Ausgezeichnet: Die junge Malerin Eilike Schlenkhoff

Ausgezeichnet: Die junge Malerin Eilike Schlenkhoff

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Ihre Malerei überzeugt: Eilike Schlenkhoff freut sich über das Stipendium 2016/2017 der Kulturstiftung Sparkasse Unna. (Foto: Simone Melenk)

Kreis Unna/Ruhrgebiet. Malerei war gefragt, so oft schon totgesagt und doch immer wieder neu erfunden. 22 junge Künstlerinnen und Künstler aus der Region und dem Ruhrgebiet hatten sich mit ihren Arbeiten um den Förderpreis beworben: Die Künstlerin Eilike Schlenkhoff aus Herne konnte sich am Ende über das mit 5555 Euro dotierte Stipendium der Kulturstiftung Sparkasse Unna freuen.

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Vorstandsvorsitzender Klaus Moßmeier (l. und Werner Kolter, der Vorsitzende des Stiftungs-Kuratoriums, überreichen der Künstlerin Eilike Schlenkhoff den Förderpreis. Blumen dazu sind Ehrensache. (Foto: Simone Melenk)

Die Vielseitigkeit und die unterschiedlichen Stile, die Eilike Schlenkhoff einsetzt und entwickelt, hatten am Ende die Jury überzeugt. Die Münsteraner Meisterschülerin, die ihre künstlerische Laufbahn an der Freien Akademie der Bildenden Künste in Essen begann, beherrscht die große Gesten mit breitem Quast ebenso  wie den leichten Pinselstrich, die Farbfeldmalerei und das Kleinformat. Immer steht das Malerische im Mittelpunkt, das Tiefgründige, das erst aus unzähligen Schichten entsteht. Ihre Farbgebilde verselbständigen sich, schweben im Raum, lösen sich wieder auf. Die Künstlerin zieht Linien, die aus dem Nichts kommen und im Nichts enden. Alles wirkt so leicht und ist doch so schwer zu malen. Manchmal verbergen sich unter ihren Arbeiten zehn andere Bilder, verrät sie. Auf vermalten Untergründen wirft Eilike Schlenkhoff neue Schlagschatten. Eine Schale lässt sie schweben, eine Wäscheleine wehen, einen blauen Beutel bersten, eine Jalousie mit Licht spielen. Der Betrachter kann sich ins abstrakte Bild stürzen und in Schlenkhoffs Farbwesen seine eigene Geschichte ergründen.

Die Auszeichnung und Ausstellung sind das eine, die finanzielle Anerkennung ist das andere. Eilike Schlenkhoff, Jahrgang 1984, freute sich riesig auch über das Preisgeld: „Jetzt kann ich den ganzen Sommer lang malen…und endlich kauf’ ich mir eine Quetschkommode.“

Malerei von Eilike Schlenkhoff: Ausstellung bis 18. Juni im Kunstverein Unna, Mühlenstraße 4c, www.kunstvereinunna.de

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Die Preisübergabe im Unnaer Kunstverein war gut besucht: Bis 18. Juni sind die Arbeiten von Eilike Schlenkhoff jetzt in der alten Mühle zu sehen. Laudator bei der Preisverleihung war Dr.Peter Schmieder, Geschäftsführer des Künstlerhauses Dortmund (l.). (Foto: Simone Melenk)

Das Stipendium für junge Bildende Künstler, einst zum 150-Jährigen der Bank aufgelegt, wurde von der Kulturstiftung Sparkasse Unna bereits zum 25. Mal ausgelobt. Die fördert mit diesem Preis seit 1992 junge Kunst und junge Künstler in unserer Region.

Der Preis ist dotiert mit 5555 Euro – Startkapital für das freie Schaffen

Im vergangenen Jahr war „Kunst und Natur“ das Thema, diesmal war die Malerei gefragt. Es gab 22 Einreichungen. Das Stipendium ist mit immerhin 5555 Euro dotiert und gehört in Westfalen zu den größeren und auch anerkannten Auszeichnungen.

In der jüngsten Stiftungssitzung wurde die Stiftung übrigens umbenannt in Kulturstiftung UnnaKamen, das Zusammengehen trägt der Sparkassen-Fusion Rechnung. Zusammen mit der Sparkasse Fröndenberg, die jetzt auch dazugehört, werde das Förderpotenzial künftig weiter wachsen, kündigte Werner Kolter an, der Vorsitzende des Stiftungs-Kuratoriums.

Gut für die Kunst, gut für die Region.

Lichtkunstpreis für Satoru Tamura – Bei ihm fliegen die Funken

Lichtkunstpreis für Satoru Tamura – Bei ihm fliegen die Funken

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Erst Anspannung beim Abstieg ins Ungewisse, dann Hochspannung. Im wahrsten Wortsinn. Für den International Light Art Award (ILAA), den Unnaer Lichtkunstpreis, lässt der japanische Künstler Satoru Tamura die Funken fliegen.

In die Museumskeller in der ehemaligen Brauerei – 12 Meter unter der Erde – baute er eine riesige offene Steckdose. Fließende Energie – selbst produziert mit Messingstäben, die über einen Metalltisch schrappen – lässt sich so ganz neu erleben, sogar erschnüffeln, wenn’s blau britzelt. Tamuras Strom (bitte hinter der Absperrung bleiben!) bringt noch eine raumhohe Lichtsäule zum Leuchten. Sein „Point of Contact for Unna“ huldigt dem Phänomen Licht. Und ist die herausragende Arbeit, die im internationalen Wettbewerb am Ende die Fachjury überzeugte.

An die 300 Künstlerinnen und Künstler aus 41 Ländern hatten sich um den ILAA 2017 beworben, sogar aus Afrika wurden Ideen nach Westfalen geschickt. Neben Tamura gehören Tilman Küntzel (Deutschland) und das Künstler-Duo Vroegop/Schoonveld aus den Niederlanden zu den Gewinnern, die ihre eigens für die faszinierenden Räume geschaffenen Arbeiten jetzt fünf Monate vor Ort zeigen. Realisierung und Ausstellung gehören zum Preis. Satoru Tamura darf sich außerdem noch über die Siegerprämie von 10 000 Euro freuen.

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Den Anfang in den Gewölben der Wechselausstellung (bis 3. September) macht aber das Künstlerduo Vroegop/Schoonveld (l. Foto: Frank Vinken) mit einem spektakulären „Unendlichkeitszeichen“: 200 sich drehende schwarzweiß-karierte Lichtröhren hypnotisieren mit einem Spiel aus Licht und Dunkelheit, Bewegung und Rhythmus. Das Bild von einem langen mäandernden Fluss drängt sich auf. Meditativ ist ihre Kunst, und Standards, Wiederholungen und Serien spielen immer eine Hauptrolle, sagt Matty Vroegop.

Der Berliner Künstler Tilman Küntzel (r. Foto: Frank Vinken) verwandelt den Jahrhunderte alten Keller schließlich in einen magischen Ort. Ein mächtiger Kronleuchter ist vom Himmel gefallen, jetzt liegt er am Boden. Das Licht bricht sich in den Kristallen, die Gläser klirren. So scheint es zumindest. Küntzels Installation ist komplexer. Ganz woanders klicken in einem Schaltkasten Metalle, versteckte Mikros in den Wänden verstärken die Geräusche. Allen technischen Erklärungen zum Trotz erzählt die „Rauminszenierung mit Lüster“ aber andere Geschichten. Geheimnisvollere.

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Gruppenbild mit Jury, Künstlern, Museumsdirektor John Jaspers (l.) und Dr. Stephan Muschick (r.) von der innogy Stiftung. Foto: Simone Melenk

INFO

Der International Light Art Award (ILAA) wurde zum zweiten Mal vergeben – eine Initiative des Zentrums für Internationale Lichtkunst in Unna und der Innogy Stiftung für Energie und Gesellschaft (vormals RWE Stiftung), die junge innovative Kunst fördert.

bis 3. September stellen die Finalisten Satoru Tamura (Japan), Tilman Küntzel (Deutschland) und das Künstler-Duo Vroegop/Schoonveld (Niederlande) ihre Arbeiten im Zentrum für Internationale Lichtkunst in Unna aus.

Öffnungszeiten: Die-Fr. 13 Uhr, 15 Uhr und 17 Uhr Führungen, Sa/So/Feiertage 12-17 Uhr (Führungen jede volle Stunde).

Jeden 1. Sonntag im Monat 12 bis 17 Uhr Offene Begehung, jeden 2. Sonntag im Monat Familienführung 11 Uhr (Anmeldung unter 02303/103-751).

www.lichtkunst-unna.de

Großstadtflair bei der Preisverleihung

Selten war das Zentrum für Information und Bildung (ZIB) so voll wie zur Preisverleihung. Der ILAA 2017, der International Light Award, lockte auch viele auswärtige Gäste nach Unna. Festlich dekoriert, mit schicker Bar und einem formidablen Flying Buffet präsentierte sich die Schwankhalle als Top-Location. Fanden auch die vielen Besucher. Sie zeigten sich begeistert. Hier ein paar Eindrücke von einem tollen Abend.

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Preisträger und Finalisten: (v.l.) Tilman Küntzel, Satoru Tamura und das Künstlerduo Duo Vroegop/ Schoonveld. (Foto: Simone Melenk)

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Ein gelungener Abend, deshalb gut gelaunt auf der Bühne: (v.l.) Dr. Jochen Stemplewski, Vorsitzender des Zentrums für Lichtkunst e.V., der Künstler Saturo Tamura, Kultur-Staatssekretär NRW Bernd Neuendorf und Bürgermeister Werner Kolter. Foto: Simone Melenk

 

Natürlich findet der International Light Art Award auch Beachtung in der Region – von Bochum bis Bad Berleburg. Einfach anklicken!

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Der Albtraum-Mann, der eigentlich ganz lustig ist

Der Albtraum-Mann, der eigentlich ganz lustig ist

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Unna. Mit ihm holen sich die Menschen den Horror ins Haus. Trotzdem (oder gerade deshalb, als Blitzableiter?) lieben sie ihn. Und Sebastian Fitzek, der Albtraum-Mann, der eigentlich ein ganz Lustiger ist, liebt sein Publikum. Er braucht diese „emotionalen Momente“, gibt er zu. Wenn der Autor sein stilles Kämmerlein verlässt und seine Leser trifft. Jetzt in Unna wieder. Da holte sich der Thriller-Spezialist den Ripper Award ab, den Europäischen Preis für Kriminalliteratur.

10 000 Besucher des Festivals „Mord am Hellweg“ hatten abgestimmt – ihr Votum für die deutsche Antwort auf Alfred Hitchcock fiel sehr schnell und eindeutig aus. Sebastian Fitzek, promovierter Jurist, der mal Staatsanwalt werden wollte, ließ Krimilady Ingrid Noll hinter sich, auch Genre-Größen wie Arnaldur-Indriðason (Island) oder Jo Nesbø (Norwegen) schlug er um Längen. Entsprechend gerührt war der Autor, als er die Auszeichnung entgegennahm: „Mein erster Preis!“

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Der Ripper Award geht an Sebastian Fitzek (3.v.l.): Preisverleihung mit (v.l) Landrat Michael Makiolla, Bürgermeister Werner Kolter, Sparkassenvorstand Klaus Moßmeier, Dr. Herbert Knorr, Sigrun Krauß (Festivalleitung) und Literaturchef und Wolfram Kuschke (Westf.Literaturbüro). Foto: Simone Melenk

Das Preisgeld, 11 111 Euro, will er spenden: zu gleichen Teilen einem Verein, der sich um Frühchen kümmert. Einem Verein gegen Kindesmissbrauch. Last not least an „Mord am Hellweg“ und hier für die Nachwuchsförderung – ohne die auch er nie dahingekommen wäre, wo er heute steht. Auf den Bestsellerlisten.

Sein Erfolg macht ihm zuweilen Angst, sagt er. Der Fitzek-Hype hält immerhin schon zehn Jahre an, acht Millionen Bücher hat der sympathische Vielredner in dieser Zeit verkauft, seine Thriller-Shows sind ausverkauft, in 24 Sprachen wird er gelesen. Oder besser verschlungen. Überraschungs-Laudator Peter Prange, ausgewiesener Experte des historischen Romans, gestand auf der Bühne: Ich mag eigentlich keine Krimis, aber wer einen Fitzek zu lesen beginnt, der ist gefangen…“

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Ein Buch pro Jahr steht auf Fitzeks To do-Liste. In diesem werden es ausnahmsweise einmal drei Veröffentlichungen (auch INFO) sein. „AchtNacht“, die tödliche Story über ein massenpsychologisches Experiment, das völlig aus dem Ruder läuft, ist gerade erschienen. Nach der Frankfurter Buchmesse will der Berliner seine Leser mit „Flugangst 7a“ fesseln. Der Thriller spielt im Flieger, und Klaustrophobie eine entscheidende Rolle. Aber die Angst lässt sich noch deutlich steigern. Von einem wie Fitzek eben.

INFO: Pupsi & Stinki – das erste Kinderbuch

Paul ist ein Stinker, weil er ständig pupsen muss. Dafür kann das Stinktier nicht auf Kommando müffeln. „Pupsi und Stinki“ heißt das erste Kinderbuch von Sebastian Fitzek. Entstanden, weil die Eltern auf einer Urlaubstour die Bilderbücher vergessen hatten. Felix (3), David (5) und Charlotte (6) forderten eigene Geschichten, der Vater musste liefern. Und weil die Fitzek-Furzknoten endlich wissen wollten, wie Pupsi & Stinki aussehen, musste noch ein Vorlesebuch mit Bildern her…Darauf hatte übrigens auch Verleger-Enkel und Lektor Ludwig (5) bestanden. So entstand die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft – garantiert nicht gruselig.

Pupsi & Stinki, Hardcover, Pattloch Geschenkbuch, 56 Seiten
ISBN: 978-3-629-14237-5

Als der Mord am Hellweg blutiger Ernst war…

Als der Mord am Hellweg blutiger Ernst war…

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Plakat „Mord am Hellweg“ und Titelbild der aktuellen Anthologie „Glaube, Liebe, Leichenschau“ – „angeschlagen“ am Original Schauplatz Onkel Albrecht an der B1. Foto: Simone Melenk

 

Dominas-Bande ging über Leichen

Unna. Gesucht wird ein „Mörder ohne Gesicht“. Ein altes Bauernpaar ist auf seinem Hof ermordet worden. Das Motiv der Tat liegt völlig im Dunkeln, deren Brutalität irritiert die Polizisten… So beginnt Henning Mankells erster Krimi mit Kurt Wallander. Er wird ein Bestseller.

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Ausriss aus dem Hellweger Anzeiger, der erste Bericht über das blutige Verbrechen, damals verfasst von Klaus Seifert, der auch schon tot ist. (Stadtarchiv Unna)

So geschockt wie seine schwedischen Kollegen ist auch Polizeiwachtmeister Manfred Such. In einer Augustnacht – er hat eigentlich Kirmesdienst – wird er zum Landgasthof in Unna-Lünern dirigiert. Überfall bei „Onkel Albrecht“ lautet die kurze Info.

Am Tatort erwartet den jungen Polizisten die totale Finsternis und eine gespenstige Stille. Vorne ist nichts. Also geht er hinten herum. Verdächtig: Am Fachwerkhaus lehnt eine Leiter ins oberste Stockwerk. Der Beamte wagt sich vorsichtig ins Haus, tastet sich vor ins Treppenhaus nach oben. Dann sieht er nur noch rot, nur noch Blut…

Der Doppelmord in der Gaststätte am Hellweg – Onkel Albrecht und seine Schwester Lina wurden mit mehreren Schüssen niedergestreckt – war keine Fiktion. Das alte Paar wurde Opfer der brutalen Bande um Petras Dominas, die bei ihren Raubzügen im Ruhrgebiet über Leichen ging. Letztendlich aber führten die Spuren in Unna zu Dominas‘ Verhaftung und zum „Lebenslänglich“.

Der „Mord am Hellweg“ rauschte damals durch den Blätterwald. Das Verbrechen ist allerdings auch schon 52 Jahre her – die meisten Beteiligten sind verblichen, gestorben übrigens eines natürlichen Todes.

In der Kriminalstatistik spielt der Kreis Unna seit Dominas keine beunruhigende Rolle mehr. Krimistar Henning Mankell kam 2008 an die B1 und holte sich beim Festival „Mord am Hellweg“ den ersten Europäischen Preis für Kriminalliteratur ab, den sogenannten „Ripper Award“. Seitdem sind 21 Tötungsdelikte erfasst – so viel wie in Dortmund in einem Jahr. „Mehr Tote gibt’s eindeutig im Straßenverkehr“, sagt Kim Freigang, Sprecher der Polizei Dortmund, die bei Bedarf die Mordkommission für die Nachbarn bildet.

Heißt: Die Wahrscheinlichkeit, im schönen Schwerte einem Serientäter zum Opfer zu fallen, ist zwar deutlich größer als ein Sechser im Lotto, aber doch so berechenbar wie ein Horst Seehofer als Ehrenvorsitzender von Pro Asyl.

Stellt sich die Frage, warum sich ausgerechnet am Hellweg eine so lange Blutspur zieht.

Die Antwort erfordert keine langen Ermittlungen. Klar ist: Das Krimispektakel entspringt der Fantasie. Ideengeber und Festivalmacher Sigrun Krauß (Kulturchefin Stadt Unna) und Dr. Herbert Knorr (Leiter Westfälisches Literaturbüro) bemühten Ende der 1990er-Jahre außerdem die nordisch-germanische Mythologie. Die sah den „Helvegr“ als Totenweg, auf dem die Leichen transportiert wurden. In der Silbe Hel, so die nächste Vermutung, spiegele sich auch der Name der Höllengöttin.

Eine Straße, die ins Jenseits führt

Eine Herrscherin der Unterwelt und eine Straße, die ins Jenseits führt: Das sollte reichen für Nebulöses und Nervenkitzel! Erfunden war das Festival „Mord am Hellweg“, ein Netzwerk-Projekt mit einem Konzept so simpel wie erfolgreich. Viele Anrainerstädte bilden eine verschworene Gemeinschaft, das Genre Krimi die Klammer. Das literarische Morden pflegt die regionale Verbundenheit. Und auch die internationale Szene rückt an und bringt Spannung in die (vermeintliche) Provinz.

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Jussi Adler-Olsen mit seiner deutschen Stimme Peter Lohmeyer. Foto: Simone Melenk

So durfte sich nach dem Schweden Henning Mankell Landsmann Håkan Nesser über den „Ripper Award“ freuen. Nach ihm war die Französin Fred Vargas Publikumsliebling. Zuletzt holte sich der dänische Krimistar Jussi Adler-Olsen die Auszeichnung ab.

In diesem Jahr waren die deutsche Krimilady Ingrid Noll nominiert. Sie hatte allerdings starke männliche Konkurrenz: Bestseller-Autor Arnaldur-Indriðason (Island), Jo Nesbø (Norwegen) und den deutschen Thriller-Spezialisten Sebastian Fitzek. Der Berliner Bestsellerautor galt früh als Hauptverdächtiger für den Publikumspreis.

Der Europäische Preis für Kriminalliteratur ist übrigens mit 11.111 Euro dotiert. Das dürfte ungefähr der Summe in D-Mark entsprechen, die Petras Dominas in Onkel Albrechts Matratze vermutete.

 

Unna ehrt den Lichtpionier François Morellet

Unna ehrt den Lichtpionier François Morellet

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Unna. In der modernen Kunst trifft man nur noch selten Pioniere: François Morellet war ein Pionier, ein Lichtpionier. Ihm zu Ehren zeigt das Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna die erste Retrospektive nach seinem Tod. Und die letzte Werkschau, die der französische Künstler noch selbst zusammengestellt hat. Das war kurz vor seinem 90. Geburtstag im April dieses Jahres, elf Tage später starb Morellet.

In den Tonnengewölben der alten Lindenbrauerei sind jetzt seine Arbeiten aus seinen Anfängen als Lichtkünstler zu sehen, ebenso aktuelle Installationen aus den Jahren 2006 bis 2015. „Es war eine Herausforderung, fertige Morellets zu zeigen in Räumen, die fertig waren“, erzählt Museumsdirektor John Jaspers, der bei einem Besuch in Frankreich das Projekt noch mit dem Meister persönlich planen konnte. Denn Morellet arbeitete meistens für den Raum. So war er in den Anfängen des unterirdischen Unnaer Museums auch einer der ersten, die sich künstlerisch in einem der vielen Bierkeller „ausleben“ durften. Seine Arbeit „No End Neon/Pier and Ocean“ aus den Jahren 2001/2002 bezieht sich auf die gleichnamige Zeichenserie von Piet Mondrian und gehört als Dauerinstallation zum Bestand des Lichtkunstzentrums.

Das Zentrum für internationale Lichtkunst Unna am 30. April 2012

No end Neon/Pier and Ocean: eine der ersten Dauerinstallationen im Zentrum für Internationale Lichtkunst, realisiert 2002.

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Nèon abscon: eine Arbeit von 1968.

Madame findet die Schau schlicht „formidable“

In der Wechselausstellung Morellet erlebt der Besucher neue und alte faszinierende Lichtkunst in 150 Jahre alten grauen Gewölben, die selbst viele spannende Spuren zeigen. Durch sie erfährt Morellet eine ganz neue Strahlkraft. Sehr moderne Neon-Arbeiten aus den 1970er Jahren sind im ersten Raum aufgebaut – Neonlinien, Neon-Stäbe, die gestikulieren, immer wieder neue Figuren bilden und ein Eigenleben mit Kopf und Füßen entwickeln. In der Ecke dann eine sehr große Arbeit, die einst schon bei der Lichtkunst-Biennale im Kulturhauptstadtjahr in einer alten Scheune in Bergkamen die Besucher in Staunen versetzte: Ein perfekter Kreis aus Neonröhren, auseinandergenommen, zusammengefallen und neu zusammengesetzt, scheint sich plötzlich zum Himmel zu recken.

So minimalistisch, so streng die Werke von Morellet scheinen, sind sie nicht. Die roten Kreise, seine Linien, die geometrisch gesetzten Punkte: sie blinken, sie flunkern, sie scheinen sich dem Zufall oder einem Kurzschluss zu ergeben. Morellet hatte eben auch viel Humor und ein Faible für eigenwillige Schaltungen und seine eigene Lichtspielerei. Auf schwarzen, eigens eingebauten Wandscheiben leuchten diese Werke aus den 1960er Jahren besonders stark.

Am Ende der Schau hängt eine Arbeit, die aus dem Quadrat, dem Kreis, dem rechten Winkel ausbricht und so ganz anders ist: wirre weiße Neonlinien.  Morellet ließ eines seiner Werke sich waagerecht im Wasser spiegeln – die fotografierte Reflektion baute er dann senkrecht für die Wand nach. Mit Morellets Reflektion endet nach zehn Stationen auch die Retrospektive.

Die verlangt auch der Witwe Danielle Morellet (89) Bewunderung ab. Madame, eigens aus Frankreich angereist, findet die Schau schlicht „formidable!“

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Danielle Morellet mit ihrem Sohn Friquet und Museumsdirektor John Jaspers. Fotos: Simone Melenk

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Morellet – bis 29. Januar 2017, Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna, Lindenplatz 1. Öffnungszeiten: Di-Fr 13 Uhr, 15 Uhr und 17 Uhr, Sa-So 13-17 Uhr stündliche Führungen. Jeden ersten Sonntag im Monat offene Begehung.

 

 

Das Unnaer Stipendium für junge Kunst

Das Unnaer Stipendium für junge Kunst

Schaut genau hin: die Stipendiatin Silke Kleine Kalvelage. Foto: Simone Melenk

Schaut genau hin: die Stipendiatin Silke Kleine Kalvelage. Foto: Simone Melenk

Unna/Dortmund. Berge von Pflanzenfasern und Plastikschnüren verrotten in der Sonne, zerfetzter Vlies hängt in den Bäumen, Ölschiefer brennt und hinterlässt große Krater: Wo der Mensch auftaucht, sich breit macht, in die Landschaft frisst und für seine Produktions- und Nahrungskette die Natur verändert und zerstört, da schaut Silke Kleine Kalvelage genau hin.

Und zeigt die Umweltzerstörung, die Nachher-Natur in Serie und bemerkenswerten Bildern. Mit ihren Fotografien, Installationen, Videos und Versuchsanordnungen mit Pflanzen-Präparaten und in Einmachgläsern überzeugte die 31-Jährige unter anderem die Chefs des Museums Weserburg in Bremen, Peter Friese, und des Glaskastens in Marl, Georg Elben, als Teil der Jury. Deshalb erhält Kleine Kalvelage  in diesem Jahr das Stipendium für junge Bildende Künstler – zum 24. Mal ausgelobt von der Kulturstiftung der Sparkasse Unna/Kamen, die einst zum 150-Jährigen der Bank aufgelegt wurde. Die fördert mit diesem Preis seit 1992 junge Kunst und junge Künstler in unserer Region.

Der Preis ist dotiert mit 5555 Euro – Startkapital für das freie Schaffen

Diesmal waren Arbeiten zum Thema „Kunst und Natur“ gefragt, es gab 25 Einreichungen. Das Stipendium ist mit immerhin 5555 Euro dotiert und gehört in Westfalen zu den größeren und auch anerkannten Auszeichnungen. Für die gebürtige Duisburgerin Silke Kleine Kalvelage ist das Stipendium nach Studienjahren in Hildesheim und an der Kunsthochschule Kassel das willkommene „Startkapital“ als freischaffende Künstlerin mit ihrem ersten Atelier jetzt in Unna. silkekleinekalvelage.wordpress.com

Preisüberreichung im Kunstverein: v.l. Bürgermeister Werner Kolter, Silke Kleine Kalvelage, Sparkassenvorstand Klaus Moßmeier, Lea Carla Diestelhorst, Peter Friese (Direktor Museum Weserburg). Foto: Simone Melenk

Preisüberreichung im Kunstverein: v.l. Bürgermeister Werner Kolter, Silke Kleine Kalvelage, Sparkassenvorstand Klaus Moßmeier, Lea Carla Diestelhorst, Peter Friese (Direktor Museum Weserburg). Foto: Simone Melenk

Überzeugend und besonders: Lea Carla Diestelhorst erhielt einen Förderpreis. Foto: Simone Melenk

Überzeugend und besonders: Lea Carla Diestelhorst erhielt einen Förderpreis. Foto: Simone Melenk

Einen Sonderpreis (2500 Euro) für die hohe Qualität ihrer Arbeit erhält außerdem die junge Dortmunder Künstlerin Lea Carla Diestelhorst, die sich bei ihrer auch großformatigen Malerei vor allem von einem sicheren Farbgefühl leiten lässt. Ihre Strukturen, Striche, Streifen und Punkte sind so abstrakt wie assoziativ. Birkenwald oder Korallenriff? Jeder sieht etwas anderes, sagt sie, und das will sie auch. Die Natur ist bei der 28-jährigen Malerin mit Kunstadresse im Dortmunder Kreuzviertel in erster Linie ein bemerkenswertes „Farbereignis“. Leacarladieselhorst.com

 

Zur Preisverleihung wurde eine sehr gute Ausstellung im Kunstverein konzipiert, rechts die Kunstvereins-Vorsitzende Agnes Bonmann-Sobbe.Foto: Simone Melenk

Zur Preisverleihung wurde eine sehr schöne Ausstellung im Kunstverein gebaut, rechts die Vereinsvorsitzende Agnes Bonmann-Sobbe.Foto: Simone Melenk

Ein Kämpfer für Kuckuck & Co

Ein Kämpfer für Kuckuck & Co

Für seinen Einsatz und sein Engagement für die Umwelt und Natur erhielt Karl-Heinz Albrecht (2.v.l.) die Urkunde und die Medaille "Ehren.Sache" des Landes NRW. Links sein Mitstreiter Dr. Josef Cornelissen, Umweltminister Johannes Remmel und Bürgermeister Werner Kolter (r.)

Für seinen Einsatz und sein Engagement für die Umwelt und Natur erhielt Karl-Heinz Albrecht (2.v.l.) die Urkunde und die Medaille „Ehren.Sache“ des Landes NRW. Links sein Mitstreiter Dr. Josef Cornelissen, Umweltminister Johannes Remmel und Bürgermeister Werner Kolter (r.)

Große Ehre in der kleinen Öko-Zelle

Unna-Mühlhausen. Ohne ihn wäre Unna auf jeden Fall (wasser)ärmer, soviel steht fest. Und weil Karl-Heinz Albrecht auch mit fast 80 noch unermüdlich für die Natur, den Kuckuck & Co kämpft, wurde ihm jetzt eine besondere Ehre zuteil. NRW-Umweltminister Johannes Remmel zeichnete den Öko-Aktivisten mit der „Ehren.Sache“ aus, einer Medaille, die landesweit nur fünfmal vergeben wird – für den Einsatz und das Engagement für Natur und Umwelt.

Kein großer Bahnhof war angesagt, eher eine kleine Feierstunde in der Öko-Zelle, die Anfang der 1980er-Jahre hier in Mühlhausen/Uelzen von Heimat- und Naturschützern geschaffen wurde. Deshalb nahm Albrecht die Auszeichnung auch stellvertretend für viele (Natur-)Freunde entgegen, die mit ihm zusammen seit drei Jahrzehnten der Natur immer wieder zu ihrem Recht und ihrer Fläche verhelfen.

„Wir reden viel über Nachhaltigkeit,

sie muss aber auch gelebt werden“.

NRW-Umweltminister Johannes Remmel.

Nicht nur, dass Albrecht und seine Mitstreiter in den Quellendörfer die Wasseradern suchten und wieder freilegten, Teiche und Blenken anlegten, mit der Aktion Landkauf in Uelzen, Mühlhausen, Lünern und Hemmerde konnten in den vergangenen Jahrzehnten auch sage und schreibe 324 245 Qudratmeter Land erworben und der Natur zurückgegeben werden. Das entspricht immerhin einer (oft zusammen hängenden) Fläche von knapp 40 Sportplätzen – vom Rebhuhnacker und dem Nachtigallenbruch über den Rotkehlchenhain, den Cornelkamp bis zur Spatzenwiese und der Kuckucksweide.

Wasserschau in der Uelzener Heide/Mühlhauser Mark...

Wasserschau im Naturschutzgebiet Uelzener Heide/Mühlhauser Mark…

Experten unter sich: v.l. Karl-Heinz Albrecht, Dr. Josef Cornelissen, Johannes Remmel.

Experten unter sich: v.l. Karl-Heinz Albrecht, Dr. Josef Cornelissen, Johannes Remmel.

 

 

 

 

 

 

 

 

Nur 6 bis 7 Prozent der Gewässer in NRW seien in einem ökologisch guten Zustand, sagte Umweltminister Remmel bei der Ehrung, deshalb seien Menschen vor Ort so unverzichtbar wie wertvoll, die das Wasser als Lebensader der Artenvielfalt fördern und schützen. Karl-Heinz Albrecht sei so ein Mensch, er brennt für den Natur- und Umweltschutz. Seit 35 Jahren übrigens auch schon an der Seite von Werner Kolter, der bereits als Unnaer Umweltdezernent vielen gemeinsamen Öko-Projekten Rückenwind gab.

Heute, als Bürgermeister und begeisterter Radfahrer, ist er stolz auf ein ebenso grünes wie artenreiches Unna. Gerade auch dank so engagierter Bürgerinnen und Bürgern wie Karl-Heinz Albrecht.

Umweltaktivist Karl-Heinz Albrecht an der Gräfte des ehemaigen Wasserschlosses Haus Heyde in Uelzen. Seit knapp 40 Jahren ist der Unnaer ein unermüdlicher Kämpfer für Kuckuck & Co. (Bild. Simone Melenk)

Umweltaktivist Karl-Heinz Albrecht an der Gräfte des ehemaligen Wasserschlosses Haus Heyde in Uelzen. Seit knapp 40 Jahren ist der Unnaer ein unermüdlicher Kämpfer für Kuckuck & Co. (Bild. Simone Melenk)

 

Unterirdisch, aber oberoriginell – Ein Prosit auf die „Abteilung 10“

Unterirdisch, aber oberoriginell – Ein Prosit auf die „Abteilung 10“

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Hier unten, 20 Meter unter der Erde, gibt es immer einen Grund, sich für das Set zu entscheiden: lang-kurz, lang-kurz. Ach, einen nehmen wir noch…

Als von internationaler Lichtkunst noch keiner zu träumen wagte, ploppten hier die ersten Flaschen auf – zwischen Schutt und Dreck, Brauerei-Gerümpel und auf ausrangierten Plastikstühlen. Zu der Zeit boten die Unnaer Gästeführer in den alten Gewölben die ersten Besichtigungstouren an. Klar, dass sich auch schnell ein Keller mit Erinnerungen an produktive wie trinkfeste Zeiten füllte. Aber erst mit der Lichtkunst-Idee und der künstlerischen Ausgestaltung des unterirdischen Labyrinths hatte auch die „Abteilung 10“ einen festen Platz gefunden. Lang lang ist’s her…viel Bier und später auch wieder das berühmte Lindenpils ist seitdem durch die Kehlen geflossen. Höchste Zeit, im neuen Jahr einmal abzustauben, die Ecken zu fegen und Wollmäuse zu jagen, die hier ansonsten sehr alt werden dürfen.

Von Gläserspendern und Gläserspülern

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Prost: Karl-Heinz Agethen (Aggi l.) und Jörg Franke

Aggi, die Unnaer Letztinstanz für eine gepflegte Trinkkultur, hatte sich die gefühlten 3000 Gläser vorgeknöpft. Verletzungsfrei bugsierte er sie nach ausgiebigem Spülgang wieder staubfrei in die Glasvitrinen. In der Kneipe wurde auch sonst viel geputzt und gewienert. Auch neue Gläserspenden landeten im Keller und sogar eine alte Kiste Lindenpils de luxe (leider leer) tauchte auf. Aus dem Osten schaffte Karl-Heinz Schetter eine Lindenpils-Brieftasche herbei (leider auch leer!), und Bettina Dellwig stellte ihre alten Fotos  von den Kellern zur Verfügung, aus einer Zeit, als hier noch keiner gewirbelt und oder auch nur irgendeine Nutzungsidee hatte. Gästeführer Wolfgang Patzkowsky, der neuerdings auch dem Verein mit dem wohl klingenden Namen „Cerevisia Unnae Clara“ vorsteht, was ungefähr so viel bedeutet wie „Lasst uns einen heben!“, begrüßte zur Wiedereröffnung der wohl originellsten Kneipe in Unna an die 70 Gäste. 50 sind übrigens offiziell erlaubt. Die sind immer willkommen. Die „Abteilung 10“ kann für Feiern oder Firmen-Events gemietet werden: bei den Gästeführern oder direkt beim Verein Lindenbrauerei. Einfach nachfragen!

TIPP: Besuchen Sie das Zentrum für Internationale Lichtkunst einen ganzen Sonntagnachmittag lang ohne Führungen und probieren Sie in der „Abteilung 10“ ein leckeres Lindenpils. Das Angebot des Museums in Kooperation mit Unnas Gästeführern ist neu! Jeden ersten Sonntag im Monat ab 12 Uhr geht’s allein durch die Lichtkunst, ab 13 Uhr wird in der „Abteilung 10“ gezapft. Letzter Einlass ist um 16.15 Uhr.

 

 

 

 

 

 

 

 

Mon ami, mein lieber Freund

Mon ami, mein lieber Freund

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Vier Bürgermeister, ein seltenes Treffen: v.l.n.r. Grégoire de Lasteyrie (amtierender Bürgermeister Palaiseau), Jacques Allain (Bürgermeister a.D.), Robert Vizet (Bürgermeister a.D.), Bürgermeister Werner Kolter und der langjährige Vorsitzende des Partnerschaftsbeirats der Kreisstadt Unna, Helmut Tewes.

Eine Freundschaft wuchs und wurde stark

Es waren emotionale Momente auf dem Friedhof von Palaiseau, als Bürgermeister Werner Kolter zu den französischen Freunden sprach. Vor knapp 100 Jahren standen sich Deutsche und Franzosen noch als erbitterte Feinde gegenüber. Anlässlich der Feierlichkeiten des 97. Jahrestages des Waffenstillstands von 1918 reichten sich Palaiseaus neuer Bürgermeister Grégoire de Lasteyrie und sein Unnaer Amtskollege die Hände – vor der mahnenden Wand mit den Namen aller Toten aus Palaiseau, die in diesem großen blutigen Krieg ihr Leben ließen. „Mon ami“, sagte Grégoire de Lasteyrie, „cher Werner“. Beide bekräftigten die starken Fundamente der deutsch-französischen Freundschaft, die nach dem Zweiten Weltkrieg als vorsichtige Annäherung begann, sich dank vieler Menschen in beiden Ländern, dank vieler persönlicher Kontakte auch zwischen Menschen aus Palaiseau und Unna stetig festigte und schließlich stark wurde.

Ein Foto mit Seltenheitswert und vier Bürgermeistern

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Grégoire de Lasteyrie, der neue Bürgermeister von Palaiseau, mit Werner Kolter auf dem Weg zur Gedenkfeier.

Nach einer Messe, dem Marsch zum Friedhof und der feierlichen Kranzniederlegung stand an diesem Feiertag ein Essen mit dem Verein der Kriegsveteranen auf dem Programm.
2018 währt die Partnerschaft mit der französischen Kleinstadt nahe Paris sage und schreibe 50 Jahre, so war auch das bevorstehende Jubiläum ein Thema des Partnerschaftsbesuches. Ausgesprochen herzlich wurde die Unnaer Delegation empfangen, und sogar zwei ehemalige Bürgermeister ließen es sich nicht nehmen, die Unnaer zu begrüßen: Robert Vizet, der in Bälde seinen 92. Geburtstag feiert, umarmte den Unnaer Bürgermeister und drückte Helmut Tewes, Jahrzehnte ein Motor der deutsch-französischen Freundschaft, der auch mitgereist war. Jaques Allain (1995 bis 2001 Maire de Palaiseau) komplettierte den Kreis.
Darüber hinaus nutzten die amtierenden Bürgermeister sowie Vertreter beider Städte die Zeit für Gespräche, wie die Partnerschaft mit neuen Ideen und neuen Impulsen auch über das halbe Jahrhundert hinaus gelebt werden kann. Denn das war in Palaiseau – auch unter der neuen Regierung und im neuen Rat – erklärter Wille. In 2018, soviel sei schon verraten, wird das Stadtfest blau-weiß-rot. Ideen dazu werden jetzt schon geschmiedet.

Postskriptum:

Donnerstagabend ging es vom Gare du Nord im Thalys zurück nach Deutschland.

Keine 30 Stunden später ist die Welt eine andere. Die Nacht zum 14.November brachte  Paris und ganz Frankreich Tod und Terror. Schreckliche, schockierende Bilder des brutalen Anschlages erreichten auch uns in Unna. An unsere Freunde in Palaiseau gerichtet bringt Werner Kolter sein tiefes Mitgefühl zum Ausdruck. „Unsere Gedanken sind bei den Franzosen und ihren Familien. Wir denken an unsere französischen Freunde und sind ihnen in diesen schmerzlichen Stunden nah und eng verbunden.“

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Grégoire de Lasteyrie, der neue Bürgermeister von Palaiseau, mit seinem Unnaer Amtskollegen Werner Kolter. (Fotos: Simone Melenk)

 

 

Unna liebt Italien – 25 Jahre Deutsch-Italienische-Gesellschaft

Unna liebt Italien – 25 Jahre Deutsch-Italienische-Gesellschaft

Italien in Unna – 25 Jahre für die Freundschaft

Das Interesse an Italien geht weit über ein lässiges „Ciao Ciao“ und eine Latte Macchiato hinaus. Eine unausgesprochene Liebe zu Italien, diesem bedeutenden europäischen Kulturland, die Freude an Begegnungen mit Italien und Italienern, die Sehnsucht nach Sonne und ein bisschen „dolce vita“: Das trieb vor 25 Jahren ein Dutzend Italienfreunde in Unna an, die Deutsch-Italienische Gesellschaft (DIG) zu gründen. Und es ist ein offenes Geheimnis, dass auch die Städtepartnerschaft Unna-Pisa ohne das Engagement der DIG und seiner Mitglieder nie zustande gekommen wäre.

Sie forcierten die Freundschaft, die ausgerechnet bei einem Pfälzer Saumagen auf Sauerkraut, der bei einem deutsch-italienischen privaten Abend mit Gästen aus Pisa auf den Tisch kam, beschworen und 1996 schließlich auch besiegelt wurde…

30 Jahre "Un(n)a festa italiana" - zum größten Lichterfest nördlich der Alpen kam natürlich auch eine Delegation aus Unnas Partnerstadt Pisa. (Foto: Simone Melenk)

30 Jahre „Un(n)a festa italiana“ – zum größten Lichterfest nördlich der Alpen kam natürlich auch eine Delegation aus Unnas Partnerstadt Pisa. (Foto: Simone Melenk)

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Pisa-Unna: Die Städtepartnerschaft besteht seit 1996

Zahlreiche Kontakte zu Bürgern und Gruppen aus Pisa werden von der Gesellschaft seitdem gepflegt. Zum Jahresprogramm des Vereins, der heute rund 100 Mitglieder zählt und eng mit dem italienischen Konsulat in Dortmund zusammenarbeitet, gehören Vorträge, Lesungen und Ausstellungen.

Darüber hinaus bilden Filmabende, Konzerte, gemeinsame Reisen, Sprach- und Kochkurse sowie Feste den Rahmen, das historische wie auch das moderne Italien kennen zu lernen.So waren die unvergessene Dacia Maraini, der berühmte Ugo Ricarelli oder jüngst noch Camine Abate, einer der bekanntesten zeitgenössischen italienischen Schriftsteller, Gäste der DIG Unna. Nicht zu vergessen Mafiajäger Leoluca Orlando, der auch in Unna unter Polizeischutz stand und mit seinem Vortrag problemlos die Stadthalle füllte. Letztendlich steht die Deutsch-Italienische Gesellschaft Unna auch immer parat, wenn es darum geht, italienische Gäste bei der Festa zu betreuen.

Das 25-Jährige wurde jetzt mit einer musikalischen Reise gefeiert. „Das Gefolge des Orpheus“, so nennt sich das Projekt „Nostalgia d’Italia“ mit Kammerchor, Sopran, Klavier und Schauspiel. Auf dem Programm standen Chorwerke und Kunstlieder, Italien-Zitate und eine etwas andere Busreise durch das schöne Italien. Ziel war eigentlich Rom, aber die Gruppe strandete mit Panne in Pisa. Der Chor präsentierte sich in Bestform, Chorleiterin Bettina Lecking begeisterte auch als Solistin. Am Klavier saß Reiseleiter Alexander Schröder, die Dramaturgie hatte Andreas Gilles übernommen. Alle Akteure sorgten dafür, dass es ein rundum gelungener Abend wurde. Mille grazie!!!!