerei gefragt. Es gab 22 Einreichungen. Das Stipendium ist mit immerhin 5555 Euro dotiert und gehört in Westfalen zu den größeren und auch anerkannten Auszeichnungen.

In der jüngsten Stiftungssitzung wurde die Stiftung übrigens umbenannt in Kulturstiftung UnnaKamen, das Zusammengehen trägt der Sparkassen-Fusion Rechnung. Zusammen mit der Sparkasse Fröndenberg, die jetzt auch dazugehört, werde das Förderpotenzial künftig weiter wachsen, kündigte Werner Kolter an, der Vorsitzende des Stiftungs-Kuratoriums.

Gut für die Kunst, gut für die Region.

Lichtkunstpreis für Satoru Tamura – Bei ihm fliegen die Funken

Lichtkunstpreis für Satoru Tamura – Bei ihm fliegen die Funken

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Erst Anspannung beim Abstieg ins Ungewisse, dann Hochspannung. Im wahrsten Wortsinn. Für den International Light Art Award (ILAA), den Unnaer Lichtkunstpreis, lässt der japanische Künstler Satoru Tamura die Funken fliegen.

In die Museumskeller in der ehemaligen Brauerei – 12 Meter unter der Erde – baute er eine riesige offene Steckdose. Fließende Energie – selbst produziert mit Messingstäben, die über einen Metalltisch schrappen – lässt sich so ganz neu erleben, sogar erschnüffeln, wenn’s blau britzelt. Tamuras Strom (bitte hinter der Absperrung bleiben!) bringt noch eine raumhohe Lichtsäule zum Leuchten. Sein „Point of Contact for Unna“ huldigt dem Phänomen Licht. Und ist die herausragende Arbeit, die im internationalen Wettbewerb am Ende die Fachjury überzeugte.

An die 300 Künstlerinnen und Künstler aus 41 Ländern hatten sich um den ILAA 2017 beworben, sogar aus Afrika wurden Ideen nach Westfalen geschickt. Neben Tamura gehören Tilman Küntzel (Deutschland) und das Künstler-Duo Vroegop/Schoonveld aus den Niederlanden zu den Gewinnern, die ihre eigens für die faszinierenden Räume geschaffenen Arbeiten jetzt fünf Monate vor Ort zeigen. Realisierung und Ausstellung gehören zum Preis. Satoru Tamura darf sich außerdem noch über die Siegerprämie von 10 000 Euro freuen.

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Den Anfang in den Gewölben der Wechselausstellung (bis 3. September) macht aber das Künstlerduo Vroegop/Schoonveld (l. Foto: Frank Vinken) mit einem spektakulären „Unendlichkeitszeichen“: 200 sich drehende schwarzweiß-karierte Lichtröhren hypnotisieren mit einem Spiel aus Licht und Dunkelheit, Bewegung und Rhythmus. Das Bild von einem langen mäandernden Fluss drängt sich auf. Meditativ ist ihre Kunst, und Standards, Wiederholungen und Serien spielen immer eine Hauptrolle, sagt Matty Vroegop.

Der Berliner Künstler Tilman Küntzel (r. Foto: Frank Vinken) verwandelt den Jahrhunderte alten Keller schließlich in einen magischen Ort. Ein mächtiger Kronleuchter ist vom Himmel gefallen, jetzt liegt er am Boden. Das Licht bricht sich in den Kristallen, die Gläser klirren. So scheint es zumindest. Küntzels Installation ist komplexer. Ganz woanders klicken in einem Schaltkasten Metalle, versteckte Mikros in den Wänden verstärken die Geräusche. Allen technischen Erklärungen zum Trotz erzählt die „Rauminszenierung mit Lüster“ aber andere Geschichten. Geheimnisvollere.

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Gruppenbild mit Jury, Künstlern, Museumsdirektor John Jaspers (l.) und Dr. Stephan Muschick (r.) von der innogy Stiftung. Foto: Simone Melenk

INFO

Der International Light Art Award (ILAA) wurde zum zweiten Mal vergeben – eine Initiative des Zentrums für Internationale Lichtkunst in Unna und der Innogy Stiftung für Energie und Gesellschaft (vormals RWE Stiftung), die junge innovative Kunst fördert.

bis 3. September stellen die Finalisten Satoru Tamura (Japan), Tilman Küntzel (Deutschland) und das Künstler-Duo Vroegop/Schoonveld (Niederlande) ihre Arbeiten im Zentrum für Internationale Lichtkunst in Unna aus.

Öffnungszeiten: Die-Fr. 13 Uhr, 15 Uhr und 17 Uhr Führungen, Sa/So/Feiertage 12-17 Uhr (Führungen jede volle Stunde).

Jeden 1. Sonntag im Monat 12 bis 17 Uhr Offene Begehung, jeden 2. Sonntag im Monat Familienführung 11 Uhr (Anmeldung unter 02303/103-751).

www.lichtkunst-unna.de

Großstadtflair bei der Preisverleihung

Selten war das Zentrum für Information und Bildung (ZIB) so voll wie zur Preisverleihung. Der ILAA 2017, der International Light Award, lockte auch viele auswärtige Gäste nach Unna. Festlich dekoriert, mit schicker Bar und einem formidablen Flying Buffet präsentierte sich die Schwankhalle als Top-Location. Fanden auch die vielen Besucher. Sie zeigten sich begeistert. Hier ein paar Eindrücke von einem tollen Abend.

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Preisträger und Finalisten: (v.l.) Tilman Küntzel, Satoru Tamura und das Künstlerduo Duo Vroegop/ Schoonveld. (Foto: Simone Melenk)

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Ein gelungener Abend, deshalb gut gelaunt auf der Bühne: (v.l.) Dr. Jochen Stemplewski, Vorsitzender des Zentrums für Lichtkunst e.V., der Künstler Saturo Tamura, Kultur-Staatssekretär NRW Bernd Neuendorf und Bürgermeister Werner Kolter. Foto: Simone Melenk

 

Natürlich findet der International Light Art Award auch Beachtung in der Region – von Bochum bis Bad Berleburg. Einfach anklicken!

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Der Albtraum-Mann, der eigentlich ganz lustig ist

Der Albtraum-Mann, der eigentlich ganz lustig ist

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Unna. Mit ihm holen sich die Menschen den Horror ins Haus. Trotzdem (oder gerade deshalb, als Blitzableiter?) lieben sie ihn. Und Sebastian Fitzek, der Albtraum-Mann, der eigentlich ein ganz Lustiger ist, liebt sein Publikum. Er braucht diese „emotionalen Momente“, gibt er zu. Wenn der Autor sein stilles Kämmerlein verlässt und seine Leser trifft. Jetzt in Unna wieder. Da holte sich der Thriller-Spezialist den Ripper Award ab, den Europäischen Preis für Kriminalliteratur.

10 000 Besucher des Festivals „Mord am Hellweg“ hatten abgestimmt – ihr Votum für die deutsche Antwort auf Alfred Hitchcock fiel sehr schnell und eindeutig aus. Sebastian Fitzek, promovierter Jurist, der mal Staatsanwalt werden wollte, ließ Krimilady Ingrid Noll hinter sich, auch Genre-Größen wie Arnaldur-Indriðason (Island) oder Jo Nesbø (Norwegen) schlug er um Längen. Entsprechend gerührt war der Autor, als er die Auszeichnung entgegennahm: „Mein erster Preis!“

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Der Ripper Award geht an Sebastian Fitzek (3.v.l.): Preisverleihung mit (v.l) Landrat Michael Makiolla, Bürgermeister Werner Kolter, Sparkassenvorstand Klaus Moßmeier, Dr. Herbert Knorr, Sigrun Krauß (Festivalleitung) und Literaturchef und Wolfram Kuschke (Westf.Literaturbüro). Foto: Simone Melenk

Das Preisgeld, 11 111 Euro, will er spenden: zu gleichen Teilen einem Verein, der sich um Frühchen kümmert. Einem Verein gegen Kindesmissbrauch. Last not least an „Mord am Hellweg“ und hier für die Nachwuchsförderung – ohne die auch er nie dahingekommen wäre, wo er heute steht. Auf den Bestsellerlisten.

Sein Erfolg macht ihm zuweilen Angst, sagt er. Der Fitzek-Hype hält immerhin schon zehn Jahre an, acht Millionen Bücher hat der sympathische Vielredner in dieser Zeit verkauft, seine Thriller-Shows sind ausverkauft, in 24 Sprachen wird er gelesen. Oder besser verschlungen. Überraschungs-Laudator Peter Prange, ausgewiesener Experte des historischen Romans, gestand auf der Bühne: Ich mag eigentlich keine Krimis, aber wer einen Fitzek zu lesen beginnt, der ist gefangen…“

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Ein Buch pro Jahr steht auf Fitzeks To do-Liste. In diesem werden es ausnahmsweise einmal drei Veröffentlichungen (auch INFO) sein. „AchtNacht“, die tödliche Story über ein massenpsychologisches Experiment, das völlig aus dem Ruder läuft, ist gerade erschienen. Nach der Frankfurter Buchmesse will der Berliner seine Leser mit „Flugangst 7a“ fesseln. Der Thriller spielt im Flieger, und Klaustrophobie eine entscheidende Rolle. Aber die Angst lässt sich noch deutlich steigern. Von einem wie Fitzek eben.

INFO: Pupsi & Stinki – das erste Kinderbuch

Paul ist ein Stinker, weil er ständig pupsen muss. Dafür kann das Stinktier nicht auf Kommando müffeln. „Pupsi und Stinki“ heißt das erste Kinderbuch von Sebastian Fitzek. Entstanden, weil die Eltern auf einer Urlaubstour die Bilderbücher vergessen hatten. Felix (3), David (5) und Charlotte (6) forderten eigene Geschichten, der Vater musste liefern. Und weil die Fitzek-Furzknoten endlich wissen wollten, wie Pupsi & Stinki aussehen, musste noch ein Vorlesebuch mit Bildern her…Darauf hatte übrigens auch Verleger-Enkel und Lektor Ludwig (5) bestanden. So entstand die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft – garantiert nicht gruselig.

Pupsi & Stinki, Hardcover, Pattloch Geschenkbuch, 56 Seiten
ISBN: 978-3-629-14237-5

Als der Mord am Hellweg blutiger Ernst war…

Als der Mord am Hellweg blutiger Ernst war…

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Plakat „Mord am Hellweg“ und Titelbild der aktuellen Anthologie „Glaube, Liebe, Leichenschau“ – „angeschlagen“ am Original Schauplatz Onkel Albrecht an der B1. Foto: Simone Melenk

 

Dominas-Bande ging über Leichen

Unna. Gesucht wird ein „Mörder ohne Gesicht“. Ein altes Bauernpaar ist auf seinem Hof ermordet worden. Das Motiv der Tat liegt völlig im Dunkeln, deren Brutalität irritiert die Polizisten… So beginnt Henning Mankells erster Krimi mit Kurt Wallander. Er wird ein Bestseller.

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Ausriss aus dem Hellweger Anzeiger, der erste Bericht über das blutige Verbrechen, damals verfasst von Klaus Seifert, der auch schon tot ist. (Stadtarchiv Unna)

So geschockt wie seine schwedischen Kollegen ist auch Polizeiwachtmeister Manfred Such. In einer Augustnacht – er hat eigentlich Kirmesdienst – wird er zum Landgasthof in Unna-Lünern dirigiert. Überfall bei „Onkel Albrecht“ lautet die kurze Info.

Am Tatort erwartet den jungen Polizisten die totale Finsternis und eine gespenstige Stille. Vorne ist nichts. Also geht er hinten herum. Verdächtig: Am Fachwerkhaus lehnt eine Leiter ins oberste Stockwerk. Der Beamte wagt sich vorsichtig ins Haus, tastet sich vor ins Treppenhaus nach oben. Dann sieht er nur noch rot, nur noch Blut…

Der Doppelmord in der Gaststätte am Hellweg – Onkel Albrecht und seine Schwester Lina wurden mit mehreren Schüssen niedergestreckt – war keine Fiktion. Das alte Paar wurde Opfer der brutalen Bande um Petras Dominas, die bei ihren Raubzügen im Ruhrgebiet über Leichen ging. Letztendlich aber führten die Spuren in Unna zu Dominas‘ Verhaftung und zum „Lebenslänglich“.

Der „Mord am Hellweg“ rauschte damals durch den Blätterwald. Das Verbrechen ist allerdings auch schon 52 Jahre her – die meisten Beteiligten sind verblichen, gestorben übrigens eines natürlichen Todes.

In der Kriminalstatistik spielt der Kreis Unna seit Dominas keine beunruhigende Rolle mehr. Krimistar Henning Mankell kam 2008 an die B1 und holte sich beim Festival „Mord am Hellweg“ den ersten Europäischen Preis für Kriminalliteratur ab, den sogenannten „Ripper Award“. Seitdem sind 21 Tötungsdelikte erfasst – so viel wie in Dortmund in einem Jahr. „Mehr Tote gibt’s eindeutig im Straßenverkehr“, sagt Kim Freigang, Sprecher der Polizei Dortmund, die bei Bedarf die Mordkommission für die Nachbarn bildet.

Heißt: Die Wahrscheinlichkeit, im schönen Schwerte einem Serientäter zum Opfer zu fallen, ist zwar deutlich größer als ein Sechser im Lotto, aber doch so berechenbar wie ein Horst Seehofer als Ehrenvorsitzender von Pro Asyl.

Stellt sich die Frage, warum sich ausgerechnet am Hellweg eine so lange Blutspur zieht.

Die Antwort erfordert keine langen Ermittlungen. Klar ist: Das Krimispektakel entspringt der Fantasie. Ideengeber und Festivalmacher Sigrun Krauß (Kulturchefin Stadt Unna) und Dr. Herbert Knorr (Leiter Westfälisches Literaturbüro) bemühten Ende der 1990er-Jahre außerdem die nordisch-germanische Mythologie. Die sah den „Helvegr“ als Totenweg, auf dem die Leichen transportiert wurden. In der Silbe Hel, so die nächste Vermutung, spiegele sich auch der Name der Höllengöttin.

Eine Straße, die ins Jenseits führt

Eine Herrscherin der Unterwelt und eine Straße, die ins Jenseits führt: Das sollte reichen für Nebulöses und Nervenkitzel! Erfunden war das Festival „Mord am Hellweg“, ein Netzwerk-Projekt mit einem Konzept so simpel wie erfolgreich. Viele Anrainerstädte bilden eine verschworene Gemeinschaft, das Genre Krimi die Klammer. Das literarische Morden pflegt die regionale Verbundenheit. Und auch die internationale Szene rückt an und bringt Spannung in die (vermeintliche) Provinz.

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Jussi Adler-Olsen mit seiner deutschen Stimme Peter Lohmeyer. Foto: Simone Melenk

So durfte sich nach dem Schweden Henning Mankell Landsmann Håkan Nesser über den „Ripper Award“ freuen. Nach ihm war die Französin Fred Vargas Publikumsliebling. Dann holte sich der dänische Krimistar Jussi Adler-Olsen die Auszeichnung ab. Zuletzt wurde der deutsche Thriller-Spezialist Sebastian Fitzek ausgezeichnet. Der Berliner Bestsellerautor galt früh als Hauptverdächtiger für den Publikumspreis.

Der Europäische Preis für Kriminalliteratur ist übrigens mit 11.111 Euro dotiert. Das dürfte ungefähr der Summe in D-Mark entsprechen, die Petras Dominas in Onkel Albrechts Matratze vermutete.

 

Unna ehrt den Lichtpionier François Morellet

Unna ehrt den Lichtpionier François Morellet

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Unna. In der modernen Kunst trifft man nur noch selten Pioniere: François Morellet war ein Pionier, ein Lichtpionier. Ihm zu Ehren zeigt das Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna die erste Retrospektive nach seinem Tod. Und die letzte Werkschau, die der französische Künstler noch selbst zusammengestellt hat. Das war kurz vor seinem 90. Geburtstag im April dieses Jahres, elf Tage später starb Morellet.

In den Tonnengewölben der alten Lindenbrauerei sind jetzt seine Arbeiten aus seinen Anfängen als Lichtkünstler zu sehen, ebenso aktuelle Installationen aus den Jahren 2006 bis 2015. „Es war eine Herausforderung, fertige Morellets zu zeigen in Räumen, die fertig waren“, erzählt Museumsdirektor John Jaspers, der bei einem Besuch in Frankreich das Projekt noch mit dem Meister persönlich planen konnte. Denn Morellet arbeitete meistens für den Raum. So war er in den Anfängen des unterirdischen Unnaer Museums auch einer der ersten, die sich künstlerisch in einem der vielen Bierkeller „ausleben“ durften. Seine Arbeit „No End Neon/Pier and Ocean“ aus den Jahren 2001/2002 bezieht sich auf die gleichnamige Zeichenserie von Piet Mondrian und gehört als Dauerinstallation zum Bestand des Lichtkunstzentrums.

Das Zentrum für internationale Lichtkunst Unna am 30. April 2012

No end Neon/Pier and Ocean: eine der ersten Dauerinstallationen im Zentrum für Internationale Lichtkunst, realisiert 2002.

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Nèon abscon: eine Arbeit von 1968.

Madame findet die Schau schlicht „formidable“

In der Wechselausstellung Morellet erlebt der Besucher neue und alte faszinierende Lichtkunst in 150 Jahre alten grauen Gewölben, die selbst viele spannende Spuren zeigen. Durch sie erfährt Morellet eine ganz neue Strahlkraft. Sehr moderne Neon-Arbeiten aus den 1970er Jahren sind im ersten Raum aufgebaut – Neonlinien, Neon-Stäbe, die gestikulieren, immer wieder neue Figuren bilden und ein Eigenleben mit Kopf und Füßen entwickeln. In der Ecke dann eine sehr große Arbeit, die einst schon bei der Lichtkunst-Biennale im Kulturhauptstadtjahr in einer alten Scheune in Bergkamen die Besucher in Staunen versetzte: Ein perfekter Kreis aus Neonröhren, auseinandergenommen, zusammengefallen und neu zusammengesetzt, scheint sich plötzlich zum Himmel zu recken.

So minimalistisch, so streng die Werke von Morellet scheinen, sind sie nicht. Die roten Kreise, seine Linien, die geometrisch gesetzten Punkte: sie blinken, sie flunkern, sie scheinen sich dem Zufall oder einem Kurzschluss zu ergeben. Morellet hatte eben auch viel Humor und ein Faible für eigenwillige Schaltungen und seine eigene Lichtspielerei. Auf schwarzen, eigens eingebauten Wandscheiben leuchten diese Werke aus den 1960er Jahren besonders stark.

Am Ende der Schau hängt eine Arbeit, die aus dem Quadrat, dem Kreis, dem rechten Winkel ausbricht und so ganz anders ist: wirre weiße Neonlinien.  Morellet ließ eines seiner Werke sich waagerecht im Wasser spiegeln – die fotografierte Reflektion baute er dann senkrecht für die Wand nach. Mit Morellets Reflektion endet nach zehn Stationen auch die Retrospektive.

Die verlangt auch der Witwe Danielle Morellet (89) Bewunderung ab. Madame, eigens aus Frankreich angereist, findet die Schau schlicht „formidable!“

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Danielle Morellet mit ihrem Sohn Friquet und Museumsdirektor John Jaspers. Fotos: Simone Melenk

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Morellet – bis 29. Januar 2017, Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna, Lindenplatz 1. Öffnungszeiten: Di-Fr 13 Uhr, 15 Uhr und 17 Uhr, Sa-So 13-17 Uhr stündliche Führungen. Jeden ersten Sonntag im Monat offene Begehung.