Als der Mord am Hellweg blutiger Ernst war…

Als der Mord am Hellweg blutiger Ernst war…

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Plakat „Mord am Hellweg“ und Titelbild der aktuellen Anthologie „Glaube, Liebe, Leichenschau“ – „angeschlagen“ am Original Schauplatz Onkel Albrecht an der B1. Foto: Simone Melenk

 

Dominas-Bande ging über Leichen

Unna. Gesucht wird ein „Mörder ohne Gesicht“. Ein altes Bauernpaar ist auf seinem Hof ermordet worden. Das Motiv der Tat liegt völlig im Dunkeln, deren Brutalität irritiert die Polizisten… So beginnt Henning Mankells erster Krimi mit Kurt Wallander. Er wird ein Bestseller.

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Ausriss aus dem Hellweger Anzeiger, der erste Bericht über das blutige Verbrechen, damals verfasst von Klaus Seifert, der auch schon tot ist. (Stadtarchiv Unna)

So geschockt wie seine schwedischen Kollegen ist auch Polizeiwachtmeister Manfred Such. In einer Augustnacht – er hat eigentlich Kirmesdienst – wird er zum Landgasthof in Unna-Lünern dirigiert. Überfall bei „Onkel Albrecht“ lautet die kurze Info.

Am Tatort erwartet den jungen Polizisten die totale Finsternis und eine gespenstige Stille. Vorne ist nichts. Also geht er hinten herum. Verdächtig: Am Fachwerkhaus lehnt eine Leiter ins oberste Stockwerk. Der Beamte wagt sich vorsichtig ins Haus, tastet sich vor ins Treppenhaus nach oben. Dann sieht er nur noch rot, nur noch Blut…

Der Doppelmord in der Gaststätte am Hellweg – Onkel Albrecht und seine Schwester Lina wurden mit mehreren Schüssen niedergestreckt – war keine Fiktion. Das alte Paar wurde Opfer der brutalen Bande um Petras Dominas, die bei ihren Raubzügen im Ruhrgebiet über Leichen ging. Letztendlich aber führten die Spuren in Unna zu Dominas‘ Verhaftung und zum „Lebenslänglich“.

Der „Mord am Hellweg“ rauschte damals durch den Blätterwald. Das Verbrechen ist allerdings auch schon 52 Jahre her – die meisten Beteiligten sind verblichen, gestorben übrigens eines natürlichen Todes.

In der Kriminalstatistik spielt der Kreis Unna seit Dominas keine beunruhigende Rolle mehr. Krimistar Henning Mankell kam 2008 an die B1 und holte sich beim Festival „Mord am Hellweg“ den ersten Europäischen Preis für Kriminalliteratur ab, den sogenannten „Ripper Award“. Seitdem sind 21 Tötungsdelikte erfasst – so viel wie in Dortmund in einem Jahr. „Mehr Tote gibt’s eindeutig im Straßenverkehr“, sagt Kim Freigang, Sprecher der Polizei Dortmund, die bei Bedarf die Mordkommission für die Nachbarn bildet.

Heißt: Die Wahrscheinlichkeit, im schönen Schwerte einem Serientäter zum Opfer zu fallen, ist zwar deutlich größer als ein Sechser im Lotto, aber doch so berechenbar wie ein Horst Seehofer als Ehrenvorsitzender von Pro Asyl.

Stellt sich die Frage, warum sich ausgerechnet am Hellweg eine so lange Blutspur zieht.

Die Antwort erfordert keine langen Ermittlungen. Klar ist: Das Krimispektakel entspringt der Fantasie. Ideengeber und Festivalmacher Sigrun Krauß (Kulturchefin Stadt Unna) und Dr. Herbert Knorr (Leiter Westfälisches Literaturbüro) bemühten Ende der 1990er-Jahre außerdem die nordisch-germanische Mythologie. Die sah den „Helvegr“ als Totenweg, auf dem die Leichen transportiert wurden. In der Silbe Hel, so die nächste Vermutung, spiegele sich auch der Name der Höllengöttin.

Eine Straße, die ins Jenseits führt

Eine Herrscherin der Unterwelt und eine Straße, die ins Jenseits führt: Das sollte reichen für Nebulöses und Nervenkitzel! Erfunden war das Festival „Mord am Hellweg“, ein Netzwerk-Projekt mit einem Konzept so simpel wie erfolgreich. Viele Anrainerstädte bilden eine verschworene Gemeinschaft, das Genre Krimi die Klammer. Das literarische Morden pflegt die regionale Verbundenheit. Und auch die internationale Szene rückt an und bringt Spannung in die (vermeintliche) Provinz.

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Jussi Adler-Olsen mit seiner deutschen Stimme Peter Lohmeyer. Foto: Simone Melenk

So durfte sich nach dem Schweden Henning Mankell Landsmann Håkan Nesser über den „Ripper Award“ freuen. Nach ihm war die Französin Fred Vargas Publikumsliebling. Zuletzt holte sich der dänische Krimistar Jussi Adler-Olsen die Auszeichnung ab.

In diesem Jahr waren die deutsche Krimilady Ingrid Noll nominiert. Sie hatte allerdings starke männliche Konkurrenz: Bestseller-Autor Arnaldur-Indriðason (Island), Jo Nesbø (Norwegen) und den deutschen Thriller-Spezialisten Sebastian Fitzek. Der Berliner Bestsellerautor galt früh als Hauptverdächtiger für den Publikumspreis. Am 7. April 2017 nimmt er ihn tatsächlich in der Stadthalle entgegen.

Der Europäische Preis für Kriminalliteratur ist übrigens mit 11.111 Euro dotiert. Das dürfte ungefähr der Summe in D-Mark entsprechen, die Petras Dominas in Onkel Albrechts Matratze vermutete.

 

Unna ehrt den Lichtpionier François Morellet

Unna ehrt den Lichtpionier François Morellet

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Unna. In der modernen Kunst trifft man nur noch selten Pioniere: François Morellet war ein Pionier, ein Lichtpionier. Ihm zu Ehren zeigt das Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna die erste Retrospektive nach seinem Tod. Und die letzte Werkschau, die der französische Künstler noch selbst zusammengestellt hat. Das war kurz vor seinem 90. Geburtstag im April dieses Jahres, elf Tage später starb Morellet.

In den Tonnengewölben der alten Lindenbrauerei sind jetzt seine Arbeiten aus seinen Anfängen als Lichtkünstler zu sehen, ebenso aktuelle Installationen aus den Jahren 2006 bis 2015. „Es war eine Herausforderung, fertige Morellets zu zeigen in Räumen, die fertig waren“, erzählt Museumsdirektor John Jaspers, der bei einem Besuch in Frankreich das Projekt noch mit dem Meister persönlich planen konnte. Denn Morellet arbeitete meistens für den Raum. So war er in den Anfängen des unterirdischen Unnaer Museums auch einer der ersten, die sich künstlerisch in einem der vielen Bierkeller „ausleben“ durften. Seine Arbeit „No End Neon/Pier and Ocean“ aus den Jahren 2001/2002 bezieht sich auf die gleichnamige Zeichenserie von Piet Mondrian und gehört als Dauerinstallation zum Bestand des Lichtkunstzentrums.

Das Zentrum für internationale Lichtkunst Unna am 30. April 2012

No end Neon/Pier and Ocean: eine der ersten Dauerinstallationen im Zentrum für Internationale Lichtkunst, realisiert 2002.

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Nèon abscon: eine Arbeit von 1968.

Madame findet die Schau schlicht „formidable“

In der Wechselausstellung Morellet erlebt der Besucher neue und alte faszinierende Lichtkunst in 150 Jahre alten grauen Gewölben, die selbst viele spannende Spuren zeigen. Durch sie erfährt Morellet eine ganz neue Strahlkraft. Sehr moderne Neon-Arbeiten aus den 1970er Jahren sind im ersten Raum aufgebaut – Neonlinien, Neon-Stäbe, die gestikulieren, immer wieder neue Figuren bilden und ein Eigenleben mit Kopf und Füßen entwickeln. In der Ecke dann eine sehr große Arbeit, die einst schon bei der Lichtkunst-Biennale im Kulturhauptstadtjahr in einer alten Scheune in Bergkamen die Besucher in Staunen versetzte: Ein perfekter Kreis aus Neonröhren, auseinandergenommen, zusammengefallen und neu zusammengesetzt, scheint sich plötzlich zum Himmel zu recken.

So minimalistisch, so streng die Werke von Morellet scheinen, sind sie nicht. Die roten Kreise, seine Linien, die geometrisch gesetzten Punkte: sie blinken, sie flunkern, sie scheinen sich dem Zufall oder einem Kurzschluss zu ergeben. Morellet hatte eben auch viel Humor und ein Faible für eigenwillige Schaltungen und seine eigene Lichtspielerei. Auf schwarzen, eigens eingebauten Wandscheiben leuchten diese Werke aus den 1960er Jahren besonders stark.

Am Ende der Schau hängt eine Arbeit, die aus dem Quadrat, dem Kreis, dem rechten Winkel ausbricht und so ganz anders ist: wirre weiße Neonlinien.  Morellet ließ eines seiner Werke sich waagerecht im Wasser spiegeln – die fotografierte Reflektion baute er dann senkrecht für die Wand nach. Mit Morellets Reflektion endet nach zehn Stationen auch die Retrospektive.

Die verlangt auch der Witwe Danielle Morellet (89) Bewunderung ab. Madame, eigens aus Frankreich angereist, findet die Schau schlicht „formidable!“

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Danielle Morellet mit ihrem Sohn Friquet und Museumsdirektor John Jaspers. Fotos: Simone Melenk

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Morellet – bis 29. Januar 2017, Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna, Lindenplatz 1. Öffnungszeiten: Di-Fr 13 Uhr, 15 Uhr und 17 Uhr, Sa-So 13-17 Uhr stündliche Führungen. Jeden ersten Sonntag im Monat offene Begehung.

 

 

Das Unnaer Stipendium für junge Kunst

Das Unnaer Stipendium für junge Kunst

Schaut genau hin: die Stipendiatin Silke Kleine Kalvelage. Foto: Simone Melenk

Schaut genau hin: die Stipendiatin Silke Kleine Kalvelage. Foto: Simone Melenk

Unna/Dortmund. Berge von Pflanzenfasern und Plastikschnüren verrotten in der Sonne, zerfetzter Vlies hängt in den Bäumen, Ölschiefer brennt und hinterlässt große Krater: Wo der Mensch auftaucht, sich breit macht, in die Landschaft frisst und für seine Produktions- und Nahrungskette die Natur verändert und zerstört, da schaut Silke Kleine Kalvelage genau hin.

Und zeigt die Umweltzerstörung, die Nachher-Natur in Serie und bemerkenswerten Bildern. Mit ihren Fotografien, Installationen, Videos und Versuchsanordnungen mit Pflanzen-Präparaten und in Einmachgläsern überzeugte die 31-Jährige unter anderem die Chefs des Museums Weserburg in Bremen, Peter Friese, und des Glaskastens in Marl, Georg Elben, als Teil der Jury. Deshalb erhält Kleine Kalvelage  in diesem Jahr das Stipendium für junge Bildende Künstler – zum 24. Mal ausgelobt von der Kulturstiftung der Sparkasse Unna/Kamen, die einst zum 150-Jährigen der Bank aufgelegt wurde. Die fördert mit diesem Preis seit 1992 junge Kunst und junge Künstler in unserer Region.

Der Preis ist dotiert mit 5555 Euro – Startkapital für das freie Schaffen

Diesmal waren Arbeiten zum Thema „Kunst und Natur“ gefragt, es gab 25 Einreichungen. Das Stipendium ist mit immerhin 5555 Euro dotiert und gehört in Westfalen zu den größeren und auch anerkannten Auszeichnungen. Für die gebürtige Duisburgerin Silke Kleine Kalvelage ist das Stipendium nach Studienjahren in Hildesheim und an der Kunsthochschule Kassel das willkommene „Startkapital“ als freischaffende Künstlerin mit ihrem ersten Atelier jetzt in Unna. silkekleinekalvelage.wordpress.com

Preisüberreichung im Kunstverein: v.l. Bürgermeister Werner Kolter, Silke Kleine Kalvelage, Sparkassenvorstand Klaus Moßmeier, Lea Carla Diestelhorst, Peter Friese (Direktor Museum Weserburg). Foto: Simone Melenk

Preisüberreichung im Kunstverein: v.l. Bürgermeister Werner Kolter, Silke Kleine Kalvelage, Sparkassenvorstand Klaus Moßmeier, Lea Carla Diestelhorst, Peter Friese (Direktor Museum Weserburg). Foto: Simone Melenk

Überzeugend und besonders: Lea Carla Diestelhorst erhielt einen Förderpreis. Foto: Simone Melenk

Überzeugend und besonders: Lea Carla Diestelhorst erhielt einen Förderpreis. Foto: Simone Melenk

Einen Sonderpreis (2500 Euro) für die hohe Qualität ihrer Arbeit erhält außerdem die junge Dortmunder Künstlerin Lea Carla Diestelhorst, die sich bei ihrer auch großformatigen Malerei vor allem von einem sicheren Farbgefühl leiten lässt. Ihre Strukturen, Striche, Streifen und Punkte sind so abstrakt wie assoziativ. Birkenwald oder Korallenriff? Jeder sieht etwas anderes, sagt sie, und das will sie auch. Die Natur ist bei der 28-jährigen Malerin mit Kunstadresse im Dortmunder Kreuzviertel in erster Linie ein bemerkenswertes „Farbereignis“. Leacarladieselhorst.com

 

Zur Preisverleihung wurde eine sehr gute Ausstellung im Kunstverein konzipiert, rechts die Kunstvereins-Vorsitzende Agnes Bonmann-Sobbe.Foto: Simone Melenk

Zur Preisverleihung wurde eine sehr schöne Ausstellung im Kunstverein gebaut, rechts die Vereinsvorsitzende Agnes Bonmann-Sobbe.Foto: Simone Melenk

Ein Kämpfer für Kuckuck & Co

Ein Kämpfer für Kuckuck & Co

Für seinen Einsatz und sein Engagement für die Umwelt und Natur erhielt Karl-Heinz Albrecht (2.v.l.) die Urkunde und die Medaille "Ehren.Sache" des Landes NRW. Links sein Mitstreiter Dr. Josef Cornelissen, Umweltminister Johannes Remmel und Bürgermeister Werner Kolter (r.)

Für seinen Einsatz und sein Engagement für die Umwelt und Natur erhielt Karl-Heinz Albrecht (2.v.l.) die Urkunde und die Medaille „Ehren.Sache“ des Landes NRW. Links sein Mitstreiter Dr. Josef Cornelissen, Umweltminister Johannes Remmel und Bürgermeister Werner Kolter (r.)

Große Ehre in der kleinen Öko-Zelle

Unna-Mühlhausen. Ohne ihn wäre Unna auf jeden Fall (wasser)ärmer, soviel steht fest. Und weil Karl-Heinz Albrecht auch mit fast 80 noch unermüdlich für die Natur, den Kuckuck & Co kämpft, wurde ihm jetzt eine besondere Ehre zuteil. NRW-Umweltminister Johannes Remmel zeichnete den Öko-Aktivisten mit der „Ehren.Sache“ aus, einer Medaille, die landesweit nur fünfmal vergeben wird – für den Einsatz und das Engagement für Natur und Umwelt.

Kein großer Bahnhof war angesagt, eher eine kleine Feierstunde in der Öko-Zelle, die Anfang der 1980er-Jahre hier in Mühlhausen/Uelzen von Heimat- und Naturschützern geschaffen wurde. Deshalb nahm Albrecht die Auszeichnung auch stellvertretend für viele (Natur-)Freunde entgegen, die mit ihm zusammen seit drei Jahrzehnten der Natur immer wieder zu ihrem Recht und ihrer Fläche verhelfen.

„Wir reden viel über Nachhaltigkeit,

sie muss aber auch gelebt werden“.

NRW-Umweltminister Johannes Remmel.

Nicht nur, dass Albrecht und seine Mitstreiter in den Quellendörfer die Wasseradern suchten und wieder freilegten, Teiche und Blenken anlegten, mit der Aktion Landkauf in Uelzen, Mühlhausen, Lünern und Hemmerde konnten in den vergangenen Jahrzehnten auch sage und schreibe 324 245 Qudratmeter Land erworben und der Natur zurückgegeben werden. Das entspricht immerhin einer (oft zusammen hängenden) Fläche von knapp 40 Sportplätzen – vom Rebhuhnacker und dem Nachtigallenbruch über den Rotkehlchenhain, den Cornelkamp bis zur Spatzenwiese und der Kuckucksweide.

Wasserschau in der Uelzener Heide/Mühlhauser Mark...

Wasserschau im Naturschutzgebiet Uelzener Heide/Mühlhauser Mark…

Experten unter sich: v.l. Karl-Heinz Albrecht, Dr. Josef Cornelissen, Johannes Remmel.

Experten unter sich: v.l. Karl-Heinz Albrecht, Dr. Josef Cornelissen, Johannes Remmel.

 

 

 

 

 

 

 

 

Nur 6 bis 7 Prozent der Gewässer in NRW seien in einem ökologisch guten Zustand, sagte Umweltminister Remmel bei der Ehrung, deshalb seien Menschen vor Ort so unverzichtbar wie wertvoll, die das Wasser als Lebensader der Artenvielfalt fördern und schützen. Karl-Heinz Albrecht sei so ein Mensch, er brennt für den Natur- und Umweltschutz. Seit 35 Jahren übrigens auch schon an der Seite von Werner Kolter, der bereits als Unnaer Umweltdezernent vielen gemeinsamen Öko-Projekten Rückenwind gab.

Heute, als Bürgermeister und begeisterter Radfahrer, ist er stolz auf ein ebenso grünes wie artenreiches Unna. Gerade auch dank so engagierter Bürgerinnen und Bürgern wie Karl-Heinz Albrecht.

Umweltaktivist Karl-Heinz Albrecht an der Gräfte des ehemaigen Wasserschlosses Haus Heyde in Uelzen. Seit knapp 40 Jahren ist der Unnaer ein unermüdlicher Kämpfer für Kuckuck & Co. (Bild. Simone Melenk)

Umweltaktivist Karl-Heinz Albrecht an der Gräfte des ehemaligen Wasserschlosses Haus Heyde in Uelzen. Seit knapp 40 Jahren ist der Unnaer ein unermüdlicher Kämpfer für Kuckuck & Co. (Bild. Simone Melenk)

 

Unterirdisch, aber oberoriginell – Ein Prosit auf die „Abteilung 10“

Unterirdisch, aber oberoriginell – Ein Prosit auf die „Abteilung 10“

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Hier unten, 20 Meter unter der Erde, gibt es immer einen Grund, sich für das Set zu entscheiden: lang-kurz, lang-kurz. Ach, einen nehmen wir noch…

Als von internationaler Lichtkunst noch keiner zu träumen wagte, ploppten hier die ersten Flaschen auf – zwischen Schutt und Dreck, Brauerei-Gerümpel und auf ausrangierten Plastikstühlen. Zu der Zeit boten die Unnaer Gästeführer in den alten Gewölben die ersten Besichtigungstouren an. Klar, dass sich auch schnell ein Keller mit Erinnerungen an produktive wie trinkfeste Zeiten füllte. Aber erst mit der Lichtkunst-Idee und der künstlerischen Ausgestaltung des unterirdischen Labyrinths hatte auch die „Abteilung 10“ einen festen Platz gefunden. Lang lang ist’s her…viel Bier und später auch wieder das berühmte Lindenpils ist seitdem durch die Kehlen geflossen. Höchste Zeit, im neuen Jahr einmal abzustauben, die Ecken zu fegen und Wollmäuse zu jagen, die hier ansonsten sehr alt werden dürfen.

Von Gläserspendern und Gläserspülern

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Prost: Karl-Heinz Agethen (Aggi l.) und Jörg Franke

Aggi, die Unnaer Letztinstanz für eine gepflegte Trinkkultur, hatte sich die gefühlten 3000 Gläser vorgeknöpft. Verletzungsfrei bugsierte er sie nach ausgiebigem Spülgang wieder staubfrei in die Glasvitrinen. In der Kneipe wurde auch sonst viel geputzt und gewienert. Auch neue Gläserspenden landeten im Keller und sogar eine alte Kiste Lindenpils de luxe (leider leer) tauchte auf. Aus dem Osten schaffte Karl-Heinz Schetter eine Lindenpils-Brieftasche herbei (leider auch leer!), und Bettina Dellwig stellte ihre alten Fotos  von den Kellern zur Verfügung, aus einer Zeit, als hier noch keiner gewirbelt und oder auch nur irgendeine Nutzungsidee hatte. Gästeführer Wolfgang Patzkowsky, der neuerdings auch dem Verein mit dem wohl klingenden Namen „Cerevisia Unnae Clara“ vorsteht, was ungefähr so viel bedeutet wie „Lasst uns einen heben!“, begrüßte zur Wiedereröffnung der wohl originellsten Kneipe in Unna an die 70 Gäste. 50 sind übrigens offiziell erlaubt. Die sind immer willkommen. Die „Abteilung 10“ kann für Feiern oder Firmen-Events gemietet werden: bei den Gästeführern oder direkt beim Verein Lindenbrauerei. Einfach nachfragen!

TIPP: Besuchen Sie das Zentrum für Internationale Lichtkunst einen ganzen Sonntagnachmittag lang ohne Führungen und probieren Sie in der „Abteilung 10“ ein leckeres Lindenpils. Das Angebot des Museums in Kooperation mit Unnas Gästeführern ist neu! Jeden ersten Sonntag im Monat ab 12 Uhr geht’s allein durch die Lichtkunst, ab 13 Uhr wird in der „Abteilung 10“ gezapft. Letzter Einlass ist um 16.15 Uhr.

 

 

 

 

 

 

 

 

Mon ami, mein lieber Freund

Mon ami, mein lieber Freund

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Vier Bürgermeister, ein seltenes Treffen: v.l.n.r. Grégoire de Lasteyrie (amtierender Bürgermeister Palaiseau), Jacques Allain (Bürgermeister a.D.), Robert Vizet (Bürgermeister a.D.), Bürgermeister Werner Kolter und der langjährige Vorsitzende des Partnerschaftsbeirats der Kreisstadt Unna, Helmut Tewes.

Eine Freundschaft wuchs und wurde stark

Es waren emotionale Momente auf dem Friedhof von Palaiseau, als Bürgermeister Werner Kolter zu den französischen Freunden sprach. Vor knapp 100 Jahren standen sich Deutsche und Franzosen noch als erbitterte Feinde gegenüber. Anlässlich der Feierlichkeiten des 97. Jahrestages des Waffenstillstands von 1918 reichten sich Palaiseaus neuer Bürgermeister Grégoire de Lasteyrie und sein Unnaer Amtskollege die Hände – vor der mahnenden Wand mit den Namen aller Toten aus Palaiseau, die in diesem großen blutigen Krieg ihr Leben ließen. „Mon ami“, sagte Grégoire de Lasteyrie, „cher Werner“. Beide bekräftigten die starken Fundamente der deutsch-französischen Freundschaft, die nach dem Zweiten Weltkrieg als vorsichtige Annäherung begann, sich dank vieler Menschen in beiden Ländern, dank vieler persönlicher Kontakte auch zwischen Menschen aus Palaiseau und Unna stetig festigte und schließlich stark wurde.

Ein Foto mit Seltenheitswert und vier Bürgermeistern

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Grégoire de Lasteyrie, der neue Bürgermeister von Palaiseau, mit Werner Kolter auf dem Weg zur Gedenkfeier.

Nach einer Messe, dem Marsch zum Friedhof und der feierlichen Kranzniederlegung stand an diesem Feiertag ein Essen mit dem Verein der Kriegsveteranen auf dem Programm.
2018 währt die Partnerschaft mit der französischen Kleinstadt nahe Paris sage und schreibe 50 Jahre, so war auch das bevorstehende Jubiläum ein Thema des Partnerschaftsbesuches. Ausgesprochen herzlich wurde die Unnaer Delegation empfangen, und sogar zwei ehemalige Bürgermeister ließen es sich nicht nehmen, die Unnaer zu begrüßen: Robert Vizet, der in Bälde seinen 92. Geburtstag feiert, umarmte den Unnaer Bürgermeister und drückte Helmut Tewes, Jahrzehnte ein Motor der deutsch-französischen Freundschaft, der auch mitgereist war. Jaques Allain (1995 bis 2001 Maire de Palaiseau) komplettierte den Kreis.
Darüber hinaus nutzten die amtierenden Bürgermeister sowie Vertreter beider Städte die Zeit für Gespräche, wie die Partnerschaft mit neuen Ideen und neuen Impulsen auch über das halbe Jahrhundert hinaus gelebt werden kann. Denn das war in Palaiseau – auch unter der neuen Regierung und im neuen Rat – erklärter Wille. In 2018, soviel sei schon verraten, wird das Stadtfest blau-weiß-rot. Ideen dazu werden jetzt schon geschmiedet.

Postskriptum:

Donnerstagabend ging es vom Gare du Nord im Thalys zurück nach Deutschland.

Keine 30 Stunden später ist die Welt eine andere. Die Nacht zum 14.November brachte  Paris und ganz Frankreich Tod und Terror. Schreckliche, schockierende Bilder des brutalen Anschlages erreichten auch uns in Unna. An unsere Freunde in Palaiseau gerichtet bringt Werner Kolter sein tiefes Mitgefühl zum Ausdruck. „Unsere Gedanken sind bei den Franzosen und ihren Familien. Wir denken an unsere französischen Freunde und sind ihnen in diesen schmerzlichen Stunden nah und eng verbunden.“

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Grégoire de Lasteyrie, der neue Bürgermeister von Palaiseau, mit seinem Unnaer Amtskollegen Werner Kolter. (Fotos: Simone Melenk)

 

 

Unna liebt Italien – 25 Jahre Deutsch-Italienische-Gesellschaft

Unna liebt Italien – 25 Jahre Deutsch-Italienische-Gesellschaft

Italien in Unna – 25 Jahre für die Freundschaft

Das Interesse an Italien geht weit über ein lässiges „Ciao Ciao“ und eine Latte Macchiato hinaus. Eine unausgesprochene Liebe zu Italien, diesem bedeutenden europäischen Kulturland, die Freude an Begegnungen mit Italien und Italienern, die Sehnsucht nach Sonne und ein bisschen „dolce vita“: Das trieb vor 25 Jahren ein Dutzend Italienfreunde in Unna an, die Deutsch-Italienische Gesellschaft (DIG) zu gründen. Und es ist ein offenes Geheimnis, dass auch die Städtepartnerschaft Unna-Pisa ohne das Engagement der DIG und seiner Mitglieder nie zustande gekommen wäre.

Sie forcierten die Freundschaft, die ausgerechnet bei einem Pfälzer Saumagen auf Sauerkraut, der bei einem deutsch-italienischen privaten Abend mit Gästen aus Pisa auf den Tisch kam, beschworen und 1996 schließlich auch besiegelt wurde…

30 Jahre "Un(n)a festa italiana" - zum größten Lichterfest nördlich der Alpen kam natürlich auch eine Delegation aus Unnas Partnerstadt Pisa. (Foto: Simone Melenk)

30 Jahre „Un(n)a festa italiana“ – zum größten Lichterfest nördlich der Alpen kam natürlich auch eine Delegation aus Unnas Partnerstadt Pisa. (Foto: Simone Melenk)

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Pisa-Unna: Die Städtepartnerschaft besteht seit 1996

Zahlreiche Kontakte zu Bürgern und Gruppen aus Pisa werden von der Gesellschaft seitdem gepflegt. Zum Jahresprogramm des Vereins, der heute rund 100 Mitglieder zählt und eng mit dem italienischen Konsulat in Dortmund zusammenarbeitet, gehören Vorträge, Lesungen und Ausstellungen.

Darüber hinaus bilden Filmabende, Konzerte, gemeinsame Reisen, Sprach- und Kochkurse sowie Feste den Rahmen, das historische wie auch das moderne Italien kennen zu lernen.So waren die unvergessene Dacia Maraini, der berühmte Ugo Ricarelli oder jüngst noch Camine Abate, einer der bekanntesten zeitgenössischen italienischen Schriftsteller, Gäste der DIG Unna. Nicht zu vergessen Mafiajäger Leoluca Orlando, der auch in Unna unter Polizeischutz stand und mit seinem Vortrag problemlos die Stadthalle füllte. Letztendlich steht die Deutsch-Italienische Gesellschaft Unna auch immer parat, wenn es darum geht, italienische Gäste bei der Festa zu betreuen.

Das 25-Jährige wurde jetzt mit einer musikalischen Reise gefeiert. „Das Gefolge des Orpheus“, so nennt sich das Projekt „Nostalgia d’Italia“ mit Kammerchor, Sopran, Klavier und Schauspiel. Auf dem Programm standen Chorwerke und Kunstlieder, Italien-Zitate und eine etwas andere Busreise durch das schöne Italien. Ziel war eigentlich Rom, aber die Gruppe strandete mit Panne in Pisa. Der Chor präsentierte sich in Bestform, Chorleiterin Bettina Lecking begeisterte auch als Solistin. Am Klavier saß Reiseleiter Alexander Schröder, die Dramaturgie hatte Andreas Gilles übernommen. Alle Akteure sorgten dafür, dass es ein rundum gelungener Abend wurde. Mille grazie!!!!

 

Vadim Neselovskyi: Als Flüchtling kam er einst in Massen an – heute ist er weltberühmt

Vadim Neselovskyi: Als Flüchtling kam er einst in Massen an – heute ist er weltberühmt

Ein furioser Auftakt des Jazz-Festivals Take5: Die Neue Philharmonie Westfalen spielt Neselovskyi, hier mit dem Solisten Dimitri Tylmanov, Trompeter aus Unna und Vadims langjähriger Freund. Das Publikum war hingerissen. Es gab stehende Ovationen. Foto: Simone Melenk

Unna – Dortmund – New Orleans – New York

Vor 20 Jahren kam Vadim Neselovskyi als Kontingentflüchtling in Unna-Massen an. Mit einem Bus, weil er unbedingt sein Klavier nach Deutschland mitnehmen wollte. Heute ist der 37Jährige ein gefragter Jazz-Komponist und Pianist – geboren in Odessa, erwachsen geworden in Westfalen. Nach einem Stipendiat in New Orleans landete der Kosmopolit in Boston und wohnt jetzt in New York. Simone Melenk sprach mit dem Weltbürger, der trotzdem täglich in einem Dortmunder Wohnzimmer sitzt – beim Skypen mit seinen Eltern.

Mit 17 Jahren sind Sie und Ihre Eltern als Juden aus der Ukraine geflüchtet und in der damaligen Landesstelle Unna-Massen angekommen. Wirklich mit einem Klavier?

Vadim Neselovskyi (V.N.): Klar. Deshalb hatten wir uns extra einen Bus besorgt, in den unser ganzes Leben passte. Die Katze blieb da, das Klavier musste unbedingt mit. Als es auf ‚Deutsche Erde’ gestellt wurde, sollte ich sofort etwas spielen – auf der Straße, neben dem Bus „my way“. Der damalige Hausmeister, er hieß Kröner, hatte ein Ohr für Musik, spielte selbst Trompete. Fortan durfte ich in seinem Arbeitszimmer üben. Unsere Katze vermisse ich heute noch…

Wenn Sie die Flüchtlingsströme sehen, die Menschen, die wie Sie aufgebrochen sind ins Ungewisse, was fühlen Sie?
V.N.: Heute war ich in Massen. Ich hatte ein deja vu. Die vielen jungen Männer in Trainingsanzügen, so kam ich auch hier an – in Ballonseide. Alle Erinnerungen kamen wieder hoch. Ich kann mich an den ersten Joghurt erinnern. Joghurt gab es damals in der Ukraine nicht. Es war schön, andere Flüchtlinge kennenzulernen. Es hat sich wie Ferien angefühlt. Ich habe damals überhaupt nicht richtig verstanden, dass ich emigriert war. Erst Jahre später.

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Vadim Neselovskyi am Bösendorfer in der Stadthalle: Für den 37-jährigen Jazz-Pianisten und Komponisten war der Auftritt in Unna nach vielen Jahren in der Welt einmal wieder ein Heimspiel. Foto: Simone Melenk

War es schwer, in einem fremden Land Fuß zu fassen?

V.N.: Unna hat mir sofort gefallen! Und ich habe eine unglaubliche Unterstützung erfahren. Ich fühlte mich nie wie ein Ausländer. Die Musik kennt keine Ausländer, Musik verbindet die Menschen. Durch die vielen musikalischen Kontakte habe ich auch schnell Deutsch gelernt. Ich kann nur Positives sagen. Deutschland hat mir alle Chancen gegeben, mich zu integrieren und meine musikalische Ausbildung fortzusetzen. Und ich habe sogar ein Auslandsstipendium erhalten, um Jazz in den USA zu studieren – ein Glücksfall.

Odessa, Unna, Dortmund, New Orleans, New York…Heute sind Sie von Boston nach Zürich geflogen, dann über Düsseldorf nach Dortmund gekommen. Wo ist Ihre Heimat?

V.N.: Ich bin dort zu Hause, wo ich mit Menschen zusammen bin, die ich liebe und die mich lieben. Deswegen haben mittlerweile Städte wie Dortmund, Unna, New York und Boston Platz in meinem Herzen. Aber Heimat bedeutet für mich, wenn ich in die Wohnung meiner Eltern in die Dortmunder Arndtstraße komme und das Zuhause rieche, das Elternhaus. Auf dem Tisch dampft ein leckerer Borschtsch. Dann fange ich an, mich so zu entspannen wie es nirgendwo sonst möglich wäre. Die Arndtstraße ist für mich Heimat.
Noch in Odessa haben Sie Klassik studiert, damals als jüngster Student am Konservatorium? Wann punktete der Jazz?

V.N.: Auslöser war wohl ein Konzert des Jazzpianisten Jury Kuznetsov, das ich in Odessa besucht habe. Ich war so begeistert von diesen Harmonien, von der Spontaneität und dieser ganz anderen Art Musik zu machen. Ich bin nach Hause gekommen und habe angefangen zu üben. Später hat mir jemand Jazzplatten auf Kassette überspielt, wir hatten damals noch keine CDs. So habe ich Oscar Peterson, Chick Corea, Dizzy Gillespie und Keith Jarret entdeckt. Ich hatte dann nur noch Jazz im Kopf.
Sind Sie mehr Komponist oder Pianist?

V.N.: Ich bin definitiv ein Komponist, aber einer, der selber gerne seine eigene Musik spielt. So wie ein Dichter, der auch selber gerne seine Gedichte vorliest…
Was bedeutet es Ihnen, mit der Neuen Philharmonie Westfalen zu spielen?

V.N.: Der Auftritt ist ein musikalischer Traum, der in Erfüllung geht. Ich habe mich den ganzen Sommer auf das Projekt vorbereitet und die Partituren geschrieben. 50-60 MusikerInnen zu führen, das fordert heraus. Aber ein Künstler wühlt und sucht ja immer weiter…

PS: Es war ein furioses Konzert, das Publikum war geradezu hingerissen von dem Jazzer, seinen Kompositionen und der Neuen Philharmonie, die mit sichtlicher Begeisterung fremd ging und einen Ausflug in den Jazz unternahm. Es gab stehenden Applaus, Vadim Neselovskyi wurde gefeiert.

Take5 – das Jazz-Festival

In der Hellweg-Region – Schmelztiegel der Kulturen und Nationalitäten – verschaffte sich eine lebhafte Jazz-Szene wieder deutlich Gehör: Take5, das Jazzfestival, lockte die Besucher an den Hellweg. Integration war diesmal das Thema. Man müsste das Wort nicht extra betonen. Denn Musiker aus allen Herren Ländern, die sich dem Jazz verschrieben haben, sprechen ein und dieselbe Sprache.
Besucher von Take 5 genossen 50 Konzerte in 16 Städten – von Ahlen bis Arnsberg, von Lippstadt bis Lünen, ob in Kunstvereinen, Kulturschmieden und Kirchen, Museen oder Jazzclubs. 

Siddinghausen – eine starke Gemeinschaft mit viel (erneuerbarer) Energie

Siddinghausen – eine starke Gemeinschaft mit viel (erneuerbarer) Energie

Neue Heizleistung im alten Stall

Gemeinsam leben, gemeinsam Zukunft planen, gemeinsam bauen: (v.l.) Henning Kohlhage, Schwiegervater Heinrich Hueck, Karl Maas und Lothar Schulte. (Fotos: Simone Melenk)

Siddinghausen. Früher quiekten hier die Ferkel, heute powert an derselben Stelle das erste Unnaer Hackschnitzel-Fernwärme-Heizkraftwerk. Angeschlossen sind immerhin neun Häuser im Dorf. In Siddinghausen wird für die Zukunft gebaut. Gemeinsam haben alteingesessene Bauern mit ihren Familien eine neue, autonome Energieversorgung geplant und realisiert. Und die Ärmel hochgekrempelt.

Nachhaltigkeit war das Thema, Energie aus nachwachsenden Rohstoffen und nicht zuletzt die Unabhängigkeit vom Öl waren den Familien Hueck, Maas und Schulte wichtig, als sie sich vor zweieinhalb Jahren im Olsberger Energieberatungszentrum schlau machten, wie solch ein Heizkraftwerk auch für Dörfler Sinn machen könnte.

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Baubegehung im alten Stall: rechts der 7000-Liter-Pufferspeicher, links davon die Befeuerungsanlage.

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Die Verteilerpumpen, die das 85 Grad warme Wasser in die Häuser speisen.

Neun Häuser hängen an der Anlage

Drei Großfamilien, neun Häuser, insgesamt 24 Menschen hängen jetzt dran an der Anlage, die mit einer vollautomatischen Verfeuerung von Holz-Hackschnitzel eine 200 Kw-Leistung liefert. Herzstück der Anlage, die im alten Schweinestall von Hof Hueck gut Platz hat, ist die Holz-Heizung mit dazugehörigem 7000-Liter-Pufferspeicher. Eine Förderschnecke transportiert den Brennstoff vom Bunker (im Nebenraum) in die zentrale Feuerstelle.

Als Reserve noch ein Scheitholzkessel

Pro Holz-Lieferung können 40 Kubikmeter Schnitzel im Bunker abgekippt werden. Rund zwei Wochen heizt das Material dann die Häuser und sorgt für warmes Wasser. So die Berechnungen der Betreiber. „Wir gehen von einem Jahresdurchschnitt von 450 Kubikmeter aus“, sagt Landwirt Lothar Schulte, der einer von ihnen ist. Kommende Woche wird noch ein Scheitholzkessel montiert, der zusätzliche 60 Kw liefert. Sozusagen als Havarielösung, sollte im Winter mal „die russische Peitsche“ knallen, erklärt Henning Kohlhage, bei dem Projekt für den kompletten Schriftkram zuständig. Der war nicht unerheblich. Schließlich galt es, 680 Meter Fernwärme-Leitung zu legen, glücklicherweise die meisten Meter über eigenen Grund und Boden. Aber auch auf die andere Hauptstraßenseite mussten die Heizungsbauer. Genehmigungen bei Straßen NRW mussten eingeholt, immer wieder neue Rechnungen aufgestellt und schließlich Fördermittel für das neue Fernwärmenetz beantragt werden.
Das Gemeinschaftsprojekt ist so ungewöhnlich wie zukunftsweisend, meint Henning Kohlhage, weil es Großeltern, Eltern, Kinder und Enkel gleichermaßen einbezieht und in die Zukunft des Dorfes weist. Die Anlage ist jederzeit erweiterbar. Und überschüssige Wärme im Sommer? Kein Problem: Die trocknet dann das Korn. Denn noch ist das 125-Seelen-Dorf im Unnaer Osten ein Bauerndorf. Ein besonders schönes noch dazu.

 

Jungfilmer wollen es wissen: Was ist Heimat?

Jungfilmer wollen es wissen: Was ist Heimat?

Was bedeutet zuhause, Heimat, was heißt das?

Heimat Unna – warum wohnen wir hier, warum lässt es sich hier gut leben?

Kim Laura Losch, Tobias Beier und Tim Schneider, Studenten aus Unna, wollen das genauer wissen und schauen deshalb auch genauer hin. Und sie wollen ihre Eindrücke dokumentieren. Als Filmteam sind sie neuerdings unterwegs, zücken ihr Drehbuch, leuchten die Szenerie aus, bringen das Mikro in Stellung und lassen die Kamera laufen. Sie spüren Unnaer (kulturelles) Leben auf, zeigen die attraktiven Seiten der Stadt und wollen erzählen, warum es sich lohnt, hier einmal Halt zu machen, den Tag, den Abend zu verbringen und bestenfalls sogar ins frisch bezogene Kissen zu sinken. Die Idee zu den digitalen Image-Beiträgen über Unna, die von den 21-Jährigen auch auf youtube gestellt werden, hatte Marc Lobert, Manager im Katharinen Hof. Natürlich in ureigenem Interesse, ein bisschen aber auch als überzeugter Unna-Botschafter.

Derzeit interessiert die Filmemacher aber erst einmal die Bürgermeisterwahl. Also schlägt das ambitionierte Team im Hotel auf und krallt sich den Kandidaten.“Herr Kolter, hätten Sie ein paar Minuten..?“

Wann bietet sich schon einmal die Gelegenheit, nicht nur Werner Kolter zu interviewen, sondern gleich auch noch Thomas Oppermann, den SPD-Fraktionsvorsitzenden im Deutschen Bundestag, extra aus Berlin angereist, mit aufs Bild zu kriegen?

Für das studentische Trio ist es ein perfekter Abend. Für Thomas Oppermann und Werner Kolter vor ausverkauftem Haus ein Heimspiel.

Womit wir fast wieder bei dem Wort Heimat wären…

PS: Der Clip ist fertig, zu sehen auf Youtube unter http://youtu.be/xTTc84_Pps8